Ein Land das Himmel heißt - Stefanie Gercke

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Offline Kathrin

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Ein Land das Himmel heißt - Stefanie Gercke
« am: 04. Mai 2010, 08:16:11 »
[isbn]3899413245[/isbn] ISBN: 3899413245
Seiten: 653
Ausgabe: Hardcover

Kurzbeschreibung:
Jill Court, die bisher wohl behütet auf Inqaba, der Farm ihrer Eltern, aufgewachsen ist, erwacht jäh aus ihren Jungmädchenträumen, als ihr geliebter Bruder grausam ermordet aufgefunden wird. Durch den Schock verliert die junge Frau ihr ungeborenes Baby, und ihre Hochzeit mit dem aufstrebenden Architekten Martin muss verschoben werden. Im Kampf um Inqaba reift Jill zu einer selbstbewussten und mutigen Frau heran, die sich zu wehren weiß.Aufregend wie eine Reise nach Südafrika und von der emotionalen Kraft, die Stefanie Gercke so viele begeisterte Leserinnen und Leser bescherte.

Meine Meinung:
Als ich vor etlichen Jahren zum Geburtstag das Buch „Ich kehre zurück nach Afrika“ von Stefanie Gercke geschenkt bekam, dachte ich lange Zeit „oh nee, das ist gar nicht dein Ding/ dein Genre.“ Irgendwann habe ich es dann aber doch gelesen und war begeistert sowohl von der Geschichte als auch von Stefanie Gerckes Erzählstil, der Südafrika lebendig werden lässt und in mir die Sehnsucht nach diesem Land geweckt hat. So erging es mir auch jetzt wieder mit ihrem Roman „Ein Land das Himmel heißt“.

Dieses Buch beginnt zur Zeit des Bürgerkrieges in Südafrika Ende der 80er Jahre, Nelson Mandela steht kurz vor seiner Entlassung in die Freiheit. Ein erschreckendes Szenaria und dabei beginnt dieses Buch so zauberhaft: Jill, die Tochter des Farmbesitzers Philip Court steht kurz vor der Hochzeit mit Martin und ist in der 16. Schwangerschafswoche. Gerade auf den ersten 50 Seiten erwacht die Sehnsucht nach diesem fernen Land wieder, man hat ein wenig das Gefühl, Jill und ihre Familie leben in einer anderen Zeit. Stefanie Gercke beschreibt die Farm Inqaba und das Land so eindrucksvoll, so farbenfroh und intensiv, dann man das Land förmlich riechen und schmecken kann. Doch mit dem Mord an Jills Bruder Tom wird sowohl die junge Protagonistin als auch der Leser in die raue und brutale Wirklichkeit zurückgerissen.

Jill hat im Laufe der Zeit einige derbe Rückschläge zu erleiden und fällt auch seelisch in ein tiefes Loch. Gerade dieser Aspekt, dass Jill auch mal schwach sein darf, gefällt mir gut, denn so kann ich ihr ihre grundsätzliche Stärke und ihren Kampfgeist gut zubilligen, ohne es als zu extrem zu empfinden.

Als sehr positiv an diesem Roman empfinde ich, dass wir viel über die Situation in Südafrika in den 90er Jahren, nach dem Ende der Apartheit erfahren und auch über die Probleme, die dort sowohl für Weiße als auch Schwarze herrschen. Soweit ich das beurteilen kann, hat das Stefanie Gercke sehr gut und sehr realitätsnah geschildert. Man merkt, dass sie das Land und seine Bewohner wie ihre Westentaschen kennt, zumal sie selbst in Südafrika gelebt hat. Es ist für mich eine neue Welt, in die ich da eintauche, und zwar eine Welt, in der ich mich trotz aller beklemmender Ereignisse wohl fühle.

Sehr spannend ist auch die Familiengeschichte der Courts,  auf die die Autorin immer wieder zu sprechen kommt. Wie spannend wäre es über diese Anfänge zu lesen, wobei die Geschichte über die Tagebücher von Jills Ur-Ur-Ur-Großmutter schon einen leichten historischen Touch bekommen. Aber um wie viel schöner wäre es, deren Geschicht auch als Roman lesen zu dürfen…aber wer weiß, vielleicht habe ich dieses Buch nur noch nicht entdeckt!

Die Figuren des Romans sind mir alle sehr ans Herz gewachsen, allen voran Jill, der man nach all den Rückschlägen alles Glück dieser Erde wünscht. Diese Schicksalsschläge empfinde ich übrigens als nicht zu gehäuft, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es „damals“ eine schwierige Zeit in Südafrika war und ggf. auch immer noch ist. Ich denke Jill tut es einfach gut, Freunde wie Angelica oder ihre Tante zu haben, die zu ihr halten und wunderbare Menschen sind. Es fällt sehr schwer, diese Menschen mit der letzten Seite des Buches gehen zu lassen, sie waren mir wirklich sehr nah! Auch Popi und Tandi, Jills Freunde aus der Jugend (Tandi ein erfolgreiches schwarzes Model, Pop, Tandis Bruder ein Freiheitskämpfer Südafrikas) sind äußerst spannend und wirken gerne auch mal mysteriös und geheimnisvoll…die Sehnsucht nach den Figuren und Stefanie Gerckes Südafrika wächst gerade wieder sehr während ich meine Eindrücke zu dem Buch schreibe. Wie gut, dass ich bislang nur zwei ihrer Bücher kenne und hier noch einiges vor mir habe.

Bewertung:


Liebe Grüße
Kathrin
Rock the Night!