Autor Thema: CD 2: Tracks 34 - 41  (Gelesen 1922 mal)

Offline BirgitF

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Re: CD 2: Tracks 34 - 41
« Antwort #15 am: Januar 29,Januar 2010, 15:44:10 »
@annette und susanne: Ich kann ja ohnehin gar nicht so richtig nachvollziehen, warum es mittlerweile so schwer ist, Romane aus der Antike auf den Markt zu bringen. Da gibt es ja wirklich so viel Potential.
Aber wahrscheinlich liegt es mitunter auch daran, dass die meisten Bücher mit Handlungszeit Antike nun auch schon stilistisch oftmals veraltet sind (mehr als 15 oder 20 Jahre alt oder noch viel mehr) und so entsteht der Eindruck von Schmalzigkeit. Es gibt ja wenig wirkliche neue und aktuelle Romane aus der Antike - und wenig junge Autoren, denen die Verlage noch Antikenromane abkaufen - wenn sind es meist alteingesessene Autoren, die vor 20 Jahren, als das Thema trendy war, sehr erfolgreich damit waren. Na ja, aber dass ein mittlerweile 60 bis 70 Jahre alter Autor dann wahrscheinlich nicht den frischesten Stil hat oder die trendigste Geschichte ist ja auch nicht verwunderlich (und auch hier gilt natürlich wieder - Ausnahmen bestätigen die Regel) - ach, ich würde mir wirklich wünschen, mehr Leser würden die Antike wieder entdecken ... aber es wird ihnen ja auch nicht leicht gemacht. (leider leider leider  :heul: )
Die Bandbreite und die Möglichkeiten dieser Epoche in Büchern müssten einfach wieder neu entdeckt werden.  ;-)



 

Offline UllaHeinz

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Re: CD 2: Tracks 34 - 41
« Antwort #16 am: Februar 19,Februar 2010, 21:43:19 »
Hallo zusammen,

ich hatte mir zu viel vorgenommen - mein Job hat mich so fest im Griff, dass ich abends nach Hause kommend direkt ins Bett falle. Selbst Heinz bekommt kaum mehr was von mir zu sehen ... Aber gut. Jetzt ist mal wieder Wochenende und so will ich wieder versuchen, einige Abschnitte zu "beposten". Und auch, wenn Ihr zu diesem Abschnitt schon einiges geschrieben habt - ich habe immer noch Anmerkungen  ;-)

Also das muss hier mal gesagt werden!!!! Kleite ist eine unheimlich tolle und starke Frau. Ihr Charakter und auch ihre Art wie sie mit den Schicksalsschlägen umgeht.... (Sie hat immerhin alle ihre Töchter verloren!)
Also ehrlich Birgit, dass hast du wunderbar herausgearbeitet! Respekt! :anbet:
Ich kann Dir nur Recht geben. Kleite ist in meinen Augen das, was man weise nennt - oder nennen sollte. Sie hat für mich immer so etwas von meiner Großmutter - wahrscheinlich mag ich sie deshalb so gerne  :->


Kleite bemerkt aber auch, das Selina sehr viel Blut verloren hat und das der Pfeil aus dem Oberschenkel raus muss. Puuuh und das ohne Äther! :umfall:
Tja, wenn ich bedenke, dass ich bei 20° Zimmertemperatur schon anfange zu jammern, es wäre zu kalt, dann wäre das wohl nicht meine Zeit(epoche) gewesen - aber Kleite hat ja offensichtlich genug "medizinisches" Verständnis, um zu sehen, dass sie Selina nur helfen kann, wenn der Pfeil gezogen ist. Warum haben wir nur so viel von diesem Wissen verloren?

Es sind nur noch 16 Frauen von 600 !!! übrig geblieben und da sitzt der Schmerz und die Enttäuschung, tief in den Seelen und Herzen, der Frauen.
Ein Teil von mir kann die Frauen verstehen. Aber ich muß ehrlich zugeben, daß ich es schade finde, wenn sie sowieso nur noch so wenige sind, daß sie jetzt auch noch Selina verstoßen. Aber sie ist für sie wahrscheinlich einfach der Schuldige und verdient es nicht mehr in ihrer Mitte zu sein. Ich denke nur aus Ehrerbietung Kleite gegenüber lassen sie sie überhaupt noch am Leben.
Die Frauen haben Selina auch weniger wegen ihrer Schuld am Krieg fortgeschickt - sie sehen sie einfach als Verräterin an ihrem Lebensstil ... sie passt nicht mehr zu ihnen ... sie hat ihnen einen Mann vorgezogen - das ist eigentlich das größte Problem für sie. 
Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, was das bedeutet. Und gerade auf diesem Hintergrund müßten die Frauen doch zusammenhalten, oder? Da muss ich Dir Susanne schon Recht geben. Ich hätte mir vorstellen können, dass sie Benti zum Sklaven machen und Selina als "normale" Frau unter Frauen, aber immerhin als Teil ihrer Gemeinschaft behalten wollen, aber Du hast das ja gut beschrieben, Birgit, dass die Frauen Selina als Verräterin betrachten. Trotzdem. Für Selina muss das doch der Schlag ins Gesicht gewesen sein - auch wenn sie damit gerechnet haben mag.

Aber als sie sich von Selina verabschiedet, sagt sie ihr auch zum Trost, dass sie Beide immer die gleiche Sonne und den gleichen Mond sehen werden und somit durch die große Mutter immer miteinander verbunden sein werden.
Der Satz von Kleite:
„Nichts in unserem Leben geschieht, ohne von der großen Mutter gewollt und bestimmt zu sein.“
Der bringt genau zum Ausdruck was Leben eigentlich ist! Zum größten Teil einfach nur eine aneinander Reihung von Erfahrungen und Schicksalsschlägen.
Ich fand einen anderen Satz, den Kleite gesagt hat, viel, viel schöner. Leider bekomme ich ihn nicht mehr zusammen - wie war das genau mit dem Mond? Ach ja, auf die schnelle mal nachgehört "Es ist der gleiche Mond, welcher über jedem Land abend für Abend aufgeht; ebenso wie wir jeden Tag die gleiche Sonne sehen werden. ... Wenn ich reite, werde ich meinen Blick zum Himmel richten und an Dich denken, egal ob Mond oder Sonne gerade ihre Bahnen ziehen. Und wenn Du reitest, der Wind Dein Gesicht streift, wirst Du es genauso machen und wir werden niemals weiter als ein Leben voneinander entfernt sein". Ich fand diesen Moment wirklich sehr schön und muss mich immer wieder zusammennehmen, nicht in Tränen auszubrechen. Irgendwie erinnert mich diese Szene an ein Lied von Klaus Hoffmann - "Derselbe Mond". Sehr, sehr schön  :heul:

Benti versucht wirklich sich nützlich zu machen und als sie auf eine Karawane mit Flüchtlingen aus Troja treffen, finden sie einen reichen, älteren Mann der ihnen sogar die Überfahrt nach Ägypten bezahlen will. Er will als Gegenleistung nur den Schutz durch Selina, die er als Kriegerin erkennt.
Ich fand viel spannender, dass der Ägypter Selina als Kriegerin anerkennt. Aber wahrscheinlich ist das auch eine Frage des Krieges, dass es auf einmal nicht mehr wichtig ist, ob jemand Mann oder Frau ist, Hauptsache, die Person kann nützlich sein.

Dort hat Palla und ihr komischer Freund eine große Schlappe erlitten, als sie Hattusa angreifen wollten.
Die Gefangenen stehen im Schnee und sollen hingerichtet werden. Tuthalija betrachtet die Gefangenen noch einmal und entscheidet das Pallas Gefährte (ich komme gerade nicht auf den Namen) gevierteilt werden soll! Himmel nee wie grausam ist denn so etwas! :WAH:
Aber die Szene, wie Palla das ganze "von oben" beobachtet, ist genial beschrieben. Ich hatte das Bild direkt vor Augen - wie Pinjahu erst schrie, dann die Soldaten von Tudhalja Langeweile bekamen und den Pferden einen Schlag versetzten - und der Schnee blutrot getränkt wurde. Das war echt eine gute Beschreibung - wenn auch sehr grausam!

fand ich ihren Verrat aber nicht ganz so schlimm. Denn irgendwie verstehen kann ich sie schon ein wenig. Warum soll sie sich noch ins Unglück stürzen und sich zu ihrem verstorbenen Geliebten bekennen. Da ist es für sie schon ein wenig gesünder, daß sie nun so alleine behauptet sie wäre die ganze Zeit gegen ihren Willen festhgehalten worden.
So hatte ich das überhaupt nicht gesehen, ich fand den Verrat von Helena unmöglich. Wie kalt und herzlos kann dieses "Weib" nur sein. Als sie Selina trifft, tut sie erst noch so, als ob sie völlig unschuldig wäre - und dann behauptet sie doch dreist, dass sie gegen ihren Willen festgehalten wird. Also, ich war entsetzt, aber ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich mit Paris und Helena noch nie etwas anfangen konnte...

So, zu diesem Abschnitt soll's nun wirklich reichen, bis zum nächsten,

Ulla (Heinz)

Offline BirgitF

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Re: CD 2: Tracks 34 - 41
« Antwort #17 am: Februar 20,Februar 2010, 16:30:38 »
@ullaheinz: Warum sollten sie Selina als Teil ihrer Gemeinschaft behalten wollen?
In der Szene auf der heiligen Insel, in der die Geschichte des Volkes erzählt wurde, ist z. B. die Rede davon, dass einige Frauen sich aus Bequemlichkeit den Männern zugewandt haben, nachdem diese ihre Gefährten umgebracht haben (trotz der Hinterhältigkeit dieser Männer, die zuerst ihre Gefährten ermordet haben, damit sie an die Frauen herankommen.).
Frauen, die mit ihren Gefühlen Männern verfallen sind im Sinne der Amazonen einfach nicht mehr objektiv und klar in ihren Entscheidungen - sie schaden durchaus der Gemeinschaft.

Was das Zusammenhalten der Frauen angegeht: Das tun sie ja. Sie halten zusammen gegen all diejenigen (egal ob Männer und Frauen), die ihre Art zu leben ablehnen oder untergraben wollen. (In diesem Falle eben gegen Selina)
 
Selina als Mitglied der Gemeinschaft zu behalten ist für die Amazonen unmöglich, da ihre Gefühle sie immer wieder in einen Zwiespalt bringen würden - sie ist nicht emotional frei in ihren Entscheidungen, weil immer wieder Pairy versuchen würde sie zu beeinflussen - und weil sie ihn liebt, würde ihm das auch immer wieder gelingen - und Pairy hält nicht viel von der amazonischen Lebensweise. Also - warum soll eine ganze Gemeinschaft sich so einen Ärger wegen einer einzigen Person ans Bein binden - Selina hat ihre Entscheidung getroffen - und sie muss die Konsequenzen einfach tragen. Sie hatte ja ohnehin vor, mit Pairy fortzugehen, also zieht sie Pairy ihrem Volk in gewisser Weise bereits vor.

In der amazonischen Gemeinschaft muss aber die größte Loyalität immer der Frauengemeinschaft gehören, ansonsten bricht sie schnell auseinander.
Selina hat sich eigentlich selbst verbannt und ihre Prioritäten haben sich verändert.
Für Selina mag es ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, für die Amazonen ebenso, dass eine künftige Königin um der Liebe willen ihr gesamtes Volk belogen hat.
Man kann es sehen wie man will - aber ich sehe in Selina nicht allein das Opfer.

Es ist einfach so, dass die Wege von Selina und den Amazonen nicht mehr zusammen passen - und das ist ja so wie in einer Partnerschaft oder Beziehung. Wenn es nicht mehr passt, muss man sich eben trennen. Das tun die Amazonen nun einfach konsequent, indem sie Selina fortschicken.

Offline UllaHeinz

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Re: CD 2: Tracks 34 - 41
« Antwort #18 am: Februar 22,Februar 2010, 21:53:48 »
@BirgitF: ja, ich kann dieses Verständnis für die Amazonen durchaus nachvollziehen. Und ja, ich sehe es auch so, dass Selina für sich eigentlich die Entscheidung für Pairy und Alexandros getroffen hat, also eigentlich nicht mehr auf Dauer mit den Amazonen zusammenleben will/kann.
Und dennoch hätte ich mir auch vorstellen können, dass die wenigen übrig gebliebenen Amazonen vielleicht einfach nur "gemeinsam sind wir stark" mit einer Amazone mehr ein wenig stärker gewesen wären.
Ich verstehe schon, dass die Amazonen mit ihrer Handlungsweise, also indem sie Selina ausschließen, extrem konsequent sind und das das in ihrer Denkweise vermutlich einfach nur "normal" war.
Trotzdem finde ich es gerade in dieser "Notsituation" nach einer so starken Dezimierung überraschend und schade.

Offline BirgitF

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Re: CD 2: Tracks 34 - 41
« Antwort #19 am: Februar 23,Februar 2010, 13:15:27 »
@ullaheinz: Ich hege für mich eigentlich die Theorie, dass die Amazonen überhaupt nur in dieser Form als Splittergruppe bzw. als Volk in der patriarchal organisierten Welt noch eine Zeit lang Bestand hatten, weil sie eben diese (eher  für Frauen untypische) Konsequenz besaßen, Verfehlungen gegen ihre Lebensart hart und unnachgiebig mit dem Ausschluss der betreffenden Frauen zu ahnden.

Ich stelle es mir vor wie eine Vergiftung. Ein winziger Entzündungsherd, der den gesamten Organismus langsam von innen heraus zum Kollaps bringt, ein Geschwür, das wuchert und alle anderen infiziert. Indem die Gemeinschaft den Entzündungsherd sofort entfernte, verhinderte sie, dass ihre Lebensform von patriarchalen Werten geprägt werden konnte. Und ich denke, genau das hatten sie erkannt.

Und na ja - eine (ohnehin nicht mehr verlässliche) mehr oder weniger macht bei der Dezimierung auch nicht mehr viel aus. Strategisch gesehen, fällt Selinas Fortgang für das Volk nicht ins Gewicht.
Und genau so - davon bin ich bei dieser Lebensform doch überzeugt - dachten sie. Nicht emotional, dass es schade ist, sondern einfach praktisch und strategisch.