Goga, Susanne: Das Haus in der Nebelgasse

Verlag: Diana
erschienen:
2017
Seiten:
448
Ausgabe:
Taschenbuch
ISBN:
3453358856

Klappentext:

London 1900: Matilda Gray ist Lehrerin an einer Mädchenschule und führt das Leben einer unabhängigen Frau. Als ihre Lieblingsschülerin Laura nicht mehr zum Unterricht erscheint, ahnt Matilda, dass diese in Gefahr ist. Zu plötzlich ist ihr Verschwinden, zu fadenscheinig sind die Begründungen des Vormunds. Eine verschlüsselte Botschaft, die ihr Laura auf einer Postkarte schickt, bringt Matilda auf die Spur des Mädchens. Ihre Suche führt sie zu dem Historiker Stephen Fleming und mit ihm zu einem jahrhundertealten Geheimnis, tief hinein in die verborgensten Winkel der Stadt.

Rezension:

Ich wollte schon ewig etwas von Susanne Goga lesen. Vor allen Dingen ihre historischen Berlin Krimis, aber irgendwie ist es doch nie dazu gekommen. Als dann „Das Haus in der Nebelgasse“ erschien, musste ich es allerdings sofort haben, denn London und Jahrhundertwende sind zwei magische Worte für mich. Und seien wir doch mal ehrlich, haben wir Mädels nicht alle etwas für historische Mädchenschulen übrig.

Aber dennoch bin ich dann doch von der Vielschichtigkeit des Romans überrumpelt worden, denn an diesem historischen Unterhaltungsroman stimmt einfach alles. Die Figuren, die Geschichte, die Atmosphäre, die vielen kleinen Details und natürlich die Schnitzeljagd um die jahrhundertealten Geheimnisse der englischen Hauptstadt.

Tatsächlich zieht Susanne Goga ihre Leser von der ersten Seite an in ihren Bann. Matilda ist eine wunderbar sympathische Protagonistin, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Von Anfang an gelingt es der Autorin die spannende Handlung mit der Atmosphäre des Londons der Jahrhundertwende zu verknüpfen. Ihre bildhafte lebendige Sprache lässt alles plastisch wirken und ich hatte das Gefühl, ich würde selbst durch die Straßen schlendern, das Hufgetrappel hören und mir den Hut zurechtrücken, wenn das Londoner Wetter mal wieder nicht so mitspielt, wie man das gerne hätte.

Was mir an Matilda besonders gut gefallen hat, war ihre Offenheit. Für die damalige Zeit hat sie außergewöhnlich feministische Züge, die sie auch an ihre Schülerinnen weitergeben möchte, aber sie ist natürlich in ihrer Stellung gezwungen den Konventionen der damaligen Gesellschaft zu folgen. Nicht nur einmal gerät sie dabei in Gewissenskonflikte, die Goga sehr einfühlsam und glaubwürdig wiedergibt.

Neben vielen weiteren liebevoll skizzierten Figuren, hat mich besonders die geheimnisvolle Jagd nach der Lösung eines alten Rätsels unterhalten. Wobei unterhalten jetzt fast schon zu nett klingt. Ab einem gewissen Punkt, kann man das Buch nämlich nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen will, wie alles zusammenhängt und mit Lauras Schicksal verknüpft ist.

Dabei bleibt die Autorin nicht an der Oberfläche, sondern zeigt, wie viel Recherchearbeit diesem Roman zugrunde liegt. Durch den Wissenschaftler Stephen Fleming erfahren wir alles sozusagen aus erster Hand, ohne das man das Gefühl hat trockenen historischen Stoff um die Ohren gehauen zu kriegen. Für kleine humorige Zwischenfälle sorgt ohnehin Matildas Vermieterin, die in ihrer Freizeit Groschenromane schreibt und einen herrlichen Einfall nach dem anderen zum besten gibt.

Für mich ist „Das Haus in der Nebelgasse“ einfach die perfekte Mischung aus Unterhaltung, historischem Roman, einer zarten Liebesgeschichte und jeder Menge Geheimnisse, die wir zusammen mit den Figuren lösen dürfen. 440 Seiten die im Fluge vergehen und die mich neugierig gemacht haben auf Gogas andere Romane. Ich hätte sie eben doch schon längst mal lesen sollen.

Note: 1