Adiós Lovelybooks, hallo LibraryThing!

Ich benutze Lovelybooks in erster Linie als virtuelles Bücherregal und somit als Bücherdatenbank. Eine popelige Excel-Datei ist mir zu unübersichtlich und fade, mit den diversen offline verfügbaren Bibliotheks-Programmen bin ich nie warm geworden. Außerdem fand ich es immer praktisch meinen aktuellen Lesestatus als Widget auf dem Blog einfügen zu können.

An den sonstigen vermeintlichen Vorzügen habe ich bei Lovelybooks selten teilgenommen. Eine handvoll Leserunden, eine Lovelybox und diverse Challenges, die ich aber auch nach einigen Wochen meist nicht weiterverfolgt habe. Mit den Leserunden dort hatte ich immer meine Probleme, weil ich sie für sehr unübersichtlich halte und bei großen Leserunden einfach keine wirkliche Diskussion aufkommt. Auch muss man schon in einem Wahnsinns Tempo lesen, damit man überhaupt noch was schreiben kann, was nicht schon fünfzig andere gepostet haben. Spaß macht es jedenfalls selten. Und ehrlich gesagt gibt es genügend Portale, wo ich die Leserunden angenehmer finden. Z.B. bei Literaturschock oder – warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt – in meinem eigenen Bücherforum.

Außerdem sind in den letzten Monaten auf Lovelybooks ein paar Dinge passiert, die ich einfach nicht gutheißen kann. Da wurden zu horrenden Preisen Autoren Plätze im Adventskalender 2016 verkauft und dann wurden die Bücher den Lesern als Buchtipps vorgegaukelt. Dabei war es im Prinzip Werbung, die sich Lovelybooks gut hat bezahlen lassen. Ein wahrer Aufschrei ging durch meine Facebook-Timeline, in der sich auch viele deutsche Autoren tummeln. Erstmal aufgrund der Preise, die Lovelybooks für die Autoren aufrief, aber auch deswegen, weil die Beiträge nirgendwo als Anzeige deklariert wurden. Nach einigen Tagen hat man dies – wohl auch aufgrund des Gegenwindes von Autoren und namhafter Blogger – nachgeholt und mittlerweile findet sich auf ganz schön vielen Bannern auf Lovelybooks ein winziges Anzeige-Zeichen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Banner, Empfehlungen, etc. in den letzten Monaten und Jahren ebenfalls nur Werbung waren, aber nicht als solche deklariert worden waren.

Nun ist mir schon klar, dass so eine Plattform finanziert werden muss, aber trotzdem darf ich Transparenz erwarten. Das erwartet man schließlich von jedem kleinem Blogger mit einer handvoll Besuchern ebenso.

Hinzu kommt der unsägliche Lovelybooks-Leserpreis, der so bedeutsam und nützlich ist wie Streusalz im Juni. Da wird weder Qualität gewählt, noch das Lieblingsbuch, sondern einfach der, der am lautesten schreit und für sich wirbt. Davon mal abgesehen, dass sich mir die Kategorien nicht erschließen und ich das kalte Grausen kriege, wenn ich sehe, dass Elena Ferrante, Emma Cline und Han Kang mit Jojo Moyes und Cecelia Ahern unter Unterhaltung laufen. Der einzige, der etwas von diesem Leserpreis hat, ist Lovelybooks selbst, weil überall drüber gesprochen wird. Blogger berichten darüber, Autoren werben für Stimmen und trotzdem verkauft niemand ein Buch mehr. Letztlich mag ich all dies irgendwie nicht mehr unterstützen, weil es für mich einen faden Beigeschmack hat.

Dennoch wollte ich mich von LovelyBooks nicht lösen, da ich viel Zeit und Arbeit darauf verwendet habe, einen Großteil meiner Bibliothek einzupflegen. Es fehlen zwar immer noch einige Bücher, aber über 3800 Bücher sind halt schon drin und das löscht man nicht mal eben so. Die Bücherliste auf Goodreads zu übertragen, hat sich als problematisch erwiesen, weil nicht alles übernommen wird. Außerdem finde ich Goodreads noch unübersichtlicher als LovelyBooks.

Tja und gestern bin ich durch Zufall auf LibraryThing gestoßen und das kann alles, was ich brauche. Super Datenbank, Widget für mein Blog und alles ist übersichtlich. Es gibt witzige Statistiken und ich konnte 95% meiner Lovelybooks-Datenbank mit einem Knopfdruck importieren. Natürlich ist da auch nicht alles toll. Das Widget könnte ein paar mehr Einstellungen haben und es gibt (momentan) keine Möglichkeit anzugeben, auf welcher Seite man im entsprechenden Buch ist. Da ich dies sowieso immer vergesse zu aktualisieren, finde ich es aber letztlich nicht schlimm. LibraryThing gibt es übrigens in ganz vielen Sprachen und auch dort gibt es Foren und Challenges. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk eben auf der Verwaltung der eigenen Bibliothek.

Als nettes Gimmick weiß ich jetzt übrigens, dass mein Bücherbesitz als Stapel größer ist, als das Empire State Building. :mrgreen: Und auch ansonsten hat sich LibraryThing einige nette Statistiken einfallen lassen (Personen, Preise, etc.). Vielleicht ist dies ja auch für den ein oder anderen von Euch eine Alternative zu den Platzhirschen am Markt.

  • Silvia

    Inzwischen habe ich in Lovelybooks einige Nischen gefunden und nette Leute, die einen ähnlchen Buchgeschmack haben. Aus dem Rest halte ich mich dort raus.
    Aber ich schaue mir LibraryThing mal an. Allerdings habe ich es aufgegeben alle Bücher zu katalogisieren. Ich bin auch dabei jede Woche ein Buch auszusetzen um hier mal wieder etwas Platz zu schaffen für die neuen Bücher.
    Wie funktionierte das mit dem Ex- und Import? Wo kann ich aus LB exportieren?

    Danke für den Tipp!

    • Hallo Silvia!

      Bei Lovelybooks kannst du in Deiner Bibliothek auf exportieren klicken. Dann hast Du eine Text-Datei auf Deinem Rechner. Die wiederum kannst du auf librarything einfach hochladen. Einfach auf Bücher hinzufügen klicken, dann ganz unten auf auf „Bücher importieren“ und dort auf „Universeller Import“ und dort kannst du dann Deine Textdatei anhängen.

      Liebe Grüße,
      Steffi

      • Es dauert übrigens etwas, bis die Datei dann verarbeitet ist. Bei mir ca. 30 Minuten. Man kann aber in die eigene Bibliothek gehen und immer mal wieder die Seite neu laden. Dann sieht man wie sich die Anzahl der Bücher in der Bibliothek erhöht.

  • Kate

    LibraryThing kannte ich bisher noch gar nicht. Danke für die Vorstellung!

    Aber sehe ich das richtig, dass es kostenpflichtig ist bzw. wird?

    Auf der Seite steht:
    Trage 200 Medien kostenlos ein, oder katalogisiere so viele, wie du willst für 10 US$ im Jahr (oder 25 US$ für eine lebenslange Mitgliedschaft).

    Die 200 Medien hat man ja recht schnell zusammen, besonders zu Anfang..

    Liebe Grüße
    Kate

    • Ne, für Privatleute ist das kostenlos. Das andere gilt nur für Bibliotheken. Ich habe da jetzt über 3000 Bücher drin (gestern importiert).

      Liebe Grüße,
      Steffi