Schule, Uni, Bildung allgemein

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Offline Hans

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Schule, Uni, Bildung allgemein
« am: 17. November 2009, 17:53:59 »
Hallo zusammen,

da sich im Huf-Pfoten-Krallen-Flossen-Thread zwischen Christiane und mir eine recht interessante Unterhaltung über Schule usw. ergeben hat, die nur mit Haustieren nichts mehr zu tun hat, hab ich sie mal hier her verlegt. Wer meint, zum Thema Bildung auch noch was zu sagen zu haben, kann hier seine/ihre Meinung kund tun.

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Hans
« Letzte Änderung: 17. November 2009, 18:03:00 von Hans »
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Offline Hans

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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #1 am: 17. November 2009, 19:11:23 »
Hi,

@Christiane:
Und um mir die Frage zu verkneifen, was den jetzt der Gegensatz zum humanistischen Gymnasium ist, hab ich mal eben in der Wikipedia geguckt, und war voll drin im Dickicht des deutschen Bildungswesens.  :wah:  Soweit ich da heraus gefunden habe, gibt es "den Gegensatz" dazu gar nicht, sondern mehrere mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bin mal gespannt, was für ein Chaos daraus wird, wenn unsere "Bildungpolitiker" damit eine vergleichbare Veranstaltung anfangen wie mit dem sog. Bologna-Prozess im Hochschulwesen. Die Vorbereitungen dazu laufen ja schon.
'Humanistisch' ist wohl einfach eine etwas altmodische Bezeichnung für eine Schule, die sich die 'humanistische Bildung' auf die Fahnen geschrieben hat - nicht nur alte Sprachen, sondern auch Werte wie Toleranz und Gewaltfreiheit, daneben die Kreativität (also Musik, Kunst,...). Ich hab das Gefühl, dass das Themen sind, die heute viel zu oft vergessen werden vor lauter reinem 'Fakten-Lernen'.

:hmschild: das ist im Sinne des Wortes interpretiert. In der Wikipedia im Artikel zum Humanistischen Gymnasium liesst man:
Zitat von: Wikipedia
Das humanistische Gymnasium leitet seine Bezeichnung von der Bildungsidee der neuhumanistischen Bildungsreformer um Wilhelm von Humboldt im Zuge der Preußischen Reformen ab. ... Die alten Sprachen Latein und Griechisch beherrschen als „humaniora“ die Stundentafel, daneben stehen vor allem Mathematik und „historische“ Fächer, Deutsch nur mit zwei bis drei Wochenstunden. Dazu kommen noch ein wenig Französisch und Physik/Naturkunde. Auffassungen, die unter einer humanistischen Bildung eine materiale Grundbildung in allen Richtungen verstehen, gehen also fehl. Die Vertreter der humanistischen Bildung sehen gerade in der produktiven Einseitigkeit den Vorteil.
Die hervorhebung stammt von mir, denn das hab ich bisher auch mit dem Begriff "Humanistische Bildung" assoziiert.
Allerdings liegst Du mit Deinem Gefühl für die Wertevermittlung nicht daneben. Das Gefühl hab ich nämlich auch. Wenn man dazu noch bedenkt, das für diese Werte im Weltbild des Homo Oeconomicus, der heut zu Tage weite Teile der Gesellschaft beherscht, eigentlich kein Platz ist, wundert mich das allerdings nicht. Das der Homo Oeconomicus eine zu stark vereinfachende Idealisierung des Menschen ist, die ohnehin nur auf wenige zutrifft, wird bei Wertedabatten meisst unterschlagen.

 
Zitat von: Christiane
Zitat von: Hans
Also in jedem Fall drei Sprachen... :hmschild: Es ist ja heut zu Tage nicht falsch, mehrere Sprachen zu sprechen. Nur stellt sich mir dann immer die Frage, ob dabei nicht die Naturwissenschaft auf der Strecke bleibt. Denn in unserer heutigen hochtechnisierten Welt scheint mir doch etwas mehr als nur ein grundlegendes Verständniss von Naturwissenschaft und Technik nötig zu sein, um entscheiden zu können, ob das technisch machbare auch realisiert werden sollte, bzw. ob es Gesellschaftlich sinnvoll ist.
Das wird nicht völlig vergessen. Hier in Rh-PF gibt es seit neuerem in der 5. und 6. Klasse 'NaWi'. Da soll fachübergreifend in die naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise eingeführt werden. Ist noch in den Kinderschuhen aber macht bisher einen ganz guten Eindruck was die Kinder da machen. Und im Bundeswettbewerb Mathematik hat kürzlich ein Schüler den 1. Platz gemacht. Zudem wird das Abi noch immer nach 13 Schuljahren gemacht, so dass die Zeit nicht so knapp ist wie in den verkürzten G12-Schulen.
Die fächerübergreifende Einführung in die naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise klingt gut. Da Biologie, Chemie und Physik sich sowieso an mehreren Stellen überschneiden erscheint mir dieser Ansatz sinnvoll zu sein. Vielleicht ist er tatsächlich ein Fortschritt. Im übrigen könnte man überspitzt ja auch sagen: Wenn die Biologen nicht mehr weiter wissen, dann fragen sie die Chemiker, und wenn die Chemiker nicht mehr weiter wissen, dann fragen sie die Physiker. Allerdings ist diese Sichweise auch eingeschränkt und im wesentlichen nur für einen Bereich der Grundlagenforschung gültig, wenn es darum geht, Ursachen für irgendwas auf immer kleinere Strukturen herunter zu brechen.
Was das Abi angeht, so halte ich von dieser ganzen Verkürzung der Schulzeit überhaupt nichts. Vor allem, da ja auch der Stoff nur unwesentlich gekürzt wurde. Wenn dadurch immer weniger junge Leute das Abi machen, mag das zwar ein paar Leute freuen, die sich für "Die Elite" des Landes halten, und ihre Kreise überschaubar halten wollen. Aber die dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn das Land im weltweiten Schnitt (Pisa & Co.) immer weiter ins Mittelfeld abrutscht.

Zitat von: Christiane
Zitat von: Hans
Und wenn das Kind es so wollte, warum soll man es ihm nicht ermöglichen, wenn die Möglichkeit dazu besteht? - Dann scheint sich Eure intensive Suche am Anfang des Jahres ja gelohnt zu haben.
Und zur Schul- bzw. Bildungspolitik sag ich erst mal nichts weiter, als da oben schon steht.
Bisher sieht es ganz so aus, dass die Schule so ist wie erhofft.
Na das klingt doch gut. Dann ist zu hoffen, das es auch so bleibt.

Zitat von: Christiane
Und ja, über Schul- und Bildungspolitik kann man natürlich endlos schimpfen, streiten,... - muss man aber nicht  :->
Schimpfen bringt nicht viel, und beim streiten kommt es darauf an, mit wem man sich anlegt. Ich denke, das es viel Sinnvoller ist, über das Thema eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anzuzetteln. Da sollte dann erst mal geklärt werden, wohin wir als Gesellschaft überhaupt wollen, und warum bzw. warum nicht. Dann ist ehrlich zu prüfen, ob die bisher eingeleiteten Massnahmen auch tatsächlich dazu verhelfen, dahin zu kommen, wo man hin will. Das scheint eher nicht der Fall zu sein, wenn man die zunehmenden Studentenproteste zum Massstab nimmt.
Das Problem beim anzetteln einer solchen Diskussion ist nur leider, das da im Augenblick noch diejenigen die Meinungshoheit haben, deren Interessen bisher am ehesten vertreten wurden, und die an einer wirklich offenen Diskussion überhaupt kein interessae haben, und sie deshalb bisher noch erfolgreich verhindern. Oder, wenn sie sich nicht verhindern lässt, dann doch wenigstens in Bahnen zu lenken verstehen, die ihnen nicht gefährlich werden können.

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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #2 am: 17. November 2009, 20:55:24 »
Hallo Hans!

:hmschild: das ist im Sinne des Wortes interpretiert. In der Wikipedia im Artikel zum Humanistischen Gymnasium liesst man:
Zitat von: Wikipedia
Das humanistische Gymnasium leitet seine Bezeichnung von der Bildungsidee der neuhumanistischen Bildungsreformer um Wilhelm von Humboldt im Zuge der Preußischen Reformen ab. ... Die alten Sprachen Latein und Griechisch beherrschen als „humaniora“ die Stundentafel, daneben stehen vor allem Mathematik und „historische“ Fächer, Deutsch nur mit zwei bis drei Wochenstunden. Dazu kommen noch ein wenig Französisch und Physik/Naturkunde. Auffassungen, die unter einer humanistischen Bildung eine materiale Grundbildung in allen Richtungen verstehen, gehen also fehl. Die Vertreter der humanistischen Bildung sehen gerade in der produktiven Einseitigkeit den Vorteil.
Die hervorhebung stammt von mir, denn das hab ich bisher auch mit dem Begriff "Humanistische Bildung" assoziiert.

Als ich die Schule als eine humanistische bezeichnet hab hab ich nicht die möglicherweise korrekte Definition im Kopf gehabt - die hab ich so noch nie gelesen. Ich hab damit beschreiben wollen, wie diese Schule sich darstellt, welche Prioritäten sie setzt. Und hatte dabei meine Vorstellung von humanistischer Bildung im Kopf. Tja...


Zitat von: Hans
Allerdings liegst Du mit Deinem Gefühl für die Wertevermittlung nicht daneben. Das Gefühl hab ich nämlich auch. Wenn man dazu noch bedenkt, das für diese Werte im Weltbild des Homo Oeconomicus, der heut zu Tage weite Teile der Gesellschaft beherscht, eigentlich kein Platz ist, wundert mich das allerdings nicht. Das der Homo Oeconomicus eine zu stark vereinfachende Idealisierung des Menschen ist, die ohnehin nur auf wenige zutrifft, wird bei Wertedabatten meisst unterschlagen.
Ich glaube nicht, dass es diesen Homo Oeconomicus in Reinkultur überhaupt gibt. Ich denke, das ist bestenfalls ein Aspekt eines Menschen, der bei dem ein oder anderen Exemplar wohl auch überwiegen mag, aber mehr nicht.
Wenn wir aber vergessen, dass der Mensch vor allem ein soziales Lebewesen ist, dann haben wir ein Problem! Und ich bin sehr begeistert, wenn es Schulen gibt, die 'wertvolle Zeit' darauf verwenden, die sozialen Tugenden in der Schulgemeinschaft zu etablieren.
 

Zitat von: Hans
Die fächerübergreifende Einführung in die naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise klingt gut. Da Biologie, Chemie und Physik sich sowieso an mehreren Stellen überschneiden erscheint mir dieser Ansatz sinnvoll zu sein. Vielleicht ist er tatsächlich ein Fortschritt. Im übrigen könnte man überspitzt ja auch sagen: Wenn die Biologen nicht mehr weiter wissen, dann fragen sie die Chemiker, und wenn die Chemiker nicht mehr weiter wissen, dann fragen sie die Physiker. Allerdings ist diese Sichweise auch eingeschränkt und im wesentlichen nur für einen Bereich der Grundlagenforschung gültig, wenn es darum geht, Ursachen für irgendwas auf immer kleinere Strukturen herunter zu brechen.
Was das Abi angeht, so halte ich von dieser ganzen Verkürzung der Schulzeit überhaupt nichts. Vor allem, da ja auch der Stoff nur unwesentlich gekürzt wurde. Wenn dadurch immer weniger junge Leute das Abi machen, mag das zwar ein paar Leute freuen, die sich für "Die Elite" des Landes halten, und ihre Kreise überschaubar halten wollen. Aber die dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn das Land im weltweiten Schnitt (Pisa & Co.) immer weiter ins Mittelfeld abrutscht.
Ich bin auch froh, dass wir hier in Rh-Pf noch die 13 Schuljahre haben. Da müsste schon sehr Grundlegendes mit dem Curriculum passieren, um eine Verkürzung auf vernüfntige Art und Weise möglich zu machen. Und darauf deuten ja nun wirklich nichts hin. Wichtiger als so eine Verkürzung fände ich es, die Lehrmethoden zu modernisieren und den gesamten Lehrstoff mal zu entstauben, also überprüfen, welche Inhalte noch sinnvoll sind, welche man streichen kann, welche man ergänzen sollte. Sicher gibt es viele Lehrer, die guten Unterricht machen, aber man hat doch oft den Eindruck, dass sie das trotz der vorhandenen Rahmenbedingungen tun und nicht unterstützt duch diese.


Zitat von: Hans
Schimpfen bringt nicht viel, und beim streiten kommt es darauf an, mit wem man sich anlegt. Ich denke, das es viel Sinnvoller ist, über das Thema eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anzuzetteln. Da sollte dann erst mal geklärt werden, wohin wir als Gesellschaft überhaupt wollen, und warum bzw. warum nicht. Dann ist ehrlich zu prüfen, ob die bisher eingeleiteten Massnahmen auch tatsächlich dazu verhelfen, dahin zu kommen, wo man hin will. Das scheint eher nicht der Fall zu sein, wenn man die zunehmenden Studentenproteste zum Massstab nimmt.
Das Problem beim anzetteln einer solchen Diskussion ist nur leider, das da im Augenblick noch diejenigen die Meinungshoheit haben, deren Interessen bisher am ehesten vertreten wurden, und die an einer wirklich offenen Diskussion überhaupt kein interessae haben, und sie deshalb bisher noch erfolgreich verhindern. Oder, wenn sie sich nicht verhindern lässt, dann doch wenigstens in Bahnen zu lenken verstehen, die ihnen nicht gefährlich werden können.
Ja sicher. Nur meckern führt zu nichts. Ich hatte allerdings nur mit wenigen Worten andeuten wollen, dass dies Thema doch viel Diskussionsstoff bietet und viele Ansatzpunkte für Kritik und Verbesserungen.
Die Studentenproteste sind sicher ein legitimer Weg, Kritik anzubringen. Mal sehen, ob sich daraus eine fruchtbare Diskussion ergeben wird. Als Eltern kann man sich auch im Kleinen direkt an der Schule seiner Kinder engagieren. Das ändert nicht die große Politik, aber kann durchaus lokal wirksam sein.

:winken: Christiane
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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #3 am: 17. November 2009, 23:00:57 »
Hi Christiane,

Als ich die Schule als eine humanistische bezeichnet hab hab ich nicht die möglicherweise korrekte Definition im Kopf gehabt - die hab ich so noch nie gelesen. Ich hab damit beschreiben wollen, wie diese Schule sich darstellt, welche Prioritäten sie setzt. Und hatte dabei meine Vorstellung von humanistischer Bildung im Kopf. Tja...
das hab ich auch durchaus so verstanden. Und wie in dem zitierten Artikel ja auch anklingt, sind wir anscheinend nicht die Einzigen, die ihre eigene Vorstellung zum Begriff der humanistischen Bildung haben. Was die Schule selbst angeht, so kann man sie eher in die Kategorie des "Altsprachlichen Gymnasiums" einordnen.

Zitat von: Christiane
Ich glaube nicht, dass es diesen Homo Oeconomicus in Reinkultur überhaupt gibt.
In Reinform gibt's den auch nicht. Kann es auch gar nicht, weil dazu schon die Grundannahmen unrealistisch sind. Ansonsten müsste das ein schlimmerer Typ sein, als Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte.

Zitat von: Christiane
Ich denke, das ist bestenfalls ein Aspekt eines Menschen, der bei dem ein oder anderen Exemplar wohl auch überwiegen mag, aber mehr nicht.
Wenn wir aber vergessen, dass der Mensch vor allem ein soziales Lebewesen ist, dann haben wir ein Problem!
Das sehe ich auch so. Und ich denke, das dieses Problem schon viel grösser ist, als manche Zeitgenossen es wahr haben wollen.

Zitat von: Christiane
Und ich bin sehr begeistert, wenn es Schulen gibt, die 'wertvolle Zeit' darauf verwenden, die sozialen Tugenden in der Schulgemeinschaft zu etablieren.
Dem stimme ich zu. Das wiederspricht zwar dem aktuellen Eliten-Fetisch eben jener selbst ernannten Eliten die Politik und Wirtschaft gerade beherschen, aber das macht nichts. 

Zitat von: Christiane
Ich bin auch froh, dass wir hier in Rh-Pf noch die 13 Schuljahre haben. Da müsste schon sehr Grundlegendes mit dem Curriculum passieren, um eine Verkürzung auf vernüfntige Art und Weise möglich zu machen. Und darauf deuten ja nun wirklich nichts hin.
Sehe ich auch so.

Zitat von: Christiane
Wichtiger als so eine Verkürzung fände ich es, die Lehrmethoden zu modernisieren und den gesamten Lehrstoff mal zu entstauben, also überprüfen, welche Inhalte noch sinnvoll sind, welche man streichen kann, welche man ergänzen sollte. Sicher gibt es viele Lehrer, die guten Unterricht machen, aber man hat doch oft den Eindruck, dass sie das trotz der vorhandenen Rahmenbedingungen tun und nicht unterstützt duch diese.
Für modernisierung der Lehrmethoden bin ich auch, und eine Überprüfung des Lehrstoffs ist sicherlich auch nicht falsch. Allerdings würde ich auch noch einen Schritt weiter gehen, und das gesamte Schulsystem einer Prüfung unterziehen. Das ist ja übrigens auch schon von verschiedenen Seiten gemacht worden und die Ergebnisse sind niederschmetternd. Nur ernsthafte Konsequenzen sind daraus noch nicht gezogen worden. Dazu sind die Fronten zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu sehr verhärtet.
Und was die These zu den guten Lehrern und ihrem Unterricht angeht, da stimme ich auch zu. Andererseits hab ich auch selbst Lehrer erlebt, die einfach nur "ihren Stoff durch ziehen" und sich nicht um die stärken und schwächen der einzelnen Schüler kümmern, obwohl das nach meiner Auffassung dazu gehört.

Zitat von: Christiane
Ja sicher. Nur meckern führt zu nichts. Ich hatte allerdings nur mit wenigen Worten andeuten wollen, dass dies Thema doch viel Diskussionsstoff bietet und viele Ansatzpunkte für Kritik und Verbesserungen.
Das ist richtig. Deshalb hab ich es ja auch in einen separaten Thread verfrachtet, damit man zumindest im kleinen Kreis mal darüber diskutieren kann. Ob und wieviel das auf die Politik ausstrahlt, sei mal dahin gestellt, aber es wird sicherlich von mehr Leuten gelesen, als hier mitschreiben.

Zitat von: Christiane
Die Studentenproteste sind sicher ein legitimer Weg, Kritik anzubringen. Mal sehen, ob sich daraus eine fruchtbare Diskussion ergeben wird.
Na das hoff ich doch. Bei den letzten grossen Protesten hat sich ja auch eine Diskussion ergeben. Die war zwar nicht besonders fruchtbar, aber zumindest auch nicht ganz ohne Wirkung.

Zitat von: Christiane
Als Eltern kann man sich auch im Kleinen direkt an der Schule seiner Kinder engagieren. Das ändert nicht die große Politik, aber kann durchaus lokal wirksam sein.
Das ist richtig, als Eltern kann man lokal sicher was auf die Beine stellen. Um allerdings die grosse Politik zu ändern, müssen erst mal einige sogenannter "Berater" in die Wüste geschickt werden, die sich bisher in den Entscheidungsgremien von Bund und Ländern bis hinunter in den Gemeindeverwaltungen herum treiben. Allen voran eine gewisse Stiftung aus Gütersloh... - aber das ist wiederum ein Themenkomplex für sich. 

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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #4 am: 29. Oktober 2015, 00:33:41 »
Hi,

dieser Thread ist zwar Urrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrralt, aber das Thema, um das es mir gerade geht, gehört hier rein, weshalb ich ihn aus der Versenkung geholt habe. Und zwar geht es um die neuen Bildungspläne in Baden Würtemberg, - damit hab ich zwar nicht direkt was zu tun, dennoch ist mir das Thema Bildung ganz allgemein wichtig, so dass ich es für Sinnvoll erachte, auch hier darauf hinzuweisen. Und da die Details in einem anderen Blog schon sehr gut und ausführlich erklärt wurden, verlinke ich mal dahin.

Keine Astronomie mehr in der Schule? Ein Offener Brief zu den Bildungsplänen in Baden-Württemberg
Veröffentlicht von Florian Freistetter am Oktober 28, 2015 in seinem Blog

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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #5 am: 29. Oktober 2015, 01:16:57 »
Hallo Hans,

einerseits kann ich das Anliegen dieses Beitrags schon verstehen. Andererseits sehe ich die Realität an dem Gymnasium meiner Kids. - Hierzu als erstes: im Großen und Ganzen bin ich mit der Schule sehr zufrieden. - Hier gehen die Eltern der 9ten Klassen gerade auf die Barrikaden, weil im ersten Halbjahr z.B. in der Klasse meiner Tochter genau NULL Stunden Naturwissenschaften unterrichtet werden!!! Ganz ehrlich - da ist meckern über das Fehlen von Astronomie 'meckern auf sehr hohem Niveau'! Und das Problem zieht sich nun schon durch die gesamte Mittelstufe. In der 7 wurde eine der beiden Physikstunden zu 'Nawi'. Da sollen allgemein Naturwissenschaften an die Kids herangetragen werden, interessant gemacht werden. Es soll klar werden, dass die Naturwissenschaften zusammenhängen,.... Leider gibt es noch keine wirklich durchdachten Lehrpläne, die Lehrer geben sich alle Mühe, aber saug Dir mal da so neben dem täglichen Jobgeschäft was sinnstiftendes zu den fixen Ideen der 'Sesselpupser', die das Fach erfunden, aber nicht mit Inhalt gefüllt haben, aus den Fingern  :nixweiss1:.
Und nun gab es zum einen zu wenig Lehrerstunden, die der Schule zugewiesen wurden. Zum anderen gab es Beurlaubungen, Neuzuweisungen,... durch die am Ende weniger naturwissenschaftliche Lehrkräfte zur Verfügung standen (ziemlich verwickelt und eins hängt am anderen und am Ende kommt Mist raus - um es kurz zu machen ;-)). Und dann hat die Schulleitung noch beschlossen, der neuen 11 richtig viele Kurse zur Wahl zu stellen. Das ist für die 11er genial - die meisten konnten ihre Wunschkurse verwirklichen. Und da die Schule einen (alt)sprachlich-musischen Schwerpunkt hat gibt es auch sowas wie Musik-LK, Latein-, Spanisch-, Französisch-LK. Viele dieser Kurse haben nur 10 bis 15 Schüler. Das ist traumhaft. Aber: die übergeordnete Behörde bemisst die benötigten Lehrerstunden nicht nach der Anzahl Kurse sondern nach der Anzahl Schüler. Und so muss dieser Luxus in der Oberstufe irgendwie ausgeglichen werden - mit weniger Stunden in der Mittelstufe. Und da wird bevorzugt bei den Naturwissenschaften gekürzt. Nun mach ich mir um unsere eigenen Kinder nicht sooo viele Sorgen, da wir daheim so ein Faible für diese Sachen haben, dass zumindest das Interesse geweckt wird. Und dann ist für die Kids immer noch alles offen. Aber das ist ja nun nicht überall so. Und Schulschwerpunkt hin oder her - das ist grad echt heftig!

Von daher: Astronomie ist (für mich), wenn es um die Grundlagen der Naturwissenschaften geht, doch irgendwie nur ein Teilbereich der Physik. Und ich wär froh, wenn erstmal überhaupot genug Physik auf dem Stundenplan wäre....

:winken: Christiane
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Re: Schule, Uni, Bildung allgemein
« Antwort #6 am: 30. Oktober 2015, 01:36:26 »
Hi Christiane,

der Vergleich mit der Schule Deiner Kids ist zwar interessant, trifft aber das Problem nicht ganz. Denn es geht bei dem Aufruf ja darum, zu verhindern, dass ein bestehender Bereich von astronomischer Bildung wieder aus dem Lehrplan gestrichen wird, wodurch viel Arbeit, die entsprechend engagierte Lehrer sich in dem Bereich in den letzten Jahren gemacht haben, für die Katz wäre, weil sie es nicht mehr nutzen können. Speziell was sie in die Erstellung und Vorbereitung von Unterrichtsmaterial investiert haben.

Andrerseits ist das mit den Gymnasien dann ja auch noch so eine Sache, da man ja auch zwischen einzelnen Gymnasiumstypen unterscheidet. Da gibt es auf der einen Seite jene mit sprachlichem Schwerpunkt, auf der anderen jene mit einem stärkeren Fokus auf die Naturwissenschaften. Ich kenn mich damit jetzt nun nicht so wirklich aus, aber nach allem, was ich bisher dazu gelesen habe, hab ich mir das so zusammen gereimt, dass die Gymnasien mit dem sprachlichen oder philologischen Schwerpunkt die Naturwissenschaften grundsätzlich nur im Rahmen des Lehrplans behandeln und nicht mehr darin unterrichten, als sie unbedingt müssen. Bei den naturwissenschaftlichen Gymnasien ist es wiederum genau umgekehrt, da werden nur die notwendigsten Fremdsprachen unterrichtet, dafür werden die Naturwissenschaften umfassender behandelt. Ob das im Einzelfall immer so stimmt, weis ich allerdings nicht und kann es auch nicht beurteilen. - Dürfte auch von der jeweiligen Schulleitung und dem vorhandenen Lehrpersonal abhängen. (Da kommt auch wieder die komische Diskussion durch, ob Naturwissenschaften nun zur "humanistischen Bildung" dazu gehören, oder nicht. Einige meinen ja, wer in Naturwissenschaften gut ist, aber keine Ahnung von Literatur und Geschichte hat, wäre ungebildet...  :hau: )
 
Zitat
Von daher: Astronomie ist (für mich), wenn es um die Grundlagen der Naturwissenschaften geht, doch irgendwie nur ein Teilbereich der Physik. Und ich wär froh, wenn erstmal überhaupot genug Physik auf dem Stundenplan wäre....
Das Astronomie ein Teilbereich der Physik ist, ist zwar grundsätzlich richtig, aber in diesem Fall die falsche herangehensweise. Denn es geht doch darum, über die Astronomie das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken. Klar ergibt sich die Physik dabei als hauptsächlich beteiligte. Aber es gibt inzwischen ja auch Astrobiologie, die sich damit beschäftigt, ob und unter welchen Umständen Zellen anderswo als auf der Erde leben können, bzw. ganz allgemein, wie sich lange Aufenthalte in der Schwerelosigkeit auf lebende Organismen auswirken. Welchen Einfluss die diversen Strahlungen dabei haben, etc. Die Chemie überschneidet sich da wahrscheinlich mit der Physik, weil Bindungen bzw. Materialeigenschaften ja von beiden untersucht werden.
Und dann gibt es da noch die grosse Verbindung zur Informatik. Denn für viele Probleme, aus der Astronomie gibt es keine fertige Standardsoftware. (Okay in einigen Teilbereichen entsteht da zur Zeit welche oder es bilden sich so langsam Standardprogramme heraus.) Aber dennoch kann man bei der praktischen Beschäftigung mit astronomischen Problemen auch immer gut den Bogen zur Informatik schlagen indem man zeigt, wie man Algorithmen anwendet oder modifiziert, um sie anwenden zu können. Oder, wenn man die Algorithmen zwar hat, aber keine Programme, die sie umsetzen, dann kann man zeigen, wie man diese schreibt. Da können sich dann auch die Fächer Informatik und Astronomie überschneiden.

Aber wie gesagt, in dem Aufruf geht es darum, bestehende Astronomieangebote in den Lehrplänen zu erhalten und nicht zu kürzen. Und das finde ich unterstützenswert, auch wenn ich selbst nichts davon habe.

:winken:
Hans

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Edit: In diesem Beitrag auch noch mal eine etwas genauere Begründung des Aufrufs.

« Letzte Änderung: 30. Oktober 2015, 02:43:33 von Hans »
Man muß nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo es steht.
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