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Auch wenn Dich viele als "normale Leserin" aus dem romantischen
Bücherforum kennen, stelle Dich doch ein wenig den Besuchern der
Bücherkiste vor. Deine Hobbys, Familie, etc.
1972 in Hannover geboren und dort aufgewachsen verbrachte ich fast mein
gesamtes bisheriges Leben in der niedersächsischen Landeshauptstadt.
2001 zog ich beruflich bedingt nach Köln. Ich bin Diplom-Bibliothekarin
und arbeite ganztags als Leiterin einer Institutsbibliothek, daher kann
ich derzeit nur in meiner Freizeit schreiben. Ein weiteres
zeitverschlingendes Hobby ist Lesen, am liebsten natürlich
Liebesromane, aber auch Krimis und Fantasy lese ich sehr gern. Früher
habe ich mich häufig kunsthandwerklich betätigt, von Zeichnungen über
Puppen bis hin zu Tiffany war eigentlich alles dabei. Leider habe ich
im Moment nicht mehr genug Zeit dafür. Außerdem liebe ich es, mit
meinem Mann zu verreisen, eines meiner Lieblingsziele ist der (Süd-)
Westen der USA. Videofilmen und -schneiden gehört für mich zu meinen
Urlauben dazu, genau wie das Stöbern in unzähligen Reiseführern.
Du bist einen eher ungewöhnlichen Weg als Autorin gegangen. Deine
ersten beiden Romane "Canyon der Gefühle" und "Riskante Nähe" erschienen
im Spezialclub "Moments", der mittlerweile als Idee verkauft wurde und
nun als Verlag "Moments" weitergeführt wird. Wie kam es zum Kontakt mit
Moments und wie kamst Du überhaupt zum Schreiben?
Ich würde nicht sagen, dass mein Weg ungewöhnlicher war als der anderer
Autoren, schließlich sind deutsche Autoren generell Quereinsteiger.
1999 habe ich mit dem Schreiben begonnen, davor habe ich Liebesromane
gelesen, aber nie daran gedacht, selber einmal einen Roman zu
schreiben. Die Idee zu 'Canyon der Gefühle' kam mir, als ich in einem
Reiseführer über den Südwesten der USA blätterte und dabei auf den
Arches National Park stieß und ein Bild des Fiery Furnace, ein
Schluchtenlabyrinth aus Buntsandsteinsäulen, betrachtete. Ich überlegte
mir was wäre wenn dort eine Frau herumirren und von einem Ranger
gerettet werden würde. In den nächsten Monaten und Jahren kamen mir
immer mehr Ideen zu der Geschichte. Insgesamt drei Jahre habe ich daran
geschrieben, allerdings mit langen Pausen dazwischen. Irgendwann gab
ich Ina (den Lesern aus dem Romantischen Bücherforum und dem Romantic
Suspense-Forum sicher gut bekannt) ein paar Kapitel zu lesen. So lief
das einige Monate, bis ich irgendwann mit dem Buch fertig war und
Isolde Wehr, als Herausgeberin des Moments-Programms beim Bertelsmann
Club beschäftigt, zur gleichen Zeit zufällig ein Manuskript einer
deutschen Autorin benötigte. Ich habe meine Geschichte hingeschickt,
sie gefiel Isolde und das Buch wurde als Oktober-Premiere 2002
herausgebracht. An 'Riskante Nähe' habe ich dann nur noch 4 Monate
geschrieben, das Manuskript an Isolde geschickt und sie war sofort
begeistert.
Woran arbeitest Du gerade? Kannst Du uns einen Ausblick auf weitere
Bücher geben?
Derzeit arbeite ich an einem Buch, das wieder im Südwesten der USA
spielt. Es ist ein Roadmovie mit einer Heldin, die genau weiß was sie
will - und mehr bekommt, als sie gedacht hätte. Für ihr Mundwerk
benötigt sie einen Waffenschein, während der Held eher schweigsam ist
und eigentlich nicht so recht weiß was er mit ihr anfangen soll. Außer
das Offensichtliche, natürlich. ;-) Dann habe ich noch den nächsten
Hunter-Roman in Arbeit, er spielt in Washington, DC und es kommen
natürlich auch wieder einige andere Mitglieder der Familie darin vor.
Mein viertes Buch, das in Südafrika und am Grand Canyon spielt, ist
bereits fertig und auf Verlagssuche.
Ich habe noch einige mehr oder weniger ausgearbeitete Buchideen in
meinem Computer, die ich nach und nach schreiben werde. Natürlich kann
ich darüber derzeit noch nicht viel sagen, außer, dass natürlich die
restlichen Hunters dabei sind, Zach Murdock, einige SEALs und natürlich
plane ich auch für einige andere Nebenfiguren noch Geschichten. Leider
kann ich - auch durch meine beruflichen Verpflichtungen bedingt - nicht
so schnell schreiben wie ich gerne möchte, also müssen sich meine Leser
leider noch eine Weile gedulden.
Du bist selber begeisterte Liebesromanleserin. Ist dies auch der
Grund dafür, dass Du ausgerechnet Liebesromane schreibst? Könntest Du
Dir vorstellen auch einmal etwas anderes zu schreiben?
Ja, ich liebe Liebesromane, vor allem solche, die mit Spannung verbunden
sind. Deshalb war auch die erste Geschichte, die mir einfiel, eine
Story mit viel Liebe und einem guten Schuss Nervenkitzel. Derzeit
könnte ich mir nicht vorstellen etwas anderes zu schreiben, aber wer
weiß schon was in einigen Jahren ist.
Was reizt Dich am Liebesroman und hier besonders an Romantic
Suspense?
Der Liebesroman ist für mich eine Möglichkeit, die Leser (und natürlich
auch mich selbst) mit einer interessanten, kurzweiligen Geschichte zu
unterhalten, die am Ende (natürlich erst nach vielen Verwicklungen)
positiv ausgeht. Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger die Leser zu
irgendwelchen geistigen Verrenkungen zwingen, sondern einfach nur ein
paar spannende, erfreuliche Stunden schenken, in denen sie in eine
andere Welt eintauchen können. Romantic Suspense ist genau das was ich
auch sehr gerne lese: spannende Geschichten gepaart mit heißer Liebe.
Meine Helden werden durch Ereignisse zusammengeworfen, die außerhalb
ihrer Macht liegen und durch die sie sich hindurchkämpfen müssen bevor
sie zu ihrem wohlverdienten Happy End kommen. Ich habe nicht besonders
viel Geduld mit Romanhelden, die sich und ihrem Glück selbst im Weg
stehen, daher mag ich es wenn der Konflikt nicht in Missverständnissen
oder Eifersüchteleien liegt, sondern es Hindernisse gibt, die so groß
scheinen, dass fast bis zum Ende nicht klar ist, ob sie überhaupt
(relativ) ungeschoren davonkommen werden.
Deine Liebe zum Süd-Westen Amerikas ist offensichtlich. Du warst
selbst schon einige Male dort und es gibt wunderbare Fotos auf Deiner
Homepage. Was reizt Dich an der Landschaft, die bisher auch schon öfters
als Setting Deiner Romane benutzt wurde?
Um nicht gleich wieder einen Roman über den Südwesten und die Landschaft
dort zu schreiben, versuche ich mich jetzt kurz zu halten. ;-) Die
Landschaft im Südwesten ist einfach gewaltig, man kommt sich als Mensch
ziemlich winzig und unwichtig vor, wenn man inmitten der riesigen
Steinformationen steht, die in Millionen von Jahren von Wasser,
Vulkanismus und/oder Wetter gebildet wurden. Der Westen der USA ist
übersät mit einzigartigen, grandiosen, vielfältigen National Parks, für
die man Jahre bräuchte um sie alle in Ruhe zu besuchen. Ich kann jedem
nur empfehlen sich die Gegend selber anzuschauen, es lohnt sich
wirklich. Mitunter ist es in den Parks zwar an den gut erreichbaren
Sehenswürdigkeiten recht voll, aber man braucht wirklich nur ein paar
hundert Meter weiter zu gehen und schon steht man alleine am Rand des
Grand Canyons (um ein Beispiel zu nennen). Die roten Steinlandschaften
des Arches, die Wälder und heißen Quellen des Yellowstone oder auch die
wüste Landschaft des Colorado Plateaus bilden interessante, farbige
Hintergründe für die Geschichten, die ich erzählen möchte. Ich lebe
zwar in Städten, aber im Urlaub zieht es mich immer in die Natur. Diese
Liebe habe ich wohl auf meine Romanfiguren übertragen.
Das Schreiben betreibst Du momentan noch neben Deinem Hauptberuf der
Bibliothekarin. Hast Du überhaupt genug Zeit zum Schreiben und wie
bringst Du Schreiben, Beruf und Familie unter einen Hut? Könntest Du
Dir vorstellen, Deinen Beruf einmal für das Schreiben aufzugeben? Wissen
Deine Kollegen von Deinem "Nebenjob" und was halten sie davon?
Wieviel ist genug Zeit? Derzeit schreibe ich ein Buch in ungefähr einem
halben Jahr. Ich denke, das gibt mir, aber auch den Lesern, genug Zeit,
sich ein wenig vom vorhergegangenen Buch zu distanzieren. Recherche und
das Sammeln von Ideen braucht auch ein wenig Zeit, ich glaube wenn ich
zu schnell schreiben würde, würden mir einige gute Ideen verloren
gehen. Mein Arbeitspensum sieht momentan so aus, dass ich ganztags
arbeite, dann nach Hause komme, esse und mich danach meist sofort
wieder an den Computer setze und schreibe bis entweder etwas
Interessantes im Fernsehen kommt (eher selten) oder ich ins Bett gehe.
Am Wochenende habe ich etwas mehr Zeit, aber wenn mir die Stunden dann
wieder durch die Finger rinnen, ohne dass ich etwas geschrieben hätte,
bekomme ich ein schlechtes Gewissen.
Trotzdem würde ich meinen Beruf nicht aufgeben, im Moment habe ich als
Leiterin einer Institutsbibliothek einen sehr interessanten
Arbeitsplatz. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen den ganzen Tag nur
zu Hause zu sitzen und zu schreiben. Ich brauche die Abwechslung.
Außerdem ist es auch sehr schwierig in Deutschland als
Liebesromanautorin vom Schreiben zu leben, den Stress will ich mir
nicht antun. Meine Kollegen an der Universität wissen nichts von meinem
'Hobby' und ich lege es auch nicht unbedingt darauf an, dass sie es
herausfinden.
Du hast bereits auch einige Lesungen veranstaltet. Wie ist es, wenn
man nun aus dem eher abgekapselten Schreibprozess hinaus geht und sich
mit seinen Lesern trifft? Deine Schriftstellerkarriere kam ja auch sehr
unerwartet und plötzlich. Ist der ganze Wirbel mittlerweile normal für
Dich geworden oder ist es immer noch neu und aufregend?
Von Karriere kann keine Rede sein und Wirbel habe ich auch noch nicht
erlebt. Da meine erste Lesung bereits zwei Wochen nach Erscheinen
meines ersten Buches stattfand, wurde ich ziemlich schnell ins kalte
Wasser geworfen. Also musste ich mich sehr schnell daran gewöhnen, dass
ein wenig Öffentlichkeitsarbeit heute einfach dazu gehört. Deshalb habe
ich auch bereits zur Veröffentlichung meines ersten Buches meine
Homepage ins Internet gestellt (www.michelleraven.de) über die ich den
Lesern Neuigkeiten mitteilen kann und über die sie auch Kontakt zu mir
aufnehmen können.
Ich finde es schön, wenn ich meine Leser persönlich treffen kann,
allerdings sind mir private Gespräche lieber als Massenveranstaltungen
mit viel Publikum und wenig Zeit mich wirklich mit den Lesern zu
unterhalten. Natürlich bin ich immer noch aufgeregt, wenn ich eine
Lesung halten soll und ich denke, das wird sich auch in nächster Zeit
nicht ändern. Es ist so ruhig um mich, dass ich sehr gut auch weiterhin
meiner Arbeit und auch dem Schreiben nachgehen kann, ohne dass es mich
sehr belastet.
Natürlich ist es sehr aufregend, ein Buch zu veröffentlichen und dann
die ersten Reaktionen der Leser zu 'hören'. Ich hatte bisher sehr viel
Glück und überwiegend sehr positive Rezensionen und sehr nette Mails
oder Forumsnachrichten. Überhaupt habe ich bisher sehr viel
Unterstützung durch die Bücherforen (allen voran das 'Romantische
Bücherforum') erhalten und zwar seit dem Moment als ich das erste Mal
erzählt habe, dass ich 'Canyon der Gefühle' geschrieben habe. Auf
diesem Wege noch einmal vielen Dank dafür!
Erzähle uns doch ein wenig von Deinem Autoren-Alltag. Wie schreibst
und recherchierst Du? Was findest Du schwierig und was geht Dir leicht
von der Hand?
Meist dauert es einige Zeit bis ich mit dem Schreiben anfange.
Irgendwann habe ich eine Idee, sammele einige Ereignisse, die in der
Geschichte passieren könnten, denke mir aus wie die Personen aussehen,
was sie von Beruf sind, was für Eigenschaften sie haben, was sie
antreibt. Dann lasse ich meine ersten Ideen und Ausarbeitungen 'sacken'
(das können auch durchaus einige Monate bis Jahre sein), notiere mir
aber zwischendurch neue Ideen dazu. Wenn ich dann irgendwann denke, ich
habe genug gesammelt um mit dem Schreiben beginnen zu können, rufe ich
ein neues Dokument auf und fange an. Ich schreibe chronologisch, also
das Buch von vorne nach hinten durch. Natürlich habe ich vorher schon
Ideen zu Ereignissen die später geschehen, aber ich könnte nie einen
homogenen Handlungsablauf erstellen, wenn ich die Geschichte nicht
genau so schreiben würde wie sie passiert. Den Handlungsort suche ich
mir sehr genau aus und sammle dazu Informationen aus Reiseführern,
Karten und dem Internet - und natürlich auch aus meinem Gedächtnis.
Wenn ich dieses Grundgerüst habe, recherchiere ich danach meist, wenn
ich an die jeweilige Stelle im Buch komme. Das Internet ist wirklich
eine tolle Erfindung, man kann zu fast jedem Thema etwas finden.
Schwierig finde ich es, vor einer leeren Seite zu sitzen und anfangen zu
müssen zu schreiben. Ich habe mir angewöhnt, wenn möglich mitten in
einer Szene aufzuhören (manchmal sogar mitten in einem Satz) weil ich
dann schneller wieder in die Geschichte hineinfinde und bereits weiß
wie es weitergehen soll. Außerdem sind Übergangsszenen für mich nicht
einfach zu schreiben. Was bei mir schnell und leicht geht sind
Actionszenen und Liebesszenen, bei denen ich immer viel Spaß habe.
Durch das Lesen von Liebesromanen und den Austausch im romantischen
Bücherforum bist Du immer gut über den Liebesromanmarkt informiert. War
das beim Schreiben und veröffentlichen für Dich ein Vorteil?
Mittlerweile bist Du zudem Mitglied bei Delia, der Vereinigung deutscher
Liebesromanautoren, die ebenfalls viel tut, um die Akzeptanz von
Liebesromanen zu fördern.
Es ist natürlich von Vorteil zu wissen was die Leser gerne mögen und
welche Art von Büchern sie am Liebsten lesen. Allerdings hat das für
mich keinerlei Einfluss auf das was ich schreibe, denn da kann ich nur
danach gehen was mir selber gefällt. Gefällt es mir nicht, kann ich
auch nicht darüber schreiben. Wenn man selber viel liest und auch
Liebesromane liest, lernt man dabei natürlich auch ein wenig über den
Aufbau der Romane, man kann gut herausfinden, was einen selbst berührt.
Mit dem Veröffentlichen hat das aber wenig zu tun. Denn auch wenn in
den Foren sehr viele Liebesromankenner und -liebhaber sind, ist es doch
nur ein kleiner Teil der Käuferschicht. Wenn im Forum viele Leser meine
Bücher mögen, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Bücher auch
außerhalb des Internets Abnehmer finden. Und es ist nun einmal ein
Fakt, dass in Deutschland historische Romane einfach am Besten laufen.
Trotzdem werde ich weiterhin Romantic Suspense schreiben, denn das ist
es was mich interessiert.
Ich bin Gründungsmitglied von DeLiA. Inzwischen sind wir schon 29
Autoren und wachsen stetig weiter. Es ist wirklich eine tolle Sache,
andere Autoren zum Austausch zu haben, seien es Recherchefragen,
schreibtechnische Fragen oder Informationen zu Verlagen, irgendjemand
kann immer helfen. Außerdem hilft die Vereinigung auch dabei einen
besseren Überblick über das Verlagswesen, rechtliche Fragen oder das
Autorendasein zu haben.
Hast Du eine Lieblingsautorin? Was liest Du gerade?
Ich habe mehrere Autoren die ich sehr gerne lese, zum Beispiel Linda
Howard, Suzanne Brockmann, Iris Johansen und Karen Robards. Derzeit
lese ich gerade 'Mercy' von Julie Garwood, und ich muss sagen, dass es
mir bisher sehr gut gefällt.
Vielen Dank für das Interview!
Bitte, gern geschehen.
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