Autorenvorstellung Heide John
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"Es war einmal", so beginnen Märchen und auch die meisten Geschichten aus dem wahren Leben.
Also: Es waren einmal viele kleine Mädchen, die schrieben - angeleitet durch ältliche Erzieherinnen, die in den Siebziger-Jahren noch Tante Hilde oder Tante Irene hießen - Gedichte und Geschichten für die Frau Mama. Die lauteten alle gleich oder zumindest ähnlich "Ich bin klein, mein Herz ist rein, mein Popo ist schmutzig, ist das nicht putzig?" Sie wurden zum Muttertag feierlich überreicht - und je nach väterlicher Präsenz durch einen manschettierten Blumenstrauß ergänzt. Dann geschah jahrelang nichts! Heide John: "Und wer küsst mich? Blanvalet 2001 Alles beginnt mit der Frage "und wer küsst mich?" Die lesen wir zumindest auf dem Titel - im Buch findet sie sich nicht mehr so unbedingt ... Sie klingt ein wenig enttäuscht, aber enttäuscht oder frustriert ist Franziska Perle, die Protagonistin des Romans, eigentlich nicht. Sie ist nur maßlos gelangweilt vom immergleichen Einerlei des Alltags, in dem die samstägliche Ziehung der Lottozahlen den Höhepunkt der Woche markiert. Franziska genannt Fanny, ist 48 Jahre alt, Mutter dreier (beinahe) erwachsener Kinder und Gattin eines Mannes, der ein klein wenig einfältig ist. Aber eines Tages geschieht etwas: Im örtlichen Baumarkt entdeckt Fanny am schwarzen Brett einen Aushang. Dessen gut aussehender Juniorchef sucht eine Haushaltshilfe - und die gute Fanny zögert keine Sekunde. Endlich wieder eigenes Geld verdienen und endlich - zumindestens stundenweise - raus aus der eigenen 65qm Wohnung. Paul Nett, ihr neuer Arbeitgeber, ist ein sehr angenehmer Chef; seinen Junggesellenhaushalt hat Fanny im Handumdrehen saubergewedelt - und aus lauter Langeweile beginnt sie eines schönen Tages damit, sich mit Pauls privaten Dingen zu beschäftigen. Sie liest seine Briefe, hört den Anrufbeantworter ab und kramt sich durch die gesamte Wohnung. Von Tag zu Tag wird Paul ihr durch diese passive Anteilnahme an seinem Leben vertrauter. Dass sie sich sogar ihn verliebt hat, merkt sie allerdings erst als eine ernst zu nehmende weibliche Konkurrentin auftaucht. Eine in Fannys Augen unmöglich zickige, junge Frau, die keinesfalls zu "ihrem Paul" passt. Fanny wird aktiv und bedient sich vielgestaltiger Intrigen, um Pauls Herz zu gewinnen. Und das schafft sie auch. Allerdings nicht mit dem gewünschten Effekt: Denn am Schluss kommt doch alles anders als Franziska sich das gedacht und erhofft hatte ....Heide John: Ein Herz für Männer, Blanvalet 2002 Ein ganz normales Wohnhaus mitten in Köln. Wiedstraße 4. Manchen Lesern könnte diese Adresse bekannt vorkommen. Hier wohnen nämlich Katharina Legrand und August Perle. Wenn nicht, spielt das auch keine Rolle, denn die Geschichte, die erzählt wird, ist neu und erklärt sich ohne jede Kenntnis des Romans "Und wer küsst mich?" In dem wunderbaren Gründerzeithaus wohnen acht Parteien. Ganz unten in der Parterre-Wohnung hausen die Gröllmanns. Eine chaotische, recht prollige Familie mit drei pubertierenden Töchtern. Gröllmann macht den Hausmeister - und das ist die Legitimationsberechtigung für diese fünf Personen, die eigentlich nicht zum Stil des Hauses passen. Im ersten Stock links wohnt das junge Paar Jill und Alexander Marz, deren Ehe ins Trudeln geraten ist. Direkt daneben residiert der Hausbesitzer Fritz Lessander, ein Charmeur, erfolgreicher Geschäftsmann und nicht zuletzt untreuer Ehemann, dessen Frau Hilde sich mehr und mehr dem Alkohol zuwendet. Im zweiten Stock leben die beiden lesbischen Frauen Klara Merker und Tara Schratt, die eine ganz besonders innige Liebesbeziehung haben. Rechts von ihnen wohnt Kurt mit seiner Schwester Elsie, einem liebenswürdigen mongoloiden Teenager. Im dritten Stock logieren Katharina und August. Katharina hat nach dem Auszug von Paula Stups die zweite Wohnung dazu gemietet und die Wand durchbrechen lassen, so dass die beiden nun hochherrschaftlich über die gesamte Etage verfügen können. Unter dem Dach befinden sich die beiden, kleinen und billigeren Wohnungen, die jeweils von allein stehenden jungen Frauen bewohnt werden. Die linke Wohnung gehört der nymphomanischen Fußpflegerin Inka Brabant und rechts wohnt Clarissa Salz, die Medizin studiert und sich für die aller-allerbeste Freundin ihrer Nachbarin hält. Manche Geschichten der Hausbewohner sind bereits verknüpft, wie die von Irmgard Gröllmann und Fritz Lessander. Die zweite Tochter Irmgards ist nämlich ein Kind von Fritz, was außer den beiden allerdings niemand weiß. Andere entwickeln sich gerade: Fritz hat ein Verhältnis mit Inka Brabant. Die polygame Katharina bemüht sich massiv um die attraktive Jill Marz, um sie aus ihrer langweiligen Ehe zu befreien, aber auch, weil ihr Alexander Marz als absolut geeigneter Techtelmechtel-Partner erscheint. August ist entsetzt, rächt sich aber, indem er Jill verführt. Der Roman beginnt an einem Tag mitten im Juli und erzählt einen Teil aus dem Leben der jeweiligen Protagonisten. Wichtig sind natürlich die vielfältigen Verwicklungen und die einzelnen Geschichten. Am Schluss gipfelt alles in einem Hausfest, bei dem sich die Büchse der Pandora öffnet und sämtliche Karten neu gemischt werden ... |