Interview mit Laura Thorne

Interview mit Laura Thorne (April 2004)


Veröffentlichungen:

  • Herz in Gefahr (2001)
  • Medaillon des Schicksals (2003)


Kannst Du Dich den Besuchern der Bücherkiste ein bißchen vorstellen? Hobbys, Familie, etc.?
Gern. Ich bin in Leipzig geboren, lebe allerdings seit vielen Jahren in Frankfurt. Ich bin verheiratet und habe eine Tochter, die gerade 18 Jahre alt geworden ist. Im Grunde habe ich keine Hobbys, denn das Schreiben füllt mich vollständig aus. Ich lese sehr viel, gehe gern ins Theater und interessiere mich sehr für die Bildenden Künste, aber der allergrößte Teil meiner Zeit gehört dem Schreiben.

Du hast bereits zwei historische Liebesromane bei Heyne veröffentlicht."Herz in Gefahr" (2001) und "Medaillon des Schicksals (2003). "Herz in Gefahr" wurde im Dezember bei Moments neu aufgelegt. Wie kamst Du auf die Idee Liebesromane zu schreiben und wie kam der Kontakt mit Moments zustande?
Ich glaube, eine "Idee" Liebesromane zu schreiben, die hatte ich gar nicht. Ich wollte einfach immer nur schreiben. Aber die Liebe spielt ja im Leben der meisten Menschen eine große Rolle - und so kommt man als Autorin gar nicht an diesem Thema vorbei. Von Isolde Wehr hatte ich schon sehr viel gehört. Den direkten Kontakt allerdings hat meine Agentin hergestellt.

Der Heyne Verlag wurde vor kurzem an Randomhouse verkauft. Hat dies auch für Dich Folgen?
Nein.

Was reizt Dich besonders am historischen Liebesroman? Könntest Du Dir vorstellen auch einmal einen Liebesroman zu schreiben, der in der Gegenwart spielt?
Oh ja, natürlich. Mein erster Roman, der ebenfalls bei Heyne veröffentlicht wurde und "Die Spiegeltänzerin" heißt, war ein Liebesroman, der in der Jetztzeit spielt. Am historischen Liebesroman gefällt mir sehr, dass dieses Genre dem Ideal der romantischen Liebe anhängt. Dieses Ideal ist möglicherweise heute gar nicht mehr lebbar, trotzdem kann ein Teil von mir einfach nicht aufhören, doch daran zu glauben. Im Übrigen denke ich, dass sich Romantik im historischen Gewand besser transportieren lässt. Mir geht es jedenfalls so.

Was sind überhaupt Deine schriftstellerischen Pläne? Wird es weitere Liebesromane für Deine Fans geben?
Ja, natürlich. Im Moment schreibe ich gerade an den letzten Seiten eines neuen Romans, der voraussichtlich im nächsten Jahr erscheint und als Schauplatz das spätmittelalterliche Portugal hat.

Deine zwei Romane spielen in England und in der Toskana. Warst Du schon einmal selber in diesen Ländern? Wie recherchierst Du überhaupt?
Am besten kann ich über Schauplätze schreiben, die ich schon selbst gesehen habe. Und mancher, der schon einmal in der Toskana war, wird vielleicht auch gespürt haben, dass besonders in dieser Landschaft der Geist des späten Mittelalters an beinahe jedem Ort zu spüren ist. In Siena, Volterra und San Gimignano zum Beispiel hatte ich den Eindruck, dass die alten Gemäuer prall voll sind von alten Geschichten, die von Liebe und Leidenschaft erzähhlen und nur darauf warten, von irgend jemandem aufgeschrieben zu werden.

Du bist ebenfalls Mitglied bei Delia, der Vereinigung deutscher Liebesromanautoren. Was erhoffst Du Dir von der Mitgliedschaft und in wie fern ist Delia schon jetzt für Dich nützlich?
Ich empfinde es als großen Gewinn, in den DeLias Frauen und auch Männer gefunden zu haben, die ähnlich arbeiten, ähnlich denken und ähnlich fühlen. Wir haben alle diesselbe Leidenschaft, die uns verbindet.

Du bist Deutsche, aber Deine Liebesromane erscheinen unter einem amerikanisch klingenden Pseudonym. Eine gängige Sache im deutschen Liebesroman-Markt. Wie stehst Du zu der Diskussion um die Akzeptanz von Liebesroman-Autoren und Liebesromanen im allgemeinen?
Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust. In meinen Romanen beschreibe ich ja nicht die Realität der Liebe, sondern nur ihre Höhepunkte. Mit dem Alltag, der hin und wieder doch recht banal sein kann, haben diese Romane wenig zu tun. Doch so lange Autoren und Leser wissen, dass es den Traumprinzen mit dem weißen Ross doch höchst selten gibt, denke ich, dass dieses Genre hervorragend geeignet ist, dem tristen Alltag hin und wieder einmal für einige Stunden zu entfliehen. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als an einem tristen Regensonntag mit einem Liebesroman in einem bequemen Sessel zu verschwinden. Andererseits verstehe ich auch die Kritiker, die immer wieder behaupten, wir Liebesromanautoren zeichnen ein vollkommen falsches Bild der Wirklichkeit und schüren Illusionen, die im schlimmsten Fall dazu führen können, dass lebende Personen an unseren Romanfiguren gemessen werden - und zwangsläufig verlieren müssen. Ich weiß jedoch aus Erfahrung, dass unsere Leserinnen und Leser sehr klug sind und Fiktion von Alltag unterscheiden können.

Was sind Deine Lieblingsautoren und was liest Du gerade?
Zur Zeit lese ich gerade den recht realitätsnahen Liebesroman einer amerikanischen Autorin, von dem ich unheimlich begeistert bin. Der Roman heißt "Was ich liebte" und die Autorin Siri Hustvedt. Ebenso begeistert war ich allerdings auch von Jonathan Franzens "Korrekturen" oder Jean-Philippe Toussaints "Sich lieben".

Vielen Dank für das Interview!