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Steffi kauft ein Cora-Heft
...oder: Warum Liebesromane?
Meine Bananen piepsen
über das Laufband, mein Landliebe Lebkuchen Joghurt (kann das schmecken???)
verschwindet in meiner Einkaufstüte und die Kasse rattert, während ich schon
mal nach meiner EC-Karte wühle (ich höre meine Mutter sagen: Kind, warum
nimmst Du nie Geld mit?). Plötzlich schiebt mir die Kassiererin den neuen
Cora Historical Special rüber und fragt mich: Brauchen sie noch ne Tüte?.
Verdutzt schaue ich in
meinen nicht mal halbvollen Einkaufsbeutel.
Also da ist eigentlich noch massig Platz.
Ich dachte nur, damit nichts an ihr Heftchen da kommt.
Dabei zieht sie ihre linke Augenbraue so weit nach oben, das sie fast in ihrem
Pony verschwindet. Hübsche Frisur! Ich zücke meine Karte und schiebe den Cora
demonstrativ neben meine Banane in die Tüte und mich beschleicht der Gedanke,
das sie mir die Tüte nur angeboten hat, damit mein Iglo Blubb Spinat nicht mit
dem Historical in eine Tüte muss. Was konnte da auch für ein Schaden draus
entstehen. Liebeskranker Spinat? Vielleicht entkleiden sich die Bananen von
selbst und der Lebkuchen Joghurt fängt an Oh Du fröhlich zu singen. Man, das
gäbe ne Orgie in der Tüte.
Aber vielleicht sollte
ich mal von vorne anfangen. Eigentlich war ich ja vor langer langer Zeit auch
mal so... naja... ich hab keinen Pony und ganz so intolerant war ich auch
nicht, aber nahe dran.
Schön früh habe ich gelesen, was immer mir in die Finger kam, dabei war es mir
wirklich egal, was ich da las. Es musste mich eben nur vom Inhalt her
ansprechen. Fan von irgendwelchen Autoren oder Genres war ich damals noch
nicht. Ich glaube mich zu erinnern, das auch ein paar Liebesromane dabei
waren. Danielle Steel z.B., aber irgendwie war mir das nicht so bewusst. Von
den sogenannten Königinnen der Romance-Literatur (Jude Deveraux, Johanna
Lindsey, etc.) hatte ich jedoch nie etwas gelesen. Aber ich erinnere mich, das
ich schon damals im Kaufhaus einen riesen Bogen um Liebesromane gemacht habe.
Nicht, weil ich sie einfach schlecht fand, sondern weil mich die Cover
abgeschreckt haben. Noch heute frage ich mich, ob die Verlage meinen, das wir
Liebesromanleser (ja, es gibt auch Männer, die so was lesen) diese halbnackten
Pärchen brauchen, die sich im Clinch anschmachten, wie die Katzen von unserer
Nachbarin, wenn gerade mal wieder Paarungszeit ist... schüttel!
Jedenfalls ließ ich die
Finger von diesen Büchern. Ganz davon abgesehen, erinnere ich mich an
Gespräche mit Freundinnen oder Studienkolleginnen: Was liest Du denn so.
Ach, eigentlich alles, nur nicht diese Kitschromane. Ne, ist klar, das
hätte ich jetzt auch nicht von Dir gedacht!.
Tatsächlich war und ist es bei den meisten verpönt Liebesromane zu lesen. Ohne
eigentlich zu wissen, worum es geht, werden sie für Schund gehalten und
Sprüche wie Das ist doch nur was für Hausfrauen habe ich öfters gehört.
Eigentlich schon an sich eine Beleidigung. Ich muss gestehen, ich habe damals
nicht dagegen gehalten. Zwar mochte ich Liebesromane wie schon erwähnt wegen
meiner Aversion gegenüber den Titelbildern nicht, aber ich hielt
Liebesromanleser deswegen noch lange nicht für unterbelichtet.
Heute ist mir klar, das es zwei Sorten von Leuten gibt, die über diese
Literatur herziehen. Erstens die, die noch nie einen gelesen haben und sich
somit doch eigentlich gar kein Urteil erlauben dürfen und zweitens, die, die
in irgendwelchen Ecken tonnenweise Liebesromane verstecken, sie nachts
heimlich unter der Bettdecke mit der Taschenlampe lesen, nachmittags in der
Straßenbahn aber mit Dostojewski sitzen. So, als wäre es unmöglich beides zu
lesen.
Mein
Einstieg in die Droge Liebesromane war Bleib nicht zum Frühstück
von Susan Elizabeth Phillips. Das dürfte jetzt ca. 2 Jahr her sein. Übrigens
eines der Liebesromane mit meinen Lieblingstitelbildern! :-) Ich kaufte es mir
einfach, weil ich die Geschichte pfiffig fand und weil ich auch bisher nur gutes
davon gehört hatte. Es gefiel
mir sehr gut und daraufhin erkundigte ich mich nach weiteren Romanen der Autorin
und landete schließlich in einem Bücherforum über Liebesromane und es dauerte
nicht lange und mein Vorurteil gegen Liebesromane begann ziemlich heftig zu
bröckeln. Ich begann hier und da einen Liebesroman einzuschieben (sieht man
übrigens auch an meinen Rezensionen... da fange ich bei den Bewertungen bei
einigen Büchern noch mit Eigentlich bin ich ja keine große
Liebesroman-Leserin an... grins) und machte dabei viele gute und ein paar
schlechte Erfahrungen.
Noch ein Manko, dass ich im
Nachhinein gar nicht mehr verstehen kann. Viele lesen einen Liebesroman - finden
ihn schlecht und verdammen dann gleich das ganze Genre. Dabei habe ich noch
niemanden getroffen, der nach einem schlechten Krimi für immer die Finger von
Krimis gelassen hätte. Schwarze Schafe gibt es denke ich in jedem Genre. Ganz
davon zu schweigen, dass die Geschmäcker eben verschieden sind. Aber gleich
alle Liebesromane über einen Kamm zu scheren und sie pikiert mit den
Fingerspitzen in den Mülleimer zu schmeißen halte ich dann doch für sehr intolerant.
Irgendwann
letztes Jahr im Sommer habe ich mich dann auch an die letzte Hürde Cora
gewagt. Von diesen Heftromanen, die es auch in Supermärkten gibt, hielt ich bis
dato wirklich nichts. Aber da man Steffi eigentlich zu fast alles überreden kann
und mir viele aus dem Liebesroman-Forum versicherten, das besonders die
Historicals doch ganz toll seien, habe ich mich dann mal dran gewagt. Ich
verbrachte ein paar nette Stunden auf dem Sofa mit meinem ersten Historical und siehe da... als
Geschichts-Studentin fand ich sogar noch historisches Hintergrundwissen in ihm.
So was! Wozu das denn?? Ist doch sowieso nur alles für Dummerchen... wozu
brauchen die denn historisches Wissen... verstehen die doch eh nicht! ;-)
Mittlerweile habe ich fast alle Historicals, die es gibt und auch ansonsten
wächst meine Cora Sammlung stetig. Wann ich das alles lesen soll, weiß ich
leider auch nicht, weil mein sonstiger Bücherbestand ebenfalls täglich ehm...
stetig wächst.
Noch ein
Wort zum Schluss. Im Gegensatz zu sogenannten intelligenten Frauen, die sich
für Liebesromane zu schade sind, kann ich nur sagen: Im Liebesroman-Forum zum
Beispiel sind fast ausnahmslos Frauen mit guten Jobs und viele von Ihnen haben
einiges auf dem Kasten. Ganz davon abgesehen, dass sie im Gegensatz zu einigen
anderen Damen mit PC und Internet umgehen können. Von denen können bestimmt auch
noch einige Männer was lernen! ;-)
Also
probiert doch einfach mal einen Liebesroman aus und lasst Euch von intoleranten
Verkäuferinnen nicht ärgern. Grundsatzdebatten bringen bei denen meist nichts,
also lieber lieb lächeln. Mein Vater sagt immer: du musst nur zwei Minuten mit
denen auskommen, die müssen es ihr ganzes Leben! :-)))
Liebe Grüße und tut Euch
bitte keinen Zwang an mir auf diesen Beitrag eine Email zu schicken. Ich würde
mich wirklich sehr freuen,
Eure Steffi
1. November 2001
P.S. Ach und übrigens... der Landliebe Lebkuchen Joghurt ist lecker! :-)
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