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Stellst Du Dich den Lesern der Bücherkiste ein wenig vor? Was sind
Deine Hobbys, etc.?
Mein Name ist Rebecca Michéle, Jahrgang 1963, und lebe mit meinem Mann im Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg). Neben Schreiben und natürlich lesen, lesen und nochmals lesen beschäftige ich mich seit meiner Jugend mit Großbritannien und der englischen Geschichte, was sich in meinen Roman auch widerspiegelt. Seit dem Jahre 1984 habe ich die "Inseln" ca. 50 Mal bereist, oft 3-4 Mal im Jahr.
Ein weiteres großes Hobby von mir ist das Tanzen, was ich mit meinem Mann als Leistungssport betreibe. Seit über 18 Jahren nehme ich aktiv am Turniergeschehen teil. Ich gebe zu, dass wir sehr stolz darauf sind, am 21. Februar dieses Jahres Baden-Württembergische-Meister geworden zu sein. Mit diesem Ergebnis sind wir in die S-Klasse (die höchste Amateurklasse) aufgestiegen. Jetzt liegen neue Herausforderungen, wie zum Bespiel die Deutsche Meisterschaft, vor uns.
Nun aber wieder zurück zum Schreiben ... smile ...
DIm Herbst 2004 erscheint endlich wieder ein neuer Roman von Dir und
zwar im Hardcover-Programm von Moments. Das Buch wird "Der Schatz in den
Highlands" heißen. Kannst Du uns ein wenig darüber erzählen?
Auch in dem neuen Roman bleibe ich meinem Motto: "Romantik, Spannung und Geschichte" treu. Die Story spielt im 19. Jahrhundert: Eine mittellose Vollwaise erfährt, dass sie die einzige Erbin eines Schlosses und Landbesitz im schottischen Hochland ist. Einst hat ihr Großvater seinen Sohn wegen einer unstandesgemäßen Heirat verstoßen, vor seinen Tod aber diese Entscheidung bereut. So kommt Lucille aus London nach Schottland, wo sie sich von Harrison, dem Verwalter des Besitzes, sehr angezogen fühlt. Leider lässt Harrison keinen Zweifel daran, dass er über Lucilles Auftauchen alles andere als erfreut ist, sah er sich doch selbst als Erben. Obwohl ein ehrenwerter und sympathischer Nachbar Lucille umwirbt, fliegt ihr Herz Harrison zu. Lucille ist überglücklich, als Harrison ihr dann schließlich ihre Liebe gesteht. Doch dann taucht Harrisons Schwester auf, und auf Lucille werden zwei Mordanschläge verübt. Durch weitere Ereignisse muss Lucille annehmen, dass Harrison sie aus dem Weg räumen will ...
Mehr sei hier natürlich nicht verraten!
Du bist bekannt für Deine stimmungsvollen historischen Liebesromane.
Könntest Du Dir vorstellen auch einmal etwas anderes zu schreiben? Was
sind überhaupt Deine Pläne? Schreibst Du bereits an einem neuen Roman
und kannst uns ein wenig darüber erzählen?
Herzlichen Dank für das Kompliment! Es ist mir sehr wichtig, den Lesern etwas von der wundervollen Landschaft und der Lebensart vergangener Zeiten zu vermitteln.
Ich werde - trotz einiger anderer Ideen, die aber noch nicht ausgereift sind - zwei Dingen treu bleiben:
1. Historische Romane zu schreiben und
2. Großbritannien als Schauplatz wählen.
3. Gerade habe ich ein neues Exposé entwickelt, das ich dem Moments-Verlag anbieten werden. Vor dem o.g. Roman habe ich einen umfangreichen historischen Roman (ca. 600 Seiten) geschrieben. Meine Agentin wünscht jedoch einige thematische Änderungen, die ich in den nächsten Wochen vornehmen werde. Erst dann wird die Agentin damit "auf Verlagssuche" gehen. Der Roman schildert die Geschichte einer Frau, die sich für erlittenes Unrecht an ihrer Mutter, revanchiert. Auf den ersten Blick erscheint er nicht romantisch. Ich kann aber verraten, dass, obwohl Kriegsschauplätze und politische und wirtschaftliche Intrigen im Mittelpunkt stehen, sich zwei Liebesgeschichten wie ein roter Faden durch das Manuskript zieht. Natürlich gibt es auch ein Happy-End!
Du bist Mitglied bei Delia, der Vereinigung deutscher
Liebesromanautorinnen und Dein neues Buch erscheint bei Moments, einem
Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Liebesroman in
Deutschland aus seinem Schattendasein zu führen. Das merkt man alleine
schon an den ästhetischen Cover. Die Veränderungen sind also kaum mehr aufzuhalten. Wie
ist es für eine Autorin, wenn sie merkt, das ihre Arbeit immer mehr
Akzeptanz erhält? Und ist es nun anders Liebesromane zu schreiben, als
noch vor 2-3 Jahren?
Isolde Wehr, Herausgeberin bei Moments, kenne und schätze ich bereits seit Jahren. Wir haben ja schon zusammengearbeitet, als Moments noch dem Bertelsmann-Verlag angeschlossen war. Was ich an Moments besonders schätze, ist, dass wir Autoren uns dort sehr gut betreut fühlen. Frau Wehr hat immer ein offenes Ohr für alle Fragen. Ich habe dort nicht das Gefühl, "nur eine unter vielen" zu sein. Der Moments-Verlag hat auch den Ausdruck "U-Bahn taugliche Literatur" geprägt, was sie mit ihren ansprechenden und geschmackvollen Covern beweisen.
Durch Moments und auch durch DeLiA hat sich bei mir das Bewusstsein gestärkt, dass Liebesromane nach wir vor aktuell sind und ein großes Publikum begeistern. Ja, ich für mich kann bestätigen, dass ich nun nicht mehr darüber nachdenke, ob eine Story evtl. zu romantisch angelegt ist, denn ich weiß, dass genau das verlangt und gelesen wird. Die Reaktionen zahlreicher LeserInnen bestärken mich, weiter über das zu schreiben, was mir am Herzen liegt.
Du hast auch bereits Romane bei Heyne, einem großen deutschen
Publikumsverlag veröffentlicht? War es leicht Heyne für Dich zu
begeistern? Wie kann man sich überhaupt Deine Anfänge als Autorin
vorstellen?
Nun, Heyne war (ebenso wie Bastei Lübbe) leider eine einmalige Angelegenheit. Ich selbst hatte auch gar keinen Kontakt mit diesen Verlagen, da sie die Taschenbuchrechte vom Salzer-Verlag erworben haben. An weiteren Werken zeigten sie kein Interesse, die Gründe dafür sind mir nicht bekannt.
Meine Anfänge? Ich hatte wohl ziemlich viel Glück. Glück insoweit, dass ich völlig unbedarft das Manuskript von "Das Erbe der Lady Marian" an verschiedene Verlage geschickt habe, und die Lektorin von Salzer-Verlag es tatsächlich gelesen und für gut befunden hat. Jeder, der sich mit dem Verlagswesen auskennt, weiß, dass es heutzutage sehr schwer ist, überhaupt jemanden in einem Verlag dazu zu bringen, ein Manuskript vollständig zu lesen.
Ich habe gesehen, das Du nun auch Kurzromane bei Maurer schreibst.
Erzähl uns doch ein wenig davon. Ist das Schreiben von Kurzromanen
anders?
Ja, Kurzromane sind eine Welt für sich. Zum einen spielen sie stets in der Gegenwart, es fällt also keine so intensive Recherche an. Zum anderen - und das ist für mich das Gravierendste - muss man eine gute und stimmige Story auf nur wenigen Seiten aufbauen. Die Vorgaben für Kurzromane sind sehr streng, ich muss mich genau an die gewünschte Anzahl der Anschläge halten. Das lässt in der Regel keine Vertiefung der Charaktere zu, Nebenpersonen dürfen nur kurz umrissen werden, wenn sie überhaupt für die Handlung wichtig sind. Man muss sich kurz und knapp auf das Wesentlichste beschränken. Auch bei Shortstorys gilt: "Einleitung - Mittelteil - Schluss". Und natürlich muss es immer ein Happy-End geben.
Ich habe alle Deine Liebesromane gelesen und finde, das Du Dich bei
Deinem letzten Roman "Kapriolen des Schicksals" enorm weiter entwickelt
hast. Er hat mir wirklich außergewöhnlich gut gefallen, allerdings finde
ich, ist der Roman auch mehr historischer Roman als Liebesroman. Ist das
für Dich der Weg, ein wenig mehr auf die historische Schiene zu gehen
oder war das Zufall? Hast Du unter Deinen Romanen einen Lieblingsroman?
Lächel ... Tatsächlich ist "Kapriolen des Schicksals" mein Lieblingsroman von den bisher veröffentlichten.
Auch hier wieder ein dickes DANKE für die netten Worte! Natürlich lernt man von Roman zu Roman dazu, allein, was die Strukturierung und auch die Ausbildung von glaubhaften Charakteren angeht. Ich selbst bin auch beim Lesen von anderen Romanen immer kritischer geworden. Früher konnte ich nur sagen: "Dieses Buch gefällt mir, dieses nicht so sehr." Heute weiß ich auch, warum das so ist. Genau diese Fehler versuche ich dann, in meinen Romanen zu vermeiden.
Dazu kommt er regelmäßige Austausch mit anderen AutorInnen (u.a. Delia, die ich nicht mehr missen möchte!). Jeder profitiert hier von den Erfahrungen der Anderen, dabei bleiben wir aber alle ein Individuum.
Wie oben bereits erwähnt, wartet ein "richtiger" historischer Roman auf einen Verlag. Über Gefühle zu schreiben ist mir sehr, sehr wichtig. Dennoch versuche ich immer wieder, die tatsächlichen Ereignisse mit einzubringen. Ich hoffe, dass es mir gelingt, ohne einen Roman wie ein Fachbuch wirken zu lassen.
In Zukunft möchte ich beide Schienen befahren. Das Schreiben eines nicht so historisch ausgeprägtem Romans geht flotter von der Hand, da ich mich zu 100 % auf die Personen und ihre fiktive Geschichte konzentrieren kann.
Verknüpfen sich jedoch tatsächliche historische Ereignisse eng mit den fiktiven, so habe ich stets die Zeittafeln im Auge. Auch müssen die Lebensläufe der Protagonisten bereits im Vorfeld zu 100 % auf die historischen Ereignisse abgestimmt sein. So brauche ich für eine Manuskriptseite oft die doppelte Zeit, als für eine andere Szene. Während dem Schreiben stößt man auch immer wieder an Grenzen, die man im Vorfeld nicht genügend recherchiert hat. So kann es durchaus sein, dass man zwei, drei Tage damit verbringt, die Hintergründe zu hinterfragen, bevor es mit der eigentlichen Story weiter vorangeht.
Es macht mir sehr auch viel Freude, tief in der Vergangenheit zu wühlen, und dabei allerhand Informationen zu entdecken, die vielleicht einer breiten Masse noch nicht bekannt sind. Die dann hübsch verpackt in einer guten Geschichte - das sind genau die Romane, die ich selbst zu lesen liebe.
Du hast viele Hobbys. So bist Du Turniertänzerin und leitest ab und
zu Reiseveranstaltungen in Großbritannien und Irland. Wie bringst Du
diese Hobbys, Deine Familie, Dein Schreiben zusammen? Bleibt da
überhaupt noch Zeit um einmal auszuspannen oder legst Du mittlerweile
einfach Schwerpunkte?
Als Erstes muss ich sagen, dass ich leider derzeit keine Reiseleitung mache. Das liegt aber nicht an mir, sondern die Volkshochschule hat - wie so viele andere Einrichtungen! - nicht mehr genügend Geld zur Verfügung, um solche Projekte zu machen. Schade!
Da ich ja das Schreiben zu meinem Hauptberuf gemacht habe, widme ich die Zeit tagsüber dem selbigen. Ich habe also eine gangz"normale" Arbeitswoche - von Montag bis Freitag. Die Abende und die Wochenenden sind dann für Freizeitaktivitäten, wie dem Tanzen, und natürlich meinem Mann gewidmet.
Ausspannen kann ich am Besten beim Sport oder bei langen Wanderungen. Dabei stört mein Mann auch nicht ... lächel ...
Ich gehe immer mehr dazu über, mir bereits im Vorfeld sogenannte "Inseln der Ruhe" zu schaffen. Das heißt, ich blocke einzelne Tage, an denen ich nicht schreibe und auch sonst keinen Termin annehme. Dann entscheide ich am Morgen spontan, was ich mit dieser Zeit mache und habe auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich (bei schlechtem Wetter) faul auf dem Sofa liege. Bei schönen Wetter ist es natürlich der Balkon oder ein Baggersee!
Du hast Deinen "normalen" Job vor einiger Zeit aufgegeben, um Dich
ganz dem Schreiben widmen zu können. Sicherlich hat es Vorteile, wenn
man sich seine Zeit besser einteilen kann und das Schreiben nun das
Hauptinteresse sein kann. Fiel Dir die Entscheidung Deinen Job
aufzugeben schwer?
Es war natürlich eine längere Zeit des Überlegens, ob man in der heutigen Zeit einen sicheren "Brotberuf" an den Nagel hängt, um sich nur noch dem Hobby zu widmen. Da ich mich damals aber sowieso beruflich verändern wollte, d.h. mir gefiel mein Arbeitsplatz überhaupt nicht mehr, stellte sich für mich nur noch die Frage: Wechsel zu einer anderen Firma oder die Selbstständigkeit?
Ich erhielt sehr viel Zuspruch von meiner Familie und Freunden, doch meine ganze Energie in das Schreiben zu legen. Nur ganz wenige in meinen Bekanntenkreis, hielten mich für verrückt, den Job aufzugeben. Eine Entscheidung, die ich keinen einzigen Tag bereut habe!
Was liest Du selbst gerne? Hast Du eine Lieblingsautorin und was
liest Du selber gerade?
Durch mein Fabel für England liebe ich natürlich die Klassiker von Jane Austen und den Geschwistern Brontee. Auch habe ich alle Romane von Victoria Holt (weitere Pseudonyme sind Jean Plaidy und Phillipa Carr) nicht nur gelesen, sondern auch selbst im Bücherregal stehen und greife immer wieder nach ihnen.
Ebenfalls zu meiner favorisierten Autorin ist Petra Durst-Benning geworden. Bei dieser sympathischen Autorin mag ich besonders, dass sie es versteht, interessante Informationen über Berufe, Land und Leute in spannenden Geschichten zu verpacken.
Derzeit lese ich einen zweiten Roman von Georgette Heyer. Nach der Lektüre der Romane von Sophia Farago - die ja häufig mit G.H. verglichen wird - war ich darauf sehr gespannt. Nun ja ... obwohl ich die etwas "antiquierte" Sprache durchaus mag, muss ich sagen, dass mir Sophia Farago besser gefällt. Ihre Romane sind flüssiger und lebendiger geschrieben. Generell mag ich eher Romane, in denen viel an Handlung passiert.
Vielen Dank für das Interview!
Ich habe Dir zu danken, Steffi! Es ist immer wieder schön, dass Du mit Deiner tollen Website uns Autorin die Möglichkeit gibt, unseren Lesern einen Schritt näher zu kommen! Denn für die Leser da draußen schreiben wir AutorInnen ja alle!
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