Interview mit Petra Last

Interview mit Petra Last (April 2004)



Veröffentlichungen:

  • Gemma (2000)
  • Bis ans Ende der Zeit (2002)
  • Einzig dir gehört mein Herz (2004)
  • Mann meiner Sehnsucht (2004)



Stell Dich den Lesern der Bücherkiste doch einfach mal ein wenig vor.
Trotz vieler Vermutungen, dass ich unter Pseudonym schreibe, lautet mein Name tatsächlich genau so wie er auf den Büchern steht: Petra Last. Ich bin 38 Jahre alt und 1,67 m groß. Ich habe Bankkauffrau gelernt, bin jetzt aber seit mehr als 13 Jahren als Sekretärin tätig und wohne in der Nähe von Celle. Ich reise gern, besonders in die USA, war aber zur Abwechselung auch schon einmal in Schottland und Malaysia. Dazu Kurztrips nach London, Paris, eine Nacht in Venedig… Reisen musste ich in den letzten Jahren ein wenig einschränken, daher lese ich so ziemlich alles, was mir in die Finger kommt (vorzugsweise Bücher, die in Gegenden spielen, wo ich schon war oder wo ich noch hin möchte). Ich koche gern, esse noch viel lieber :-), wühle mit Begeisterung im Garten und habe, wenn ich zuhause bin, den Fernseher meist als Dauerberieselung im Hintergrund laufen.

Dein erster Roman "Gemma" erschien bei dem kleinen Verlag Tebbert. War es schwierig einen Verlag zu finden und wie war die Zusammenarbeit mit Tebbert? Ich habe gehört, es hat ein wenig Ärger gegeben.
Anfangs bin ich die Verlagssuche ein wenig verkehrt angegangen. Man sollte nie ein ganzes Manuskript an einen Verlag schicken, in der Erwartung, alle würden nur darauf warten und es lesen wollen - ist leider nicht so. Nachdem ich von Bastei und Goldmann im Ablehnungsschreiben mehr oder weniger folgenden Text erhalten hatte: "… sehr nett, aber es ist uns zu teuer, einen unbekannten Autoren auf dem Markt zu etablieren. Sollten Sie schon einmal in einem kleineren Verlag veröffentlich haben, können Sie sich gern wieder melden…", stolperte ich über eine Anzeige "Verlag sucht Autoren". Wie ich inzwischen weiß, stammen solche Anzeigen fast nur von unseriösen Verlagen, weil die seriösen eh genügend Manuskripte erhalten. Ich habe angerufen, und Herr Tebbert war an Telefon sehr nett. Ich solle ihm mein Manuskript schicken, sie würden es prüfen und sich melden. Tja, und dann meldeten sie sich. SIE WOLLTEN ES NEHMEN! Einziger Wermutstropfen: Ich sollte einen Druckkostenzuschuss zahlen. Mit der Antwort der großen Verlage im Hinterkopf, konnte ich einem kleinen Verlag da noch nicht einmal einen Vorwurf machen, habe den Zuschuss auf die Hälfte heruntergehandelt und gehofft, mein Buch bald in den Läden zu sehen. Es dauerte über ein Jahr, bis ich überhaupt ein Buch in den Händen hielt. Der Verlag ging in der Zwischenzeit pleite. So gesehen war ich sehr erleichtert, dass sie trotzdem weitermachten und mein Buch druckten. Schade, dass ich nicht vorher wusste, dass diese Art von Verlag keine Vertriebsschiene hat, sich nicht ums Marketing kümmert und somit eigentlich auch keine Bücher verkauft. Die einzigen Umsätze waren mehr oder weniger die, die ich selbst veranlasst hatte. Von Verlagsseite lief dort wirklich gar nicht nichts. Zwar waren sie am Telefon immer sehr nett, aber wenn ich so bedenke wie oft ich, wenn ich irgendwelchen Schriftwechsel anmahnte, zu hören bekam: "Haben Sie den denn nicht bekommen? Den haben wir doch schon von Wochen in die Post gegeben. Muss verloren gegangen sein", kann man schon fast glauben, die Deutsche Post hat sich gegen Verlag Tebbert verschworen. Also organisatorisch ist der Laden eine einzige Katastrophe. Da habe ich mit "Gemma" am Anfang der Verlagsumgründung wohl noch richtig Glück gehabt, denn das Buch ist (bis auf das katastrophale Lektorat) doch gut gearbeitet. Ob bei Verlag Tebbert Betrugsabsichten dahinter stehen oder ob es sich schlicht und ergreifend um totale Unfähigkeit der Unternehmer handelt, kann ich nicht beurteilen. Ich habe den Schritt zwar nicht bereut, kann aber nur jedem raten: Finger weg von diesem Verlag!

Wie kamst Du überhaupt zum Schreiben? War es ein Hobby oder wolltest Du es schon immer ernsthaft machen?
Schreiben war und ist für mich Hobby. Auch wenn ich es heutzutage sehr viel ernsthafter betreibe. Anfangs habe ich geschrieben, weil ich eine Zeitlang so viel schlechte Romane in die Finger bekommen habe, dass ich mir sagte: Das kann ich besser. Außerdem war bei uns in der Firma eine Weile recht wenig los, und ich fand, dass es einfach nicht gut aussah, wenn ich da saß mit einem Computerspiel auf dem Monitor wie die anderen Sekretärinnen es taten. Ein Text auf dem Bildschirm machte viel mehr her, wenn der Chef mal auf dem Flur vorbeiging und herein schaute :. Also habe ich begonnen zu schreiben. Die ersten Versuche hat nur eine Freundin von mir zu lesen bekommen. Sie war es auch, die mich ermutigte, mich an einen Verlag zu wenden.
Das Schreiben ist für mich Leidenschaft, aber ob es jemals alleiniger Beruf wird ist eher unwahrscheinlich, da das Honorarniveau in Deutschland generell recht niedrig ist. Als hauptberuflicher Autor müsste ich bei dem, was ich schreibe, Abstriche machen, um davon leben zu können. Quantität statt Qualität. Den Luxus, nur das zu schreiben, was mir Spaß macht, könnte ich mir dann wohl nicht mehr erlauben und das möchte ich nicht aufgeben.

Was passierte nachdem Du "Gemma" veröffentlicht hast oder anders gefragt, wie kamst Du zum Moments-Verlag?
Also nachdem ich "Gemma" im November 2000 veröffentlicht hatte, passierte zunächst einmal gar nichts. Anhand der Verkaufszahlen stellte ich auch schnell fest, dass es wohl auch dabei bleiben würde, wenn ich nur darauf wartete, dass der Verlag etwas unternahm. Eine wirklich frustrierende Erfahrung, vor allem, wenn der Verlag sehr viele Versprechen macht, was sie alles tun würden, und nichts davon umgesetzt wird. Also versuchte ich mein Glück bei den örtlichen Buchhandlungen und bei Amazon, aber so ganz ohne Werbung bringt das auch nicht alle Welt. Und ich war halt davon überzeugt, dass mein Buch gut ist und dass es sehr, sehr schade sei, dass es Lesern nicht zugänglich war. Dann entdeckte ich Anfang Dezember 2001 in einer der Zeitschriften meiner Oma eine Annonce mit einem Gewinnspiel von "Moments", damals noch der Liebesroman-Spezialclub von Bertelsmann. Dass "Moments" zu Bertelsmann gehörte wusste ich nicht, aber da die Buchpreise, die es zu gewinnen gab, sich so wunderbar mit meinem Buchgeschmack deckten, dachte ich mir: Vielleicht verkaufen ja die mein Buch. Also habe ich mich per E-Mail mit Moments in Verbindung gesetzt und erhielt eine Antwort von Isolde Wehr. Wenn ich ein gutes Manuskript hätte, dürfte ich es ihr gern schicken, schrieb sie mir. Tja, ich hatte ja nun kein Manuskript, sondern ein fertiges Buch, was ich ihr mit echtem Bedauern mitteilte. Frau Wehr antwortete mir, dass sie zudem eine Homepage im Internet hätte, auf der sie Liebesromane vorstellte und bewertete und ob ich ihr nicht ein Exemplar von "Gemma" schicken würde. Wenn es ihr gefiele, würde sie es vorstellen. Eine bessere Werbung konnte ich mir ja nicht wünschen, also schickte ich Isolde Wehr ein Buch und wartete. Frau Wehr war begeistert! Noch in den letzten Dezembertagen 2001 erschien ihre Rezension zu "Gemma", und sie fragte, ob ich nicht ein weiteres Manuskript fertig hätte, das sie dann gerne für Moments verwenden würde. Nun, es war noch nicht ganz fertig, aber mit einem festen Ziel vor Augen schreibt es sich noch mal so gut :. In Februar war das Manuskript fertig und im April 2002 erschien "Bis ans Ende der Zeit", mit sehr viel größerem Erfolg. Leider stellte Bertelsmann kurz darauf das Projekt "Moments" ein und Frau Wehr wechselte mit einigen "ihrer" Autoren zu area, die dann auch "Moments" als eigenen Verlag wieder belebten. Mein drittes Buch "Einzig Dir gehört mein Herz" erschien Anfang Februar 2004 im neu gegründeten Moments-Verlag, wo Anfang September auch mein viertes "Mann meiner Sehnsucht" herauskommen wird.

Ich habe bisher alle Deine Romane gelesen und finde, das Du mit einer sehr großen Leichtigkeit schreibst, die ich bisher nur bei den Amerikanern entdeckt habe. Ich glaube nicht, das im deutschsprachigen Raum jemand so gut Historicals schreibt. Was ist Dein Geheimnis, wenn es denn eins gibt?
Danke für die Blumen. So etwas höre ich natürlich immer wieder gern, aber ich glaube, das geht wohl jedem Autoren so. Ob hinter meiner Schreibweise ein Geheimnis steckt, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ich schreibe halt das, was ich selbst gerne lese. Das heißt, dass ich nie etwas schreiben bzw. einem Verlag anbieten könnte, von dem ich nicht selbst überzeugt bin. Wahrscheinlich dauert es deshalb solange, ein Manuskript zu schreiben. : Ich bin extrem pingelig und lese das, was ich geschrieben habe, immer und immer wieder durch. Geht auch gar nicht anders, weil ich nicht kontinuierlich an einer Geschichte schreibe. So habe ich immer Gelegenheit, eine Story "sacken" zu lassen. Und wenn ich mich hinterher wieder rein lese, fallen mir viele Ungereimtheiten auf, weil der Kopf mal wieder schneller war als die Finger. Da stehen dann plötzlich Schlussfolgerungen, die die Personen im Buch unmöglich mit ihrem Wissenstand ziehen konnten, die für mich als "wissenden" Autoren aber logisch waren.
Außerdem stelle ich beim Lesen fest, wenn ich in Gedanken einen Satz anders fortführe, als er dort geschrieben steht. Wenn er sich komisch anhört, bastele ich solange daran herum, bis er dem normalen Rede- oder Lesefluss entspricht.
Und, was vielleicht hilft, ist, dass ich versuche, mich in meine Personen hineinzufühlen. Ich versuche mir vorzustellen, was sie in bestimmten Momenten empfinden, warum und wie sie reagieren. Eine der meistgestellten Fragen ist wohl: Was würde ich in der Situation tun? Ich möchte alles so beschreiben, dass die Geschichte vor dem inneren Auge des Lesers wie ein Film abläuft. Ich möchte, dass er beim Lesen das "sieht", was ich beim Schreiben "gesehen" habe.
In meine Romane fließt halt eine ganze Menge Herzblut mit hinein und ich denke mal, das ist es, was der Leser spürt.

Im Herbst kommt die Fortsetzung von "Einzig dir gehört mein Herz" unter dem Titel "Mann meiner Sehnsucht" bei Moments heraus. Kannst Du uns ein wenig über das Buch erzählen?
"Mann meiner Sehnsucht" sollte eigentlich "Sehnsucht nach dem Mann ihrer Träume" heißen, aber mir war schon bei Vergabe des Titels klar, dass er wohl ein wenig zu lang ist. Rafaels Zwillingsbruder habe ich ja in "Einzig Dir gehört mein Herz" schon kurz vorgestellt. In "Mann meiner Sehnsucht" bekommt er jetzt die männliche Hauptrolle. Der Ärmste musste ja schon eine ganze Menge erleiden und da fand ich es nur gerecht, wenn ich seine Geschichte erzähle und er sich wieder verlieben darf (obwohl er sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat :-). Die junge Dame, die seine Wunden heilen soll, ist meinen Lesern auch keine Unbekannte mehr, obwohl sie wohl von den meisten gar nicht beachtet worden ist. Genau das war bislang Hopes Schicksal, aber nun darf sie aus dem Schatten hervortreten.

Schreibst Du gerade an einem neuen Roman und kannst Du uns etwas über Deine weiteren Projekte erzählen? Möchtest Du bei den Historicals bleiben oder könntest Du Dir auch vorstellen etwas völlig anderes zu schreiben?
Was verstehst Du unter völlig anders? Zeitgenössische Liebesromane oder etwas ganz anderes als Liebesromane? Als Krimiautorin eigne ich mich nicht. Ich kann dafür wohl nicht kriminell genug denken und meine Geschichten wären viel zu durchschaubar. Bestenfalls könnte ich, wie bei Columbo, schon im Vorfeld klarstellen, wer der Mörder ist. : Für Science Fiction fehlt mir das technische Hintergrundwissen (auch wenn ich solche Bücher gern lese) und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Horrorromane schreiben könnte oder überhaupt möchte. Vielleicht irgendwann mal ein Kinderbuch. Dazu hätte ich einige Ideen.
Zur Zeit schreibe ich nicht nur an einem Roman, sondern an so etwa 5 - 6. Wie schon gesagt, arbeite ich nicht kontinuierlich an einer Geschichte, sondern immer daran, wonach mir gerade ist und wozu mir gerade etwas Gutes einfällt. Darunter sind wieder ein Historical, ein Roman, der sich (wenn er so wird wie ich es mir vorstelle) über mehrere Jahrhunderte hinzieht, und 4 zeitgenössische.

Du bist auch Mitglied bei "Delia", der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen. Der Verein steht noch am Anfang, wird jedoch immer bekannter. Was ist der Vorteil für eine Autorin wie Dich Mitglied bei so einer Vereinigung zu sein und hattest Du tatsächlich schon berufliche Vorteile durch "Delia"?
Erklärtes Ziel von DeLiA ist es, den Liebesroman gesellschaftsfähig zu machen und dafür zu sorgen, dass sowohl Leser als auch Verlage erkennen, wie viele deutschsprachige Liebesroman-AutorInnen es gibt. Ich finde es immer sehr traurig bis erschreckend, wenn Leser gar nicht wissen, dass sie auch im deutschsprachigen Raum gute Liebesroman-AutorInnen haben. Viele glauben tatsächlich, auch die deutschsprachigen AutorInnen seien eigentlich Amerikaner, selbst wenn sie unter ihren eigenen Namen schreiben. Verlage, wenn sie Manuskripte deutschsprachiger AutorInnen nehmen, verlangen häufig sogar ein englisch klingendes Pseudonym, weil sich die Bücher dann ihrer Meinung nach besser verkaufen. Es wäre schön, wenn wir irgendwann eine deutliche Tendenz hin zum einheimischen Produkt erkennen könnten, nicht immer nur Einkauf amerikanischer Lizenzen. Womit ich nicht sagen will, dass es die nicht mehr geben soll. Ich lese selbst gerne Bücher von amerikanischen Autoren, aber ein Stärkung der deutschsprachigen Literatur ist in meinen Augen wünschenswert.
Vorteile von DeLiA? DeLiA ist für Autoren eine wunderbare Informations-Tauschbörse. Man hat Kontakt zu anderen, Gleichgesinnten, die z.T. mit denselben Problemen (Verlage, Recherche, etc) kämpfen wie man selbst. Wenn ich im normalen beruflichen Alltag Probleme habe, kann ich immer irgend einen Kollegen um Rat fragen, aber als Schriftsteller hatte ich da bis letztes Jahr niemanden. Inzwischen "kenne" ich eine ganze Menge anderer Autoren, teils sogar persönlich, und es ist ein wunderbares Gefühl, endlich nicht mehr allein zu sein. Selbst bei den kniffeligsten Fragen, gibt es eigentlich immer jemanden, der etwas dazu weiß oder zumindest jemanden kennt, der etwas weiß. Allein das ist schon ein unschätzbarer beruflicher Vorteil als Schriftsteller, den ich auch nicht mehr missen möchte. Vom netten Austausch unter Kollegen über alles Mögliche ganz zu schweigen. :
Einige "DeLiAs" haben sicherlich auch schon weiterreichende berufliche Vorteile aus unserer Vereinigung gezogen, z.B. wenn neue Verlagsprogramme bekannt werden oder sogar neue Verlage, die nach Autoren suchen. Da ich nur begrenzt Zeit zum Schreiben habe, kann ich solch verlockende Angebote leider nicht nutzen, aber die Berufsautoren unter uns werden sicher auch weiterhin davon profitieren.

Welche Autoren liest Du selbst gerne? Was ist Deine aktuelle Lektüre?
Auch wenn ich die Lanze für deutschsprachige Liebesromane breche, so muss ich gestehen, dass meine langjährige Lieblingsautorin Amerikanerin ist, nämlich Linda Howard. Ansonsten lese ich sehr gerne Bücher von Judith McNaught, Karen Robards, Sandra Brown, Diana Gabaldon, Michelle Raven, Sophia Farago und Patricia Alge auf dem Liebesromansektor. Dazu James Patterson, Alistair MacLean, James Luceno, Mary Higgins Clark und W.K. Giesa (zumindest seine Professor Zamorra Romane). Leider komme ich nicht so viel zum Lesen wie ich gerne möchte. Mein SUB hat beängstigende Ausmaße angenommen. Meine aktuelle Lektüre ist "Eine unheilvolle Begegnung" von Michelle Raven. Meiner Meinung nach, das bislang beste Buch von ihr.

Vielen Dank für das Interview!