Steffi: Haben Sie einen Lieblingsautor oder ein Lieblingsbuch? Welcher neue Autor erscheint Ihnen vielversprechend?

Diana: Nun, ich lese alles querbeet [grins] und es ist schwierig, einen einzigen Favoriten zu benennen. Was ich aber zur Zeit regelrecht verschlinge, ist eine Serie historischer Kriminalromane von P.F. Chisholm (alias Patricia Finney) die im elisabethanischen England spielen, mit Sir Robert Carey als eine der Hauptfiguren. Ihn hat es wirklich gegeben, er war ein Cousin von Königin Elisabeth und diente als stellvertretender Kommandant des Grenzregiments an der schottischen Grenze. 

Steffi: Wahrscheinlich haben Sie diese Frage schon tausend Mal gehört, aber ich möchte Sie dennoch fragen: wann werden der 5. und 6. Teil der "Outlander"-Serie erscheinen?

Diana: Ich hoffe, das fünfte Buch "The Fiery Cross" (wörtlich: "Das Feuerkreuz" - aber der offizielle deutsche Titel ist noch nicht bekannt) gegen Ende diesen Jahres beenden zu können, vielleicht im September oder Oktober. Ich kann noch nicht genau sagen, wann es erscheint, denn das hängt vom Verlag ab. Aber ich schätze, die Leute dort werden sich mit der Veröffentlichung schon ziemlich beeilen, denn sie wissen daß die Leser gespannt darauf warten. Die Übersetzungen erscheinen üblicherweise erst viel später, aber ich glaube, diesmal wird es nicht ganz so lange dauern, denn ich arbeite sehr eng mit meiner deutschen Übersetzerin zusammen und schicke ihr die Disketten mit dem Buch sofort wenn ich es beendet habe, anstatt zu warten bis die englische Version auf dem Markt ist.

Steffi: Was haben Sie empfunden, als Sie "Feuer und Stein" zum ersten Mal in Buchläden gesehen haben? Haben Sie das groß gefeiert?

Diana: Na ja, ich hatte es mir schon so oft vorgestellt, daß es mich letztendlich gar nicht mal so stark beeindruckt hat, als es endlich soweit war. [grins]. Es war eigentlich ein viel stärkeres Erlebnis, das Buch zum ersten Mal gedruckt in der Hand zu halten. Das ist ein Gefühl das man nie vergißt - dieses Gefühl von Ehrfurcht und Freude als ich das erste gebundene 
Buch in der Hand hielt und mir darüber klar wurde, daß die ganzen Stückchen meiner Geschichte, für die ich so lange gebraucht hatte, nun ein richtiges BUCH waren [grins]. Ich erinnere mich noch daran, wie ich das erste Exemplar von "Der Ruf der Trommel" zugeschickt bekam. Ich machte das Päckchen auf, bewunderte das Buch, blätterte kurz durch die Seiten, als wäre es ein Daumenkino, sog den Geruch ein - und dann legte ich es auf den Tisch an der Tür, weil ich gerade dabei war, mit meinem Mann essen zu gehen. Mein Mann 
blieb stehen, hielt mir die Tür auf und sagte "Willst du es nicht mitnehmen und noch ein bißchen streicheln?" Ich sagte "Ja, tu' ich." und nahm es mit ins Restaurant [grins].

Steffi: Wie sind Ihnen diese ganzen wunderbaren Geschichten über Jamie und Claire eigentlich eingefallen? Haben Sie einige der Ideen verwendet die Sie sich in Ihrer Kindheit zusammen mit Ihrer Schwester ausgedacht hatten - wie Sie in Ihrem Buch "The Outlandish Companion" erzählen?

Diana: Nein, von diesen frühen Geschichten habe ich nie etwas verwendet. Was die Ideen für die "Outlander"-Bücher betrifft... also, ich weiß nicht. Wo kommen Ideen denn überhaupt her? Von überall. Ich plane die Bücher überhaupt nicht im Voraus - aber natürlich weiß ich im Verlauf der Geschichte natürlich ein bißchen mehr, was in den späteren Büchern noch alles passieren wird. Und ich schreibe sie auch nicht in chronologischer Reihenfolge, also enthält jedes Buch hunderte von Ideen, die von überallher kommen, von Reklameplakaten 
über Unterhaltungsfetzen bis hin zu etwas was ich vielleicht in der Küche gesehen habe (wie zum Beispiel die Vorstellung daß die Rotröcke die Menge teilten "wie Essig der auf Mayonnaise tropft" am Anfang von "Der Ruf der Trommel"). Bücher entstehen aus der Phantasie, und eine Freundin von mir hat kürzlich meine Gedankenwelt verglichen mit einem "Komposthaufen, der vor sich hin gärt, brodelt und außerordentlich fruchtbar ist." [grins]. Das kommt so ungefähr hin... und alles was ich sehe, höre, lese, denke oder tue, fungiert als Mulch. 

Steffi: Ich kann kaum glauben daß Sie noch nie in Schottland waren, obwohl Sie die Landschaft und die Menschen dort so realistisch beschreiben. Sind Sie in der Zwischenzeit dort gewesen? Hat es Ihnen gefallen? Wissen Sie etwas über die Bedeutung Ihres Familiennamens? Er klingt wie aus einem keltischen Märchen.

Diana: Ich bin inzwischen tatsächlich schon ein paar Mal in Schottland gewesen. Allerdings war ich noch nie dort gewesen als ich "Feuer und Stein" geschrieben habe. Ich habe halt nur in Büchereien darüber recherchiert (schließlich war ich damals Professorin an der Uni [grins]). Aber als das Buch dann bei einem Verlag angenommen worden war und der Verleger mir einen Vertrag für drei Bücher gab, sagte ich zu meinem Mann, ich müsse mir diesen Ort schon einmal in echt anschauen. Das haben wir auch getan und ich bin danach noch drei oder vier Mal nach Schottland gefahren. Es ist eine sehr schöne Gegend. Ich würde gerne einmal in Inverness leben. 

Ja, ich weiß etwas über die Bedeutung meines Familiennamens, aber er hat, soweit ich weiß, nichts mit den Kelten zu tun. Es handelt sich dabei um einen sogenannten "Ortsnamen", was bedeutet daß dieser Name im Zusammenhang mit einer bestimmten Stadt oder Region entstanden ist. In diesem Fall kann er (wie mir gesagt wurde) zu einer Stadt namens Gavaudon zurückverfolgt werden, die in Spanien liegt, in der Nähe der französischen Grenze, in einem Landstrich namens Galizien. Dabei handelt es sich um die antike keltische Provinz Iberien, aber soweit ich weiß, hat Gavaudon keine besondere Beziehung zu den Kelten. 

Steffi: Welches Ihrer vier Bücher ist Ihnen das liebste? Haben Sie eine Lieblingsfigur? Haben Sie je gedacht daß sich aus "Feuer und Stein" eine derartige "Jamie & Claire Manie" entwickeln würde? Stehen Sie mit Ihren Fans in Kontakt?

Diana: Mein Lieblingsbuch ist immer das an dem ich gerade arbeite, also ist das im Moment "The Fiery Cross" [grins]. Nein, ich habe keine Lieblingsfigur, ich mag sie alle. Nein, ich hatte keine Ahnung daß "Feuer und Stein" jemals veröffentlicht werden würde, geschweige denn daß es auf so viel Interesse stoßen würde. Was den Kontakt mit meinen Fans betrifft, nun, ich beantworte diese Fragen, oder? [grins] 

Steffi: Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Jamie und Claire? Wie wird Ihre Zukunft als Autorin dann aussehen? Wollen Sie weiter historische Romane schreiben oder planen Sie etwas Zeitgenössisches? Lastet nicht ein enormer Druck auf Ihnen wenn alle Ihre zukünftigen Romane mit Ihrer "Outlander-Serie" verglichen werden? Wie gehen Sie mit Kritik um (gab es überhaupt schon welche???)

Diana: Ja, natürlich habe ich Zukunftspläne, aber wir werden sehen wie sich alltes entwickelt. Ich habe einen Vertrag für zwei zeitgenössische Kriminalromane; wenn die ankommen und die Figuren mich weiter ansprechen, werde ich sie zu einer Serie weiter entwickeln - wenn nicht, dann nicht. Ich möchte gern ein Buch über die Technik des Bücherschreibens machen, einen Ratgeber mit dem Titel "Die Kunst der Kannibalen". Daran arbeite ich im Moment aber nicht ernsthaft - ich bin einfach zu beschäftigt mit "Fiery Cross" und dem ersten Krimi - aber ich hamstere schon Material das ich vielleicht eines Tages einmal für dieses Buch verwenden werde. Und ich würde auch gerne die Geschichte von Mssr. Raymond erzählen, aber das liegt noch in weiter Ferne. Was den Druck betrifft, nun ja, den gäbe es schon wenn ich ihn zuließe. So wie die Dinge liegen, weiß ich sehr gut, daß die Hälfte der Leser des neuen Buches sagen wird: "Hey, das ist klasse! Wir wollen mehr von diesen neuen Figuren hören, die Figuren in "Outlander" sind alle alt und langweilig. Hören Sie doch endlich damit auf und schreiben gleich noch eines mit diesen!" Und die andere Hälfte wird sagen: "Ach, das gefällt uns überhaupt nicht! Sie sollten wirklich kein solches Buch mehr schreiben sondern bei dem bleiben was Sie gut können und noch ein Buch mit Jamie und Claire schreiben!" Sehen Sie, ich WEISS daß das passieren wird, denn das passiert allen Autoren die mehr als ein Buch schreiben. [grins] außer er/sie gehört zu der Sorte die immer wieder dasselbe Buch schreiben. Jedes Mal wenn ich ein neues Buch herausbringe, sagen viele Leute: "Oh, das ist ja sogar noch besser als die vorherigen!" aber einige sagen: "Ach, jetzt bin ich aber enttäuscht. Das letzte hat mir besser gefallen." Man kann es halt nicht allen recht machen, also habe ich das noch nie versucht, und habe das auch nicht vor [Schulterzucken]. Ich schreibe halt was mir gefällt, und wenn es anderen auch gefällt, ist das gut. 

Steffi: Hat Ihr Erfolg Sie überrascht, und hat er Ihr Leben verändert? 

Diana: Natürlich. Niemand erwartet einen derartigen Erfolg. Und natürlich hat er mein Leben verändert. Zum Einen schreibe ich jetzt hauptberuflich und arbeite nicht mehr als Wissenschaftlerin. Und zum Anderen werde ich ständig gebeten, Vorträge, Autogrammstunden und Lesungen zu halten. Also verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit entweder mit Reisen oder mit dem Verfassen von Briefen in denen ich Angebote ablehne. [grins]. Ich werde um alles Mögliche gebeten: ich soll etwas für Klappentexte schreiben, ich soll 
Ratschläge zu ihrer Autorenkarriere geben etc. etc. - alles Dinge um die mich die Leute früher nie gebeten hätten. 

Steffi: Können Sie uns schon das Erscheinungsdatum von "White Knight" sagen, und um was es in der Geschichte geht?

Diana: Nein. Ich hoffe, unmittelbar nach "Fiery Cross" damit fertig zu werden, aber die Entscheidung über das Erscheinungsdatum liegt ausschließlich beim Verlag. Die Geschichte handelt von einem Investigations-Journalisten namens Tom Kolodzi, von seinem persönlichen Rachefeldzug und vom Verzeihen - und davon was das in ihm auslöst und in dem Mann den er verfolgt. Es spielt hier im americanischen Mittleren Westen, in und um Phoenix.

Steffi: Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Diana: Mein Arbeitstag ist eine einzige Katastrophe [grins]. Eine Beschreibung so eines Tages steht im "Outlandish Companion" ( der, so weit ich weiß, diesen August/September auf Deutsch erscheinen wird), aber im Allgemeinen sieht er so aus:
Gegen 9.00 Uhr Aufstehen (mein Mann macht das Frühstück für die Kinder und scheucht sie zur Schule). Frühstücken - Diät-Cola und Schokolade - während ich meine emails lese. Dringende emails die schnell erledigt sind, sofort beantworten; andere beiseite legen zur späteren Beantwortung. Büropflichten wie z.B. Einladungen beantworten, Biographien und Pressemitteilungen verschicken, Reisetickets buchen, Telefonate führen, Verabredungen treffen. Zwischen 10.30 und 11.00 Uhr mit der Arbeit beginnen. Eine Stunde oder so 
schreiben, um vor dem Mittagessen den Grundstock zu einer Szene zu legen. Mittagessen, normalerweise mit meinem Mann. Kurze Pause zur Erledigung hausfraulicher Pflichten oder um mit ihm Besorgungen zu machen. Zwischen 14.00 und 15.00 Uhr schreiben, lange emails beantworten, etwas für die Website schreiben oder Interviewfragen beantworten. Ab 15.00 Uhr kommen die Kinder von der Schule nach Hause. Kleiner Imbiß, Gespräche, Erledigungen wie zur Reinigung gehen, Tierfutter, Lebensmittel oder etwas aus der Apotheke 
kaufen, Flötenstunden, Theaterproben, Unterwäsche kaufen etc. 17.00 bis 17.30 Uhr Gartenarbeit. 17.30 bis 18.00 Uhr Abendessen vorbereiten. 19.30 bis 20.00 Uhr den Kindern bei allem helfen bei dem sie Hilfe brauchen, Gymnastik und Hanteltraining. 22.30 bis 23.00 Uhr kurzes Nickerchen, außer jemand braucht mich ganz dringend. Mitternacht bis 3.00 Uhr Haupt.-Schreibezeit. Denn da werde ich nicht so oft unterbrochen [grins] und meine Gedanken fließen dann besser. 3.30 Uhr Haus abschließen und zu Bett gehen.

Steffi: Die nächsten Fragen beziehen sich speziell auf Ihre "Outlander-Serie". Viele haben mich gebeten, Ihnen diese Fragen zu stellen. In Ihrem Buch "The Outlandish Companion" sagen Sie, Claire und Jamie werden niemals zusammen ins 20. Jahrhundert gehen, denn Sie wollen daß Jamie seine Würde behält, die er verlieren würde, wenn er staunend wie ein Kind vor 
Fernsehgeräten, Mikrowellenherden etc. stünde. Aber es wäre interessant zu erfahren, wie Jamie mit dem "modernen" Leben zurechtkommt und ich habe beim Lesen der Bücher eigentlich schon die ganze Zeit darauf gewartet. Haben Sie es sich inzwischen nicht vielleicht doch anders überlegt?

Diana: Nein!!

Steffi: Wenn ich mich recht erinnere, sagen Sie im "Outlandish Companion" auch, daß Sie nicht chronologisch schreiben, sondern ein bißchen was hier und ein bißchen was da, und das erst hinterher zusammenfügen. Ich kann das kaum glauben, denn Ihre Geschichte ist so gut ineinander verwoben. Stimmt das wirklich, daß Sie diese Methode anwenden?

Diana:
Ja.

Steffi: Ehrlich gesagt, einen Mann wie Jamie gibt es im wirklichen Leben gar nicht, und so einen hat es wahrscheinlich auch nie gegeben. Er verfügt ja wirklich über ALLE guten Eigenschaften die ein Mann nur haben kann. Man muß sich einfach in ihn verlieben, man kann gar nicht anders. Wer war/en Ihr/e Vorbild/er für ihn, falls es welche gibt?

Diana: Nun, mein Mann ist sehr groß und rothaarig und hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Wir sind auch schon seit fast dreißig Jahren zusammen, also schätze ich, Sie können daraus Ihre eigenen Schlüsse ziehen [grins].

Steffi: Werden Sie verraten, wer der Vater von Briannas Sohn Jeremiah ist?

Diana: Ja, wenn es sich ergibt.

Steffi: Ist eine Verfilmung von "Outlander" geplant? Wenn ja, welche Schauspieler sollten die Hauptrollen spielen?

Diana: Nun, es gibt immer mal wieder den Vorschlag, die Bücher zu verfilmen, und ich schätze, ein Film oder eine Miniserie könnte schon daraus werden. Aber falls, bzw. wenn das eintritt, werde ich absolut kein Mitspracherecht bei der Besetzung haben. Ich sehe nicht besonders viele Filme und niemals Fernsehen, also kenne ich sowieso nicht viele Schauspieler. Aber wenn ich so darüber nachdenke, ich habe noch nie jemanden gesehen der wie Jamie oder Claire aussieht, aber andererseits ist das auch nicht das Ausschlaggebende. 
Sie müßten nur gute Schauspieler sein.

Steffi: Und nun zu etwas Anderem, was eigentlich keine Frage ist, aber wir wollten Ihnen das schon immer sagen, seit wir Ihre Bücher gelesen haben: Sie sind eine großartige Schriftstellerin. Wenn wir nur fünf Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen dürften, würden wir Ihre Bücher wählen - was uns allerdings in Schwierigkeiten stürzen würde, wenn bis dahin die beiden Forsetzungen Ihrer Geschichte veröffentlicht wären [grins] 

Diana: DANKE!!! [grins]

Steffi: Vielen, vielen Dank für Ihr Interview!!

Diana: Nichts zu danken [lächeln]


Ein ganz herzliches Dankeschön an meine Freundin Ute Canbolat für die tolle deutsche Übersetzung!


Copyright 2000 Stefanie Schulte

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