Watt, Erin: Paper Princess – Die Versuchung

Band 1 Paper Trilogie

Originaltitel: Paper Princess
Verlag:
Piper
erschienen:
2017
Seiten:
384
Ausgabe:
Klappenbroschur
ISBN:
3492060714
Übersetzung:
Lene Kubis

Klappentext:

Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen …

Rezension:

Heideröslein, ich glaube, ich werde alt. Die deutschen Rezensionen überschlagen sich mit „wunderschön“ und „spannend“ und überhaupt und ich denk mir nur so, hat einer versehentlich bei mir einen anderen Text ins Buch geklöppelt? Und dann schaue ich mir englische Rezensionen an und bin erstmal erleichtert, weil einige dummes Rumgevögel und fünf Brüder, die mächtig einen an der Murmel haben, auch nicht so töffte finden.

Aber erstmal die positiven Dinge an diesem New Adult Liebesroman. Ella ist eine überraschend kratzbürstige und mutige Protagonistin. Sie lässt sich wenig gefallen und obwohl sie in vielen Situationen absolut allein ist, zeigt sie äußerlich nie, wie sehr sie all das verletzt. Egal ob das Callums Söhne sind oder die versnobten Mädchen ihrer neuen Privatschule. Sie kämpft erhobenen Hauptes und lässt sich nicht unterkriegen. Auch weiß sie, dass sie gut aussieht und ist bereit dieses Aussehen einzusetzen. Für gewöhnlich hat man es ja in New Adult Romanen immer mit wunderschönen jungen Mädchen zu tun, die aus unerfindlichen Gründen glauben, sie seien graumäusige Nichtskönner und genauso verhalten sie sich dann in den Büchern auch.

Auch stilistisch habe ich wenig zu meckern. Das Autorinnenpaar schreibt locker und flüssig und die Ich-Perspektive hilft Ellas Gefühle lebendig wirken zu lassen. Tja und das war es dann leider auch schon an positivem Input von mir. Tut mir leid!

Die ersten 50 Seiten waren handlungstechnisch noch ganz nett, wenn auch wenig überraschend. Verarmtes Mädchen, deren Mutter gerade an Krebs gestorben ist (Ella hat diese natürlich bis zum Tode aufopferungsvoll begleitet), lebt plötzlich bei einer Familie, die reicher ist als Rockefeller und erlebt den totalen Kulturclash. So ähnlich habe ich das übrigens schon mal bei Abbi Glines gelesen. Inklusiver krebskranker Mutter und neuem Bad Boy Bruder.

Was dann folgt, hinterlässt bei mir jede Menge Fragezeichen auf dem Gesicht. Ella wird vom besten Freund ihres verstorbenen Vaters, den sie nie kennengelernt hat, aufgenommen. Callum Royal (der Nachname… :roll: ) ist nicht nur stinkreich, sondern hat auch noch fünf Söhne, die ich leider Gottes im Verlaufe des Romans kaum auseinander halten konnte. Alle natürlich bildschön, alle natürlich total cool und alle so übertrieben Bad Boy. dass es an Karikatur grenzt. Wenn ich noch einmal von nackten muskulösen Oberkörpern und auf den Hüften sitzenden Jogginghosen lese, fange ich zu schreien.

Der einzige, der etwas heraus sticht ist Reed. Aber nicht weil er sich anders benimmt oder anders aussieht, sondern einfach nur, weil Ella sofort auf ihn steht und er sozusagen der Love-Interest des Buches ist. Und das, obwohl er sich vom ersten Augenblick an dermaßen abschätzig und fies ihr gegenüber benimmt. Natürlich findet sie ihn ebenfalls vom ersten Augenblick an völlig unmöglich, aber natürlich klopft trotzdem ihr Herz beim ersten Aufeinandertreffen schneller. :roll:  Später wird dann aus dem Herzklopfen ein Ziehen zwischen den Beinen. Ja mei, so ist das heute bei den Mädels in den Liebesromanen. Umso ätzender die Kerle, umso feuchter die Schlüpper.

Überhaupt geht es dann irgendwann nur noch um das eine. Zwar erstmal nicht zwischen Reed und Ella, weil die können sich partout nicht leiden, aber ansonsten schlafen sich die Brüder fröhlich durch das weibliche Material an der Privatschule, die so klischeehaft ist, dass man die Highschool in „Gossip Girl“ für eine Klosterschule halten könnte. Die Brüder unterhalten sich eigentlich nur darüber, wen sie heute mal richtig durchvögeln werden oder wer für den täglichen Blow Job zuständig ist. Ella ist übrigens 17 Jahre alt und die Brüder alle ungefähr in ihrem Alter. Den Vogel schießt allerdings der verwitwete Callum ab, dessen Freundin Brooke andauernd über ihn herfällt und die beiden es nur nicht vor den Augen der „Kinder“ miteinander treiben, weil diese es noch früh genug schaffen, den Raum zu verlassen.

Vor Ellas neuem Leben, hat sie übrigens als Stripperin gearbeitet, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das fand ich am Anfang des Buches gar nicht mal unrealistisch und es wird auch nicht billig dargestellt, aber im Laufe des Buches wird die Handlung einfach so übertrieben vulgär, dass es mich schüttelt. Da tanzt Ella mit der neu gewonnenen Freundin Valerie in einem Club in einem Käfig, da macht sie Reed heiß, nur um ihn dann halbnackt und angekettet sitzen zu lassen, etc. etc.

Mir ist auch total unverständlich, wieso die Brüder überhaupt so eine Abneigung gegen das Mädchen haben. Sie glauben, sie sei nur auf ihr Geld aus und zudem hinter ihrem Vater her. Das entbehrt nur jeglicher Logik. Die Royals haben so viel Geld, dass es für einen kleinen Inselstaat reicht und wieso sollte Ella etwas mit Callum haben, den sie doch vorher gar nicht kannte?

Zwischendurch wird natürlich mal erwähnt, dass alle ihre tote Mutti bzw. Ehefrau vermissen, aber ist das echt genug, um zu erklären, wieso die sich alle total gaga verhalten und nur mit den primären Geschlechtsorganen denken? Wieso hat die ganze Familie ansonsten null Persönlichkeit? Es gibt keinerlei Eigenschaften, die die Jungs unterscheiden. Keinen Tiefgang, keine wirkliche Handlung, gar nichts.. Und der Schluss – natürlich ein Cliffhanger – ist einfach nur bescheuert. Ehrlich gesagt, fühle ich mich nur angewidert von diesem ganzen Haufen voller Idioten, die eingebildete Probleme haben und sich für die Herren der Schöpfung halten und den ganzen billigen Sexszenen, die weder romantisch noch anregend sind. Ich hätte Lust auf eine Zeitreise in die Zukunft, wo dieser New Adult Trend endlich ein Ende hat, denn die wenigen guten Romane in diesem Genre können den überwiegenden Schmarrn mittlerweile nicht mehr wettmachen.

Ach, mir fällt doch noch was positives ein. Das Cover ist wirklich bildhübsch. Die Krone sieht aus, als hätte jemand Glitzer auf das Buch gestäubt und auch innen sind die Kapitel mit Krönchen versehen. Eine optische Zierde im Regal ist das Buch also. Aber andere Autoren haben auch schöne Bücher – sogar mit Inhalt!

Note: 5