Interview mit Elaine Winter

Interview mit Elaine Winter (April 2004)



Veröffentlichungen:

  • Die Nacht hat zärtliche Hände (2002)
  • Liebe ist kein Beinbruch (2004)
  • Küsse im Chaos(2004)

als Pia Long:
  • Vorsicht, Traumboy (1996)
  • Boyfriend zum Träumen (2000)
  • Tür an Tür mit dir (2000)
  • Nur ein Urlaubsflirt (2002)
  • Bei Anruf Liebe (2002)



Stellst Du Dich bitte den Lesern der Bücherkiste ein bißchen vor? Hobbys, Familie, etc.
Mit Mann und Sohn und Hund lebe ich in einer Kleinstadt in der Nähe von Hannover. Für Hobbys habe ich nicht allzuviel Zeit, und ehrlich gesagt vermeide ich solche Aktivitäten wie jeden Mittwoch zum Volleyball, jeden Donnerstag zur Schreibgruppe und jeden Freitag zum Standard-Tanz. Das habe ich ausprobiert und hatte immer ausgerechnet dann, wenn der jeweilige "Freizeitsport-Termin" anstand, entweder keine Zeit oder keine Lust oder beides. Termine habe ich auch so schon genug. Da ich aber trotzdem süchtig nach regelmäßiger Bewegung bin, habe ich schon fast mein ganzes Erwachsenenleben lang einen Hund (leider nicht durchgehend denselben, was immer viel Kummer mit sich bringt, wie jede(r) TierbesitzerIn weiß). Was die Hundespaziergänge angeht, stören mich auch Regelmäßigkeit und ein gewisser Zwang nicht, und dass ich eigentlich gerade keine Zeit habe, interessiert so ein Tier ohnehin nicht. Spazieren gehen (wer mich dahinstürmen sieht, nennt es auch gern "spazieren rennen") bei jedem Wetter ist also wirklich ein langjähriges Hobby (und ein Bedürfnis) von mir. Zumal ich dabei besonders gut nachdenken kann. Außerdem habe ich viele Interessen, von Kino und Theater über Psychologie und Philosophie bis hin zu verschiedenen Aspekten von Naturwissenschaften. Ich schnappe vieles auf, lese nach, vergesse es und erinnere mich in einem anderen Zusammenhang wieder. Ich fürchte, mein Gehirn ist ein "Hort des Halbwissens", weil ein System fehlt und alles wahllos aufgesammelt wird, aber das stört mich ehrlich gesagt (meistens) nicht. Mein allergrößstes Hobby ist seit meiner Kindheit das Lesen. Wenn man mir einen Stapel Bücher gibt und mich in Ruhe lässt, wird man für die nächsten paar Tage nichts von mir hören. Aber leider ist ein ganzer Tag, den ich nur mit Lesen verbringe, ein ziemlicher Luxus für mich, den ich mir nur im Urlaub leisten kann. Vor allem aber bin ich in der glücklichen Lage, meinen Beruf als Hobby ansehen zu können, und wer kann das schon von sich behaupten?

Du hast bereits sehr unterschiedliche Sachen geschrieben. Einmal Jugendbücher bei Loewe unter dem Pseudonym Pia Long und dann einen Erotikroman bei Konkursbuch und jetzt die frechen Liebesromane bei Moments. Eine bunte Mischung! Wie kam es zu diesen unterschiedlichen Projekten?
Alle meine bisherigen Bücher haben das Thema Liebe gemeinsam. Bei den Jugendromanen handelt es sich um Liebesgeschichten für zwölf- bis fünfzehnjährige Mädchen; Erotik gehört in den meisten Fällen zur Liebe dazu, so dass die Frage nur ist, wie weit man den "Vorhang hoch zieht" und die Leserin auch an diesem Bereich der Liebe teilhaben lässt; und die romantische Komödie ist eine Spielart der Liebesgeschichte, die lachend und mit einem Augenzwinkern daherkommt. Insofern hatte ich nie das Gefühl, völlig unterschiedliche Dinge zu schreiben. Obwohl ich durchaus zugebe, dass ich (auch) in meiner Arbeit eine gewisse Abwechslung suche und brauche und dass ich die Herausforderung liebe, immer wieder Neues und Anderes zu probieren. Wenn ich mich eine Zeitlang mit einem Thema/Genre beschäftigt habe und mir kommt eine neue, andere Idee, die dann auch hartnäckig bleibt und sich in meinem Kopf immer weiter entfaltet, versuche ich sie zu verwirklichen. Bisher hatte ich meistens das Glück, dass sich dann auch ein Verlag für meine Idee und meine Art, sie umzusetzen, erwärmen konnte.

Ich glaube, es gibt nicht so viele Autoren, die sowohl Jugendbücher, als auch Erwachsenenromane schreiben. Ist die Arbeit unterschiedlich? Eventuell sogar unterschiedlich schwer?
Es ist mir sehr wichtig, eine genaue Vorstellung zu haben, für wen ich schreibe. Denn ich schreibe nicht für mich, sondern für meine Leserinnen - auch wenn zunächst ich von einer Idee fasziniert sein muss, um mit dem Schreiben überhaupt anzufangen. Natürlich ist es etwas anderes, eine Geschichte für zwölfjährige Mädchen zu erzählen als für erwachsene Frauen. Ich habe das Glück, dass ich mich an meine Gedanken und Gefühle als Zwölfjährige noch sehr gut erinnern kann. Wohl deshalb finde ich es auch nicht schwieriger, für jugendliche Leserinnen zu schreiben als für erwachsene Frauen. Die Probleme und Empfindungen sind ein wenig verlagert, aber eben nicht völlig anders sind als bei "erwachsenen Liebesgeschichten". Auch sprachlich passe ich mich an die Zielgruppe an und vermeide zum Beispiel konsequenter als in Erwachsenenromanen lange Sätze, weil mir daran liegt, die jungen Leserinnen nicht zu ermüden und sie bei der Stange zu halten. Jugendliche sind ungeduldig, es soll vorwärts gehen, Erwachsenen kann man in dieser Beziehung ein wenig mehr zumuten, obwohl ich es auch hier für eines der schlimmsten Vergehen halte zu langweilen. Wichtig ist für mich auch, dass ich eine gewisse Art von Verantwortung übernehme, wenn ich für Heranwachsende schreibe. Ganz sicher will ich nicht mit erhobenem Zeigefinger erziehen, aber mir ist bewusst, dass meine Protagonistinnen unter Umständen als "Vorbilder" dienen. Was für mich heißt, dass die jugendlichen Heldinnen für sich selbst Verantwortung übernehmen, aktiv werden, aus ihren Fehlern lernen, sich entwickeln usw. Trotzdem sind sie natürlich keine perfekten Mädchen, denn das wäre einfach nur langweilig und unglaubwürdig. Insgesamt sind die Unterschiede zu Erwachsenenromanen aber nicht so riesig, denn auch hier schreibe ich mit Vorliebe über selbstbestimmte Frauen, lege Wert auf eine Entwicklung der Heldin usw.

Bei Moments ist gerade Deine romantische Komödie "Liebe ist kein Beinbruch" erschienen und auch Dein neuer Roman, der im September ebenfalls bei Moments erscheint, geht in diese Richtung. Was gefällt Dir so an romantischen Komödien?
Schon als Kind und Jugendliche habe ich Screwball-Komödien geliebt, besonders die mit Katherine Hepburn. Ich bin zur Zeit der Frauen- und Emanzipationbewegung aufgewachsen und noch aus heutiger Sicht finde ich den gleichberechtigten und dabei humorvollen Umgang der Geschlechter miteinander in solchen Filmen (wohlgemerkt aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts!) faszinierend. Wir treffen auf Frauen, die einem Mann offen ihre Meinung sagen und sich nicht verbiegen, um ihm zu gefallen (auch weil sie noch andere Ziele und Interessen als eine Beziehung haben) und auf Männer, die durchaus ihren Spaß an einem intelligenten "Schlagabtausch" mit Frauen haben. Denn welche Frau möchte einen Mann, der von ihr erwartet, dass sie ihm ständig zustimmt? Wer möchte in der Liebe nicht lieber lachen als weinen? Und ist es nicht besonders romantisch, wenn ein Paar zusammenfindet, das sich verbal "zusammengerauft" hat, zwei starke Charaktere, die einander ebenbürtig sind und jeder für sich allein gut zurechtkommen, sich aber doch aus freien Stücken und natürlich aus Liebe für eine gemeinsame Zukunft entscheiden?

Kannst Du uns ein bißchen über das neue Buch mit dem Titel "Küsse im Chaos", das im Herbst 2004 bei Moments erscheint, erzählen?
Das "Chaos" im Buchtitel deutet auf das Durcheinander hin, das entsteht, wenn in der Liebe Kopf und Gefühl einander in die Quere kommen. In der Geschichte geht es um zwei Schwestern. Jede von ihnen verliebt sich in einen Mann, der überhaupt nicht zu ihr zu passen scheint. Die Schwestern gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um, aber bis beide ihre ganz persönliche Lösung für das Dilemma gefunden hat, müssen sie einige Rückschläge und Umwege in Kauf nehmen und kommen sich auch gegenseitig in die Quere. Im Grunde geht es in dem Roman um die Frage, ob nun "Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an" die richtigere Aussage ist. Vielleicht ist das aber auch ganz egal, wenn die Liebe nur groß genug ist...

Was sind Deine weiteren schriftstellerischen Pläne? Kannst Du uns einen kleinen Ausblick geben?
Da ich momentan noch an "Küsse im Chaos" schreibe, versuche ich möglichst wenig über meinen nächsten Roman nachzudenken, weil sich dann womöglich schon neue Figuren zwischen mich und die aktuellen Protagonisten drängen. Trotzdem kann ich aber die Ideen, die mich "heimsuchen", nicht kontrollieren. Momentan kristallisiert sich eine Geschichte über eine Frau zwischen zwei Männern heraus, die sie auf ganz unterschiedliche Weise kennen und lieben lernt, so dass sie sich letztlich nicht nur für einen Mann, sondern auch für eine Art zu lieben entscheiden muss. Das ist noch eine ziemlich vage Idee, die mich aber im Moment fasziniert.

Wird es irgendwann noch mal einen erotischen Roman von Dir geben? Der Roman ist ja sehr gut angekommen und gute deutsche erotischen Romane sind rar. Wie reagieren eigentlich Familie, Freunde, etc. darauf, wenn man einen erotischen Roman schreibt? Ist es in irgendeiner Art und Weise peinlich?
Wahrscheinlich wird es schon relativ bald einen neuen erotischen Roman von mir geben. Das Interesse an erotischen Romanen von Frauen für Frauen ist von Verlagsseite ziemlich groß und da ich nun mal die Abwechslung beim Schreiben liebe, ist sicher bald mal wieder ein erotischer Text dran. Wenn es mir peinlich wäre, über Erotik zu schreiben, könnte ich es wohl nicht tun oder zumindest nicht gut genug tun, um damit auch bei den Leserinnen anzukommen. Die Reaktionen in meinem persönlichen Umfeld sind sehr unterschiedlich. Das reicht von pikiertem Schweigen über vielsagendes "Hui, da geht es ja heiß her!", bis hin zu einem ganz offenen Umgang mit diesem Genre und der Aussage, man fände den Roman toll. Eigentlich wusste ich schon vor Erscheinen des Romans ziemlich genau, wer wie reagieren würde und hatte deshalb keine Probleme mit den tatsächlichen Reaktionen, zumal ich das Glück habe, dass die Menschen, die mir wirklich nahe sind, auch diese Seite meiner Arbeit vorurteilslos und interessiert akzeptieren. Ansonsten ist für mich letztlich nur wichtig, dass ich selber zu dem stehen kann, was ich tue. Was Nachbarn und flüchtige Bekannte von mir denken, interessiert mich wenig bis gar nicht, wobei ich meine Arbeit als Autorin aber auch nicht unbedingt an die große Glocke hänge.

Du hast ebenfalls wie viele Deiner Moments und Delia Kollegen eine bewegte Berufslaufbahn hinter Dir. Erst eine Lehre als Hotelkauffrau, dann warst Du im Kunsthandel tätig und hast noch Germanistik und Anglistik studiert. Wie kamst Du nach so vielfältigen Aktivitäten zum Schreiben?
Ich sage oft zu meinem Sohn, er sei "Schuld", dass ich Autorin geworden bin. Tatsache ist, dass ich während meines Erziehungsurlaubs (der nun schon vierzehn Jahre zurückliegt) mit dem beruflichen Schreiben angefangen habe, auch aus der Überlegung heraus, dass ich mich auf diese Weise selbst um mein Kind kümmern konnte, ohne auf eine anregende Berufstätigkeit verzichten zu müssen. Allerdings war das zeitweise wesentlich anstrengender, als ich es mir gedacht hatte. Nun habe ich aber natürlich nicht aus heiterem Himmel beschlossen, Autorin zu werden, weil das gerade so schön in meine familiäre Situation passte. Seit ich denken kann, habe ich mir Geschichten ausgedacht, meistens vor dem Einschlafen und später in langweiligen Schulstunden (von denen es ja bekanntlich eine Menge gibt!). Dann fing ich auch an, meine Geschichten aufzuschreiben. Eigentlich war es immer mein Traum, Autorin zu werden, aber das wird man eben nicht einfach so, wie man Lehrerin oder Juristin wird. Und wenn Jugendliche eine solche Idee erwähnen, werden sie ja auch ganz schnell darauf hingewiesen, dass das "Spinnereien" seien und sie lieber etwas Anständiges lernen sollen. Nun war es für mich kein großes Opfer, eine kaufmännische Ausbildung zu machen und später vor und während des Studiums in den verschiedensten Jobs zu arbeiten. Wie gesagt, liebe ich die Abwechslung und interessiere mich für vieles. Trotzdem blieb der Drang zu schreiben immer da. Bis er sich in einer Berufspause Bahn brach. Nach einigen Jahren Vollzeitschreiben habe ich, als mein Sohn größer war, dann noch mal für zwei Jahre als Angestellte (im Marketing) gearbeitet, kam aber neben Beruf und Familie kaum noch zum Schreiben und kehrte reumütig, mit neuem Elan und noch mehr Überzeugung zu meiner eigentlichen Berufung zurück.

Was liest Du selbst gerne? Irgendwelche Lieblingsautoren und was ist Deine momentane Lektüre?
Ich lese querbeet (fast) alles. Sachbücher, Klassiker, Krimis, Theaterstücke und natürlich Romane, die in die Richtung dessen gehen, was ich selbst schreibe. Entsprechend bunt ist auch die Liste meine Lieblingsautoren. Frisch, Hesse, Faulkner, Carson McCullers, Elizabeth George, Martha Grimes, Catherine Alliott, Marian Keyes, Susan E. Phillips, um nur einige zu nennen. Gerade habe ich "Mr. Maybe" von Jane Green ausgelesen. Der Roman hat mir sehr gut gefallen, weil er auf witzige, ironische Weise mit den Wünschen und Träumen moderner Frauen spielt. Als nächstes werde ich "Mariana" von Susanna Kearsley lesen. Einige meiner Delia-Kolleginnen nannten diesen Roman übereinstimmend die berührendste Liebesgeschichte, die sie kennen. Da ich den Roman noch nicht gelesen habe, möchte ich diese Wissenslücke gern schließen.

Vielen Dank für das Interview!
Danke ebenfalls! Es hat mir Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten.