Auch wenn es bei mir immer etwas mit der Rezi dauert, hier ist sie jetzt endlich:
Meine Meinung:„Die Sündenburg“ – ein leider grausames Cover und somit ein Buch, dass ich mir niemals zugelegt hätte, wäre der Autor nicht Eric Walz, von dem ich weiß, dass er mich mit gerade mit seinen historischen Krimis immer wieder fesseln und begeistern kann und das auch diesmal wieder von Anfang an!
Anno Domini 912: Graf Agapet, der gerade von seinem Kriegszug gegen die Ungarn auf die heimische Pfalz zurückgekehrt ist wird von seiner Tochter Elicia ermordet im Bad aufgefunden. Bei der Leiche kauert Kara, eine Ungarin, die der Graf als Kriegsbeute in die Heimat mitgebracht hat. Doch Elicia glaubt nicht an die Schuld der Ungarin. Für sie steht fest, dass nur ihre Mutter Claire oder Aistulf, den Claire bereits zwei Tage nach dem Tod des Gatten heiratet, als Mörder in Frage kommen können…
Aber ist dem wirklich so? Das fragt sich der Leser relativ schnell, denn auch andere Figuren des Romans scheinen ein Motiv für den Mord zu haben … und immer häufiger kam ich mit meinem Verdacht ins Straucheln: war es vielleicht die stumme Leibeigene Bilhildis, oder am Ende gar Elicia selbst? Immer wieder ertappte ich mich dabei, meine Meinung zu ändern, Figuren wie Kara und Claire, die ich anfangs zunächst als Mörder ausschloss, rücken im Laufe des Romans in den Kreis der Verdächtigen, andere Figuren sind schon wieder so hasszerfressen und intrigant, dass sie als Täter fast schon zu offensichtlich wären, aber der leise Zweifel nagte immer an mir. Mehrfach hat mich der Autor auf eine falsche Fährte gelockt, so dass mich das Buch und seine Wendungen immer wieder überraschen konnten.
Der Erzählstil mag für den ein oder anderen Leser gewöhnungsbedürftig sein, da Eric Walz nicht nur eine Figur in der Ich-Form erzählen lässt, sondern gleich fünf: Claire, Elicia, Bilhildis, Kara sowie Malvin, der Vikar, der mit der Aufklärung des Falls betraut wird. Ich kam mit dieser Erzählweise auf Anhieb wunderbar zurecht, denn für mich erzählen diese Charaktere sehr unterschiedlich und passend zu ihrem jeweiligen Wesen und Charakter, was immer deutlicher wird, je weiter voran man kommt. So wäre ich bei einem Elicia-Kapitel niemals auf die Idee gekommen, dass es von Claire oder Kara sein könnte.
Mit den Figuren des Romans bin ich nicht immer ganz zufrieden, wobei das nicht an der Ausarbeitung der Figuren durch den Autor liegt, sondern weil sie mir einfach teilweise extrem unsympathisch sind. Elicia z.B. empfinde ich zwar als sehr feurig und emotional, aber auch als extrem anstrengend. Gerade ihr schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter beschäftigt mich sehr. Leider entwickelt sich auch Bilhildis im Laufe der Zeit zum Negativen hin. Gerade zu Beginn war ich von ihrer Willensstärke, Bodenständigkeit und dem losen Mundwerk wirklich begeistert, ich musste mehrfach laut lachen über ihr Gekeife oder ihre Aktion, wie sie Elicia zu einem Kind verhelfen will. Sie ist und bleibt eine spannende Romanfigur, auch wenn sie mir schon fast ein wenig zu extrem in ihren Rachegelüsten ist. Nichtsdestotrotz haben alle Figuren ihren Hintergrund und ihre Geschichte, die ihre Handeln und ihre Gefühle erklärbar machen und es ist spannend ihre Entwicklung zu beobachten und ihren Hintergrund kennenzulernen.
Mit wem ich leider gar nicht warm geworden bin ist Vikar Malvin. Schon allein diese ach so schnelle große wahre Liebe zwischen ihm und Elicia macht mich fuchsig. Wie kann man nach so kurzer Zeit so schnell von der großen Liebe sprechen, wo ich doch immer das Gefühl habe, dass ich die Entwicklung dahin verpasst habe. Mag ja sein, dass es Liebe auf den ersten Blick gibt und ich weiß auch, das Buch ist nicht dick und die Liebe zwischen Elicia und Malvin steht nicht im Vordergrund, dass man vielleicht den ein oder anderen Umweg weglassen kann, aber mir ist's einfach zu schnell gegangen. Ich freu mich ja für Malvin und Elicia, wenn sie miteinander glücklich sein dürfen, aber das war mir einfach zu viel! Er ist in seiner Liebe einfach nicht objektiv und dies wirkt sich gerade auf das Ende des Romans negativ aus, mit dem ich irgendwie nicht so ganz einverstanden bin. Es hat mich zwar auch tief beeindruckt, vor eine Figur, von der ich dies nie erwartet hätte, aber gerade Malvins Rolle gefällt mir hier gar nicht. Ehrlich gesagt kann ich nur hoffen, dass Malvins „Vergehen“ ihn bis zu seinem Lebensende quälen wird.
Auch wenn in meinen Augen die ein oder andere Figur etwas überzogen und ich auch mit dem Ende auch nur halb einverstanden war, so hat mich das Buch doch wieder bestens unterhalten und mir wunderbare und spannende Lesestunden beschert und es fiel mir extrem schwer, das Buch endgültig zuzuschlagen.
Bewertung:
