Interview mit Sophia Farago

Interview mit Sophia Farago (April 2004)



Veröffentlichungen:

  • Maskerade in Rampstade (1993)
  • Die Braut des Herzogs (1993)
  • Hochzeit in St. George (1994)
  • Schneegestöber (1996)



Kannst Du Dich den Lesern der Bücherkiste ein wenig vorstellen?
Ich bin Sophia Farago (den Namen habe ich mir von meiner ungarischen Urgroßmutter geliehen), lebe in Linz/Österreich, bin Ehefrau, Mutter, Tochter, zweifache Schwiegertochter, Juristin, Managementtrainerin, Kabarettistin und natürlich: Autorin :-)

Wie ich Deiner Homepage entnehmen konnte, bist Du eine sehr vielseitige Frau. Juristin, Romanautorin, Kabarettistin. Wie schaffst Du es das alles unter einen Hut zu bringen und wie kommt man zu solch unterschiedlichen "Berufen"?
Nach dem Abitur hatte ich zwei Berufswünsche: Juristin und Schauspielerin. Ich habe beide Ausbildungen begonnen - aber schnell festgestellt, dass ich mich auf der Universität wohler fühlte als auf der Schauspielschule. Die "Bühne" hat mich nie ganz losgelassen und es war für mich eine besondere Freude letztes Jahr wieder dorthin zurückzukehren - mit meinem ersten Solokabarett "MÄNNER ESSEN MARS. FRAUEN KAROTTEN. - Aus dem Leben einer Powerfrau", das in Österreich recht erfolgreich läuft. Da ich mich beruflich, durch meine vielen Verhandlungen im In- und Ausland, viel mit Kommunikation beschäftige - habe ich mich auch "in der Theorie" dafür interessiert und zwei langjährige Ausbildungen zur geprüften Trainerin absolviert. Es ist schön mein Wissen in Seminaren weiterzugeben. All meine Berufe haben mit Sprache zu tun. Und da passt auch die Schriftstellerei gut dazu. Wie ich alles unter einen Hut bekomme? Mit viel Humor, einem guten Zeitmanagement und starken Nerven :-)

Deine vier Romane wurden in der Zeit von 1993-1996 in Deutschland bei Fischer veröffentlicht und 2003 bei Moments neu aufgelegt. Jetzt schreibst Du wieder an einem neuen Roman. Wieso die lange Pause?
Nach den ersten vier Romanen (alles Regency) wollte mein Lektor bei Fischer lieber etwas Zeitgenössisches. Der Umstieg war gar nicht so leicht. Außerdem war in meinem Leben viel los: der Tod meines ersten Mannes, zwei Kinder allein erziehen, die Karriere als Juristin ... da war in meinem Kopf kein Platz für neue Geschichten. Doch dann haben wir DeLiA gegründet - und der Elan meiner KollegInnen hat auch bei mir wieder die Freude am Schreiben geweckt…

Zwei Deiner Romane schafften es in Österreich sogar auf die Bestsellerliste. In Deutschland schaffen es nur selten Liebesromane auf die Bestsellerliste und wenn, dann sind es Romane von Nora Roberts oder Susan Elizabeth Phillips. Ist die Akzeptanz Liebesromanen gegenüber in Österreich größer?
Wie alle DeLiAs sehe ich den Begriff "Liebesroman" sehr weit gefasst - alle Romane, in denen Liebe im Mittelpunkt steht. Und solche stehen ja auch in Deutschland auf den Bestsellerlisten: z.B. Hera Lind oder Charlotte Link. Und auch meine Romane haben sich in Deutschland gut verkauft - und tun es immer noch:. Aber natürlich ist es richtig: es kann nicht genug für die Akzeptanz getan werden. In Deutschland und in Österreich.

Kannst Du uns etwas zu Deinem neuen Roman und überhaupt zu Deinen schriftstellerischen Plänen erzählen?
Mein 5. Roman ist fertig und liegt bei meiner Agentin. Ich bin sehr glücklich damit. Diesmal ist es ein zeitgenössischer Roman. Er handelt von einer beruflich erfolgreichen Frau über 35, die sich die Frage stellt: "Ist die Chance von einem Tiger gefressen zu werden wirklich höher, als den richtigen Mann zu finden?" Natürlich gibt es ein Happy End. Sobald feststeht wann und in welchem Verlag das Buch erscheint, werde ich mich melden.

Deine ersten vier Romane waren Regencys. Was interessiert Dich so an diesem Genre und wirst Du ihm in Deinen nächsten Büchern treu bleiben?
Ich bekomme immer wieder sehr nette Emails, die mich auffordern, doch einen neuen "Regency" zu schreiben. Das freut mich natürlich und spornt mich an:. Langsam wächst auch schon eine Geschichte in meinem Kopf heran und die ersten Figuren beginnen zu sprechen… Derzeit schreibe ich an etwas Zeitgenössischem. Dann ist der 5. Regencyroman geplant. Bei meinen sonstigen Tätigkeiten, komme ich leider nicht so schnell voran wie Full-Time-AutorInnen.

Warst Du selbst schon mal in England? Ich war schon einmal zwei Wochen in Südengland und finde, das die Engländer ihre Geschichte und deren Überbleibsel (Burgen, etc.) sehr pflegen. Die Geschichte ist dort irgendwie immer allgegenwärtig. Ist es deshalb einfacher über England und seine Historie zu recherchieren?
Du hast Recht, die Engländer sind sehr stolz auf ihre Geschichte. Darum war es nicht schwer Berge von Büchern zu finden und nach Hause zu schleppen, die sich mit allen Details der "Regencyperiode" befassen: Baustil, Kleidung, Kutschen, Fächer, Grabsteine… Ich war mehr als 30 Mal in England, habe alle "Originalschauplätze" meiner Bücher besucht. Und auch jede Dienstreise als Juristin dazu genützt nach neuen Büchern zu suchen. Vor 14 Tagen war ich wieder in London um für den nächsten Regencyroman zu recherchieren…

Wie muss man sich die alltägliche schriftstellerische Arbeit einer soviel beschäftigen Frau vorstellen?
In meinem Leben gibt es Perioden, in denen ich nicht schreibe und Perioden, in denen ich schreibe. Derzeit ist eine Schreibperiode angesagt:-). Das heißt, ich versuche jeden Tag zumindest eine Stunde an meinem Roman zu arbeiten. Am Abend, im Zug zum nächsten Seminar, in der Nacht, am Wochenende. Wenn die erste Fassung "steht", dann kommt die Detailarbeit und für die nehme ich mir auch gerne Urlaub. Ich "gehe" mindestens zehn Mal über das fertige Manuskript, bevor ich damit zufrieden bin und an die Agentin schicke.

Was liest Du gerade und was liest Du allgemeinen gerne? Hast Du eine Lieblingsautorin?
Meine absolute Lieblingsautorin ist, wie könnte es anders sein, Georgette Heyer, die Königin des "Regencyromans". Derzeit lese ich gerade wieder einmal "Regency Buck" und bin begeistert. Natürlich lese ich viele Sachbücher (soeben eines mit dem spannenden Titel "Das Gesetz der Himbeermarmelade"), ich mag natürlich auch Zeitgenössisches, sei es von Amerikanerinnen (wie Michelle Martin. "Männeralarm" habe ich verschlungen) oder von deutschsprachigen Autorinnen (wie Eva Völler und Marte Cormann). Und dann stapeln sich noch die Bücher, die ich als Jurymitglied für den Delia-Preis lese, der am BLC vergeben wird. Da sind ganz tolle Sachen dabei! Lasst euch überraschen:!

Vielen Dank für das Interview!