Interview mit Uwe Arndt

Interview mit Uwe Arndt (Oktober 2000)


Veröffentlichungen:

  • Einmal Macho und zurück (2000)


Durch Zufall bin ich auf den Erstling "Einmal Macho und zurück" (erschienen im Fischer TB-Verlag) von Uwe Arndt gestoßen und war so begeistert, das ich unbedingt ein Interview mit ihm führen wollte, das Ihr hier nun nachlesen könnt.

Steffi: Könntest Du uns ein wenig über Dich erzählen? Über Deine Hobbys, Familie, etc.?
Uwe: Ich schreibe gerne und ich würde gerne noch viel mehr schreiben. Um das zu verwirklichen fehlt es mir leider oftmals an Zeit. Ein Ehemann und Vater der all zu häufig und stundenlang in seinem Kämmerchen verschwindet löst nicht gerade familiäre Begeisterungsstürme aus. Um Zeit für meine Schreibideen zu finden, muß ich entweder im Lotto gewinnen oder eine ausreichende Anzahl von Lesern für mein erstes Buch gewinnen. Wenn ich mal nicht schreibe, kämpfe ich mit den binomischen Formeln von Tochter Nummer eins, erliege einem hinterhältigen Mattangriff von Tochter Nummer zwei, konstruiere mit Sohn Nummer eins kilometerlange Eisenbahnstrecken, oder galoppiere als ungezähmte Hengstimitation meines Jüngsten durch den vernachlässigten Garten. In der verbleibenden Zeit nerve ich meine Frau mit den Sätzen “lies das mal” oder “wie findest du das hier?” Zwischendurch verbringe ich meine vorgeschriebenen 38,5 Wochenstunden in einer Schule für Gesundheitsberufe.

Steffi: In der Kurzbio in Deinem Buch steht, dass Du genau wie Deine Hauptperson Clemens Schlehmann Lehrer bist und Kinder hast. Wie viel von Dir steckt in Clemens?
Uwe: Das Buch enthält nichts autobiographisches. Clemens Schlehmann ist wirklich frei erfunden. Es gibt aber wohl kaum einen Autor der behaupten könnte, er hätte überhaupt keine Gemeinsamkeiten mit seinen Romanfiguren. Ich denke in vielen Protagonisten schimmern Wünsche, Träume und manchmal auch Charakterzüge des Autors durch. In Sachen Romanschreiben bin ich noch Anfänger, deshalb habe ich die Hauptfigur in einem Milieu angesiedelt, daß mir vertraut ist. Das erlaubte mir mich auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren ohne immer wieder überprüfen zu müssen, ob das Ganze nicht zu unrealistisch oder zu übertrieben ist. Zudem spielt das Berufsleben des Clemens Schlehmann eine eher untergeordnete Rolle. Ich wollte keine abgewandelte Anekdote aus meinem eigenen Leben erzählen., sondern einfach mal meiner Lust am Erzählen und Geschichten erfinden freien Lauf lassen.

Steffi: Einige Leser betiteln Dich als männliche Hera Lind. Was hältst Du davon? Und magst Du die "angeblichen" Frauen-Romane?
Uwe: Im ersten Moment ist so ein Vergleich für einen Neuling im Buchgeschäft natürlich etwas angenehmes. Ich bin mit Hera Lind, Eva Heller und Ingrid Noll verglichen worden und sehe das zunächst mal als Kompliment an. Ich habe mich, ähnlich wie viele Frauenromane, mit der Thematik des “zwischenmenschlichen Rollenverhaltens”, auseinandergesetzt. Trotzdem unterscheidet sich mein Schreibstil und natürlich auch meine Sichtweise der Dinge in vielen Punkten von denen der o. g. Autorinnen. Es gibt meines Wissens nach auch wenig männliche Schriftsteller, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Insofern habe ich nichts gegen die Bezeichnung in der Presse “ Die männliche Antwort auf Hera Lind”. Ich hoffe natürlich, daß ich irgendwann auch mal ähnliche Auflagenzahlen erreiche. <g> Interessanterweise haben viele Buchhändler Schwierigkeiten gehabt, das Buch einzuordnen und ich habe es häufig in dem Regal für Frauenromane gesehen. Einige der sogenannten Frauenromane habe ich auch gelesen. Ich fand sie teilweise sehr unterhaltsam. Ich kenne auch viele Männer, die diese Romane lesen, aber das niemals zugeben würden.

Steffi: "Einmal Macho und zurück" ist ja Dein erstes Buch. Wie schwer war es als neuer deutscher Autor Fuß zu fassen? Wie ist es Dir überhaupt gelungenm einen Verlag zu finden? Leider ist die Bereitschaft der größeren Verlage ja sehr gering, es einmal mit neuen einheimischen Autoren zu versuchen.
Uwe: Die Frage läßt sich sehr schnell beantworten. Ich habe absolut keine Ahnung vom Verlagsgeschäft. Ich habe einfach mein Manuskript eingereicht und das war´s auch schon. Um es noch kürzer auszudrücken: “Glück gehabt”.

Steffi: Wie war es zum ersten Mal Dein Buch in Händen zu halten? Jeder geht damit ja anders um. Hast Du gefeiert?
Uwe: Da ich sehr gut und sehr eng mit meinem Lektor zusammengearbeitet habe, wußte ich ziemlich genau wie das Buch aussehen wird; von daher war das eigentlich nicht der große Moment. Der schönste Augenblick war vielmehr die Zusage des Lektors. Der Anruf kam Freitagnachmittag und war völlig unerwartet. So ähnlich muß sich wohl ein Sportler fühlen, der nach monatelangem Training endlich aufs Siegertreppchen steigen darf. Das Schreiben hat zwar Spaß gemacht, aber mit Familie ist die Freizeit doch ziemlich knapp bemessen und es wäre schon enttäuschend gewesen, wenn ich das Buch nur für die Schublade geschrieben hätte.

Steffi: Wolltest Du schon immer Schriftsteller werden oder wie kam es dazu? Und wie ist das Buch entstanden?
Uwe: Ich arbeite als freier Autor für die Zeitschrift “Eltern” und “Eltern for family”. Dort schreibe ich Glossen. Das heißt, ich muß mich immer kurz fassen. “Einmal Macho und zurück” ist mein erster Versuch, etwas längeres zu schreiben. Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ich in der Lage bin eine abgeschlossene, lesbare Geschichte zu entwickeln. Das, das auf Anhieb klappt, hat keinen so sehr erstaunt wie mich selbst. Mir war klar, daß meine Schreibzeit familiär bedingt begrenzt war. Deshalb habe ich regelmäßig, nachdem die Kinder im Bett waren, geschrieben. Regelmäßig meint auch wirklich regelmäßig! Das war das schwerste an der Sache, die Schreibdisziplin. Man glaubt gar nicht, welche Ausreden sich der innere Schweinehund einfallen läßt, um nicht an den Schreibtisch zu gehen. Während der Schreibzeit hatte ich “volle Rückendeckung” durch meine Frau gehabt. Sie war von Anfang an der festen Überzeugung, daß ich es schaffen würde. Ich war mir da nie so ganz sicher. Sie mußte jeden Tag meine nächtlichen Phantasieergüsse begutachten und kritisieren. Ich habe sie immer zu ehrlicher Kritik aufgefordert. Wenn dann ehrliche Kritik kam, war ich aber oft zu Tode beleidigt. Wie konnte jemand etwas, was ich geschrieben hatte nicht gut finden? Am Ende habe ich die Kritiken aber angenommen und mit verarbeitet. Und nicht zuletzt meiner Frau habe ich es zu verdanken, daß das Buch noch termingerecht fertig geworden ist. Hätte Sie nicht unsere äußerst lebhaften Kinder beschäftigt, würde ich wohl heute noch an der Überarbeitung des Romans sitzen.

Steffi: Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Schreibst Du bereits an einem weiteren Roman?
Uwe: Ich möchte auf jeden Fall weiter schreiben. Den Entwurf eines zweiten Romans habe ich schon fertig. Leider kann ich aus beruflichen Gründen nicht immer meine Schreibdisziplin einhalten. Deshalb hoffe ich immer noch auf einen Bestseller <g>, damit ich mit dem Erlös des “Macho” so viel freie Zeit gewinne, daß ich mehr an meinem nächsten Buch arbeiten kann.

Steffi: Welche Autoren und Romane schätzt Du besonders?
Uwe: Ich lese viel und alles querbeet. Aber es gibt doch einige Bücher, die mir ans Herz gewachsen sind. Das ist einmal Tolkien`s der Herr der Ringe, den ich schon mehrmals verschlungen habe und da sind die sogenannten Schweden Krimis von Sjöwall/Walhöö. Begeistert bin ich von Irving`s Romanen besonders vom wilden Wassertrinker. Tom Sharpe ist ein hervorragender Schriftsteller, der mir schon mehrere Lachkrämpfe beschert hat. Tom Wolfes Fegefeuer der Eitelkeiten habe ich im Urlaub in einem Rutsch konsumiert. Nicht zu vergessen die Bücher mit den Sherlock Holmes Geschichten von Doyle und dann wären da noch die Romane von Patricia Highsmith und habe ich schon erwähnt...

Steffi: Mir ist aufgefallen, das Du in Deinem Buch zwei, dreimal Tolkiens "Herr der Ringe" erwähnst. Bist Du ein Fantasy-Fan?
Uwe: Fantasy Fan ist sicher übertrieben. Ich bin ein Fan von Tolkien. Und ich bewundere die Phantasie und sprachliche Präzision dieses Mannes, der eine komplette Welt erschaffen hat. Seine Welt ist so lebendig geschildert, daß man denken könnte, er hat das alles nicht erfunden, sondern wirklich erlebt.

Steffi: .Der Stil in Deinem Buch ist echt toll. Meistens habe ich lachend auf dem Boden gelegen. Gewundert hat mich aber vor allen Dingen, daß mein Freund (angelockt von meinen Lachsalven) sich nun das Buch gekrallt hat und es auch lesen wird. Ich hätte eher gedacht, dass Frauen das Buch lesen. Weißt Du zufällig, ob viele Männer Dein Buch lesen?
Uwe: Das Buch zielt eigentlich nicht auf ein bestimmtes Geschlecht ab. Ich denke, es wird sowohl von Männern als auch von Frauen gelesen. Genaue Zahlen kenne ich natürlich nicht. Ich habe aber häufig Rückmeldungen von Paaren erhalten, die das Buch gemeinsam gelesen haben. Erstaunlicherweise scheinen auch jüngere Leute mit meiner Art von Humor etwas anfangen zu können.

Steffi: Wie waren ganz allgemein die Kritiken zu Deinem Buch und wie gehst Du damit um? Bedeutet es Dir viel oder ist es Dir wichtiger, dass Du zufrieden mit Deiner Arbeit bist.
Uwe: Die Kritiken, zumindest die mir bekannten, waren durchweg positiv. Es ist aber als Neuling so gut wie unmöglich eine Buchbesprechung in einer größeren Zeitung zu bekommen. Deshalb habe ich mich besonders über die Rezension in der Zeitschrift MAX gefreut. ( Dieses Buch kann Sie wieder aufrichten, wenn American Beauty Sie völlig deprimiert hat). Es gibt sicher aber auch Leute, die mit dem Humor meines Buches wenig anfangen können, aber damit kann ich leben. Mein Ziel war es einen unterhaltsamen und kurzweiligen Roman zu schreiben und wenn ich den bisherigen Rückmeldungen glauben kann, scheint mir das gelungen zu sein. Glück gehabt. Die Kritiken sind mir wichtig. Ich schreibe ja nicht für mich allein, sondern für Publikum. Man sollte als Autor für jede Kritik und Anregung dankbar sein. Schließlich beanspruche ich die meist knappe Zeit meines Lesers und der hat das Recht, daß er von einem Unterhaltungsroman unterhalten wird. Wenn mir Kritik egal wären und ich nur nach Selbstzufriedenheit strebe, dann bräuchte mich die Meinung meiner Leser gar nicht zu interessieren. Aber wenn mich der Leser nicht interessiert, wie kann ich dann erwarten, daß er sich für meine Bücher interessiert. Das ist mit ein Grund dafür, daß ich sehr gerne Lesungen veranstalte. Es macht einfach Spaß, sich direkt mit seinem Publikum auseinanderzusetzen. Leider zögern viele Buchhandlungen davor, Lesungen mit unbekannten Autoren zu veranstalten, noch dazu mit einem Unterhaltungsroman. Viele Buchhändler wollen bekannte Autoren oder zumindest “hochliterarische Kost” darbieten. Schade, denn meine Lesungen haben nicht nur mir, sondern auch dem Publikum viel Spaß gemacht.

Steffi: Und nun drei Fragen, die ich mir aufgrund des Buches einfach nicht verkneifen kann. <g> Kannst Du kochen? Weinst Du, wenn Deine Kinder unter dem Tannenbaum Weihnachtslieder singen? Und... magst Du alte Astrid Lindgren Filme?
Uwe: Ich kann ein bißchen kochen. Zumindest für den Hausgebrauch sind meine Kochkünste ausreichend. Ich habe aber nie einen Kochkurs in einer Volkshochschule besucht; ich kenne weder eine rothaarige Angelika, noch habe ich jemals eine junge Frau an der Tiefkühltruhe bei Karstadt belästigt. Meine Kinder singen nicht unter dem Tannenbaum und ob ich schon mal vor Freude oder Rührung über meine Kinder Tränen in den Augen hatte, sag ich nicht. Ja, ich bin bekennender Astrid Lindgren Fan und ich mag die meisten Verfilmungen ihrer Geschichten. Trotzdem habe ich niemals eine nackte Frau namens Lea nach dem Verlassen ihres Badezimmers beobachtet noch war ich mit besagter Dame heimlich in einem Astrid Lindgren Film.

Vielen Dank für das Interview!