Interview mit Tanja Schröder

Interview mit Tanja Schröder (Mai 2004)

- Herausgeberin des Asaro Verlages -

Können Sie uns etwas über sich erzählen? Ihre Hobbys, Familie, etc.?
Da gibt es wirklich nicht viel zu erzählen. Ich führe ein Gottlob recht unspektakuläres Leben in einem kleinen Haus im Grünen, zusammen mit meinem Lebensgefährten und drei Hunden (2Yorkies, 1 Shih-tzu), die leidenschaftlich gern misslungene Manuskriptseiten zerlegen ;-) Ich male gern und, ja, ich gestehe es, stricke Pullover und Socken.

Sie sind selber Autorin zweier Vampirromane. Was reizt Sie gerade an diesem Genre?
Das Geheimnisvolle, Romantische und damit absolut Perverse, das der Vampir, das Blut trinkende, engelsgleich schöne Geschöpf in Menschengestalt verkörpert. Er ist eine tödliche Gefahr und dennoch unwiderstehlich anziehend. Ich glaube, einem Vampir zu begegnen ist wie in einen Abgrund zu blicken und den dringenden Wunsch zu verspüren, hinunterzuspringen mit der irrationalen Idee, dadurch selber zum Abgrund zu werden. Natürlich ist damit die Sehnsucht nach Unsterblichkeit verbunden, aber auch nach Macht, Stärke und manipulativem Charisma; Eigenschaften, die den Vampir über den Menschen erhaben macht. Der Preis dafür ist die Abhängigkeit, die Sucht nach Blut - allerdings ohne die erniedrigenden Verhaltensweisen, die ein "normaler" Suchtkranker an den Tag legt. Hier ist die Erfüllung der Sucht Ausdruck von Leben, denn der Süchtige stirbt nicht, sondern erstarkt. Weiteres Manko (zumindest beim klassisch angelegten Vampir) ist die ausschließlich nächtliche Existenz , aber, hey, das ist doch wirklich ein geringer Preis, dafür dass er so gut wie unsterblich und mit paranormalen Talenten gesegnet ist, die ihm eine absolut überlegene Existenz auf diesem Planeten sichern.

Dürfen wir weitere Romane von Ihnen erwarten? Wie sehen ihre Pläne als Autorin aus?
In Planung ist eine Kurzgeschichten-Anthologie mit Erzählungen der Charaktere aus meinen beiden Romanen. Auch arbeite ich an einem dritten Roman, in dem die ersten beiden ihre Fortsetzung finden.

Wie kamen Sie dazu Ihren eigenen Verlag zu gründen?
Wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Der Vorbesitzer plante, den Asaro-Verlag, zu schließen und ich habe mich entschlossen, ihn weiterzuführen. Soviel zur schlichten Theorie - die Praxis ist um einiges aufwändiger.

Wie lebt es sich so als Kleinverlag in der deutschen Verlagslandschaft. Kann man als Kleinverlag bestehen und welche Vorteile oder Nachteile sehen Sie in einem Kleinverlag?
Zur ersten Frage: Wie eine frisch geschlüpfte Wasserschildkröte, die in Richtung Meer unterwegs ist ;-) Hoffnungsvoll, Schritt für Schritt in Richtung Erfolg. Man muss sich schon ein wenig abstrampeln, aber mittlerweile ist der Asaro-Verlag kein ganz unbekannter Begriff in der Literaturwelt mehr. Zur zweiten: Vorteile: Selbst ernannte Prominente lassen einen mit Biografiewünschen zufrieden. Nachteile: Sogar Minibuchhändler halten sich für großartiger und wollen hofiert werden, damit sie einem der Autoren bzw. Bücher einen Platz im Regal einräumen. Außerdem wird der Markt absolut von den großen Verlagen beherrscht, die der Billigmentalität und dem Herdentrieb der deutschen Kundschaft gerecht werden können. Es ist nicht leicht, Bücher von unbekannten, deutschsprachigen Autoren zu verkaufen, die in der Preisklasse über 10 Euro liegen und man zudem im eigenen Land drucken lässt, anstatt in ein kostengünstigeres Nachbarland abzuwandern.

Ich habe mittlerweile sowie Ihre eigenen Bücher, als auch "Mord auf der Siersburg" von Barbara Mansion gelesen und ich war wirklich begeistert. Wie kommen Sie zu ihrem Programm, wie wählen Sie aus und wie kann ein angehender Autor Kontakt mit Ihnen aufnehmen?
Welches Buch wir veröffentlichen liegt daran, wie wir die Markttauglichkeit einschätzen und auch, ob der Autor bereit ist, sich selber zu engagieren. Wichtig ist dabei unter anderem, dass er oder sie mit bereit ist, Buchhändler aufzusuchen und Lesungen zu arrangieren. Dabei arbeiten wir mit dem Autor zusammen. Zum einen bewerben wir das Buch beim Buchhandel und zum anderen wird er vom Autor aufgesucht. Diese Zusammenarbeit führt dann meist zum gewünschten Erfolg. Besonders gut war das bei "Mord auf der Siersburg" und noch einigen anderen Titeln zu sehen, die sich hervorragend regional verkauft haben. Autoren können uns ihre Texte ganz unkonventionell zusenden, wenn die der Meinung sind, es könnte in unser Programm passen. Eine Mail oder ein Anruf zuvor ist allerdings wünschenswert. Auf unserer Homepage gibt es auch eine Autoreninfo, die Autoren herunterladen oder online lesen können.

Können Sie uns einen kleinen Ausblick auf das weitere Programm des Asaro-Verlages geben?
In diesem Jahr werden noch ein Belletristikwerk und ein Science fiction Roman erscheinen. Anfang nächsten Jahres dann ein Vampirroman, den ich unseren Lesern besonders ans dunkle Herz legen möchte :-)

Wie sieht eigentlich die Arbeit einer Verlagsinhaberin aus?
Ich kümmere mich um Autoren genauso wie um die Buchhaltung, Werbung usw. sprich, ich habe meine Nase überall drin ;-) Außerdem entwerfe ich viele der Buchcover.

Kommen Sie bei der vielen Arbeit noch selbst zum Lesen? Was lesen Sie gerade und welches sind Ihre Lieblingsautoren.
Viel Zeit bleibt nicht, das stimmt schon, aber wenn, dann lese ich gern Tony Morrison und Margaret Atwood. Zurzeit lese ich zum zweiten Mal das Buch "Hiob 2001" von Heinz Kröpfl, ein Autor, den und dessen Texte ich sehr schätze.

Vielen Dank für das Interview!