Marita Spang - Blut und Seide

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Offline nirak

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Marita Spang - Blut und Seide
« am: 29. Dezember 2015, 13:02:49 »
[isbn]B00X4UMCTA[/isbn]

Großartiger historischer Roman, aber nichts für schwache Nerven

Bad Kreuznach im 13. Jahrhundert: Simon von Montford hat bereits früh seine Eltern durch einen furchtbaren Überfall verloren. Er wächst nun als Ziehsohn bei Graf Johann von Sponheim auf. Doch der jüngere Bruder des Grafen sieht in Simon eine Bedrohung für sich und sein Erbe. Die beiden Jungen werden erbitterte Feinde. Als Simon sich dann ausgerechnet auch noch in die Verlobte von Heinrich verliebt, ist der Ärger vorprogrammiert. Simon wächst zu einem Ritter von Anstand und Ehre heran, während Heinrich sich in die andere Richtung entwickelt. Immer wieder kreuzen sich die Wege der Beiden.
Christina, die Verlobte von Heinrich steht dazwischen. Sie muss sich entscheiden den Willen des Vaters zu folgen oder ihrem Herzen, keine leichte Entscheidung.

Marita Spang erzählt hier eine Geschichte von Liebe und Tod. Im Mittelpunkt steht sicher das Leben der jungen Leute, wie sie um ihre Liebe kämpfen und was das Leben für sie bereithält. Der historische Hintergrund sorgt für den Rahmen. Allerdings ist er so gut recherchiert und dann geschildert, dass man förmlich die Waffen klirren hören kann. Die Fehde, die hier gewütet hat, ist detailgetreu erzählt worden. Wie es dazu kam, wie sie sich aufbaute und vor allem was für Folgen sie hatte.
Die Autorin hat es geschafft ihre fiktiven Charaktere mit den historisch belegten Persönlichkeiten zu mischen und so ein Gesamtbild geschaffen, welches Detailgetreuer kaum sein könnte.

Der Erzählstil von Marita Spang lässt sich flüssig lesen und ist der Zeit angepasst, in der dieser Roman spielt. Allerdings scheut Spang nicht davor zurück mit klaren Worten zu umschreiben, was vorging. Die Schlachten genauso wie das persönliche Leid der Protagonisten. Es gab so die ein oder andere Stelle, wo ich das Buch einfach zur Seite legen musste und überlegte, halte ich das überhaupt aus. Das Weiterlesen hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Die Autorin hat es gekonnt geschafft, die brenzligen Szenen so umzusetzen, dass sie lesbar wurden, vor allem aber auch glaubhaft und nachvollziehbar. Sie hat ihre Protagonisten wunderbar ausgearbeitet und gibt ihnen den nötigen Raum sich zu entwickeln, egal in welche Richtung. Aber nicht nur die wichtigen Charaktere wie Christina oder Simon bestimmen hier das Bild. Auch Protagonisten, die eigentlich nur für den Rahmen gedacht waren, entwickeln hier ein Eigenleben. Man fiebert richtiggehend mit ihnen mit und ist bei ihnen, leidet mit ihnen und nimmt teil an ihrem Leben. Am Ende viel der Abschied von diesen Charakteren schwer, hat man sie doch ein paar Jahre lang begleitet.

Auch die Aufmachung von „Blut und Seide“ ist gelungen, es gibt einige Karten, anhand derer man nachvollziehen kann, wo die einzelnen Protagonisten haltgemacht haben. Ein Personenregister zeigt gleich zu Beginn, welche Charaktere historisch belegt sind und welche eben fiktiv. Am Ende befindet sich ein ausführliches Nachwort, welches noch mal klärt, was Fiktion und Wahrheit ist und ganz zum Schluss kommt ein Glossar der mittelalterlichen Begriffe. Kurzum „Blut und Seide“ ist ein spürbar gut recherchierter historischer Roman mit allen Höhen und Tiefen dieser Zeit. Es war mein erstes Buch dieser Autorin aber ganz bestimmt nicht mein Letztes.


Offline Christiane

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Re: Marita Spang - Blut und Seide
« Antwort #1 am: 30. Dezember 2015, 11:02:28 »
Hallo Karin,

danke für die Rezi. Das Buch klingt ja wirklich interessant. Bad Kreuznach, das wäre rein geographisch was, das ich ganz gut in der Verwandtschaft verschenken könnte. Aber Dein Hinweis auf die Brutalitäten lässt mich doch zaudern. Könntest Du darauf vielleicht noch ein bisschen näher eingehen?
Danke und liebe Grüße,
Christiane
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 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline nirak

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Re: Marita Spang - Blut und Seide
« Antwort #2 am: 30. Dezember 2015, 17:43:56 »
Hallo Christiane,

in Blut und Seide wird vor allem die Fehde zwischen den einzelnen Grafschaften behandelt. Dies sehr gut im Detail aber eben auch mit sehr direkten Worten.
Die nächsten Sätze habe ich in den Spoiler gesetzt weil sie ein bisschen viel vom Inhalt verraten.

Vor allem die Brutalität gegenüber von den Frauen hat mich überlegen lassen,ob ich das Buch abbrechen soll. Es wird geschildert wie eine Frau brutal vergewaltigt wird, diese Protagonistin muss ganz schön viel aushalten. Auf die Frage an die Autorin, ob dies wirklich so im Detail beschrieben werden musste, meinte sie  sie wolle eben genau erzählen wie es damals zugegangen wäre. Nichts beschönigen oder verbergen. Später im Buch gibt es dann eine sehr schöne Szene mit einem Mönch und Simon, die ein bisschen erklärt warum alles so geschieht wie es geschieht.


Ich hoffe, ich konnte damit helfen
lg
nirak

Offline Christiane

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Re: Marita Spang - Blut und Seide
« Antwort #3 am: 30. Dezember 2015, 19:14:55 »
Hallo Karin,

ja, das hat mir geholfen. Vielen Dank! Dann wandert das Buch aber doch auf den Geschenkideen-Zettel. Das ist immer gut, wenn da das ein oder andere steht ;-).

LG,
Christiane
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