Simon Beckett "Die Chemie des Todes"

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Offline Meike

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Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« am: 21. Juli 2008, 21:34:47 »
Simon Beckett "Die Chemie des Todes"

[isbn]3499241978[/isbn]

Inhalt:

David Hunter war einst Englands berühmtester Rechtsmediziner. Nach dem Unfalltod seiner Frau und der gemeinsamen Tochter hat er London den Rücken gekehrt und sich in Manham, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Devon, als einfacher Allgemeinmediziner niedergelassen. Weder sein Arbeitgeber, der alte Dr. Maitland, noch die Dorfbewohner wissen etwas von seiner Vergangenheit.
Drei Jahre sind seitdem vergangen, als von zwei Jungen die Leiche der ortsansässigen Schriftstellerin Sally Palmer entdeckt wird. Die Ermordete wurde mit zwei angesteckten Schwanenflügeln aufgefunden. Auf Drängen des örtlichen Chief Inspector Mackenzie obduziert Hunter den Leichnam. Währenddessen verschwindet eine zweite Bewohnerin des Dorfes. Die Verdächtigungen der Einheimischen richten sich zuallererst gegen David Hunter, den in ihren Augen immer noch Fremden ...

Meine Meinung:

Ich muss sagen, dass ich das Buch wirklich nur widerwillig aus der Hand gelegt habe und ich besonders abends nicht wirklich aufhören konnte und diese bekannte innere Stimme "Gut, noch ein Kapitel! Aber nur noch eins" immer öfter zu mir sprach.
Man wird sofort in die Geschichte geschleudert und ein bisschen überraschend war für mich zuerst der männliche Ich-Erzähler, davon gibt es doch irgendwie nicht so viele in den Büchern. Aber gerade das hat für mich die Spannung auch immer hoch gehalten, denn durch das angedeuteten Wissen (z.B. "aber da sollte ich mich schwer irren") wird man immer neugieriger wie die Geschichte weiter geht und wer hinter den Verbrechen steckt.
Obwohl das Buch teilweise schon heftige Beschreibungen bietet (z.B. von Maden an Leichen) und somit nichts für sanfte Gemüter ist, fand ich das Buch nie ganz eklig, es gibt vielmehr einen Einblick in die Arbeit eines forensischen Anthropologen, obwohl ich mich hier schon oft an Kathy Reichs erinnert fühlte und man nicht ganz so detailliert alles über Methoden, etc. erfährt. Aber das ist für den Roman auch irgendwie nur zweitrangig, meiner Meinung nach, denn es lebt eher von der psychologischen Beschreibung des zunehmenden Misstrauens und der Angst die in einem Dorf umgehen und wo alle Fremden zu Verdächtigen werden.

Die Protagonisten sind allesamt interessant und haben ihre eigene Geschichten und Geheimnisse. Allen voran natürlich der Hauptakteur David Hunter, den ich sehr sympathisch, gerade wegen seinem Schicksal, fand! Gerade durch die Undurchsichtigkeit der Protagonisten und die Verschwiegenheit des englischen Dorfes wird der Fokus des Lesers auf immer andere Verdächtige gelenkt und man kann sich nie sicher sein, ob man nun den Richtigen verdächtigt. Das lässt eine atemlose Spannung aufkommen, die das ganze Buch über anhält und am Ende natürlich in einem großen Show-Down endet. Für manche wird das Ende zu dick aufgetragen sein, aber mir hat es dennoch gefallen und ich fand es stark, spannend und unvorhersehbar, was einen guten Thriller für mich ausmacht!
Das ganze Buch ist flüssig geschrieben und ich halte es für einen echten Page-Turner.Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Fälle von Dr. David Hunter!

Note

Liebe Grüße,
Meike

« Letzte Änderung: 01. Mai 2009, 14:44:34 von Steffi »
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Offline ClaudiC

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #1 am: 22. Juli 2008, 13:18:38 »
Vielen Dank für Deine ausführliche Rezension. Ich überlege jetzt, ob ich das Buch auf meine Wunschliste setzen soll. Vor allem, weil es der Auftakt zu einer Serie ist. Und ich liebe ja bekanntlich Serien.

Ist das Buch sehr actionlastig? Das mag ich nämlich nicht so sehr. Mir ist di traditionelle Ermitungsarbeit nämlich lieber. Finde ich, gerade in Büchern, auch spannender. Bei Filmen kann das ja anders sein.

LG
ClaudiC

Offline Meike

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #2 am: 22. Juli 2008, 14:12:42 »
Hallo Claudi,
Actionlastig...mmmh  :kopfkratz: Was meinst du jetzt genau damit? Also es wird nicht rumgeballert und dauerndes Blut fließt auch nicht. Ich würde sagen, dass es nicht actionlastig ist.

Liebe Grüße,
Meike
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Offline ClaudiC

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #3 am: 22. Juli 2008, 19:45:40 »
Ich mag es nicht so sehr, wenn die Helden dauernd vor ihren Widersachern fliehen müssen. Und dann seitenweise versteckt, geballert und gekämpft wird.
Ich glaube, dann komme ich um diese SErie nicht herum  :detektiv:

LG
ClaudiC

Offline Wiebke

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #4 am: 23. Juli 2008, 00:46:53 »
Hallo, ihr Lieben!

Ich verfolge auch sehr gespannt die Lesrunde zu dem Buch drüben, ich hab es nämlich kürzlich auch gelesen.
JAAAAAAAA, ICH! Ich, die sonst nix ausser historischen Romanen liest, habe einen Krimi gelesen.  :detektiv:
Ich bin da eigentlich nur zu gekommen, weil ich das Buch meinem Freund zu Weihnachten geschenkt habe. Der liest nämlich höchstens mal einen Krimi, und dann muss ich das auch fördern...
Jedenfalls hab ich doch glatt mal bei ihm übernachtet und abends mein mitgebrachtes Buch ausgelesen, war aber noch nicht müde und musste IRGENDWAS lesen. Also hab ich mir den Beckett geschnappt und bin dran hängen geblieben.

Es hat mir sehr gut gefallen, allerdings war es tatsächlich nix für abends zum Einschlafen - einschläfernd is nämlich was anderes.
Das soll jetzt keine Rezension werden, aber ich fand David Hunter auch sehr sympathisch, alle Figuren sehr individuell und interessant und der Täter bis zum Schluss nicht vorhersehbar. Die forensischen Anteile im BUch fand ich einfach nur interessant, aber ich bin da auch recht abgehärtet. Ich hab auch keinen Vergleich, wie sehr andere Krimiautoren da ins Detail gehen.

Zum Krimileser werde ich deswegen trotzdem nicht, aber den hier fand ich wirklich unterhaltsam.

@Claudi: Die Story ist, mal von der unterschwelligen Spannung und natürlich ein paar gefährlichen Szenen zum Finale überhaupt nicht actionlastig, es ist eher eine ruhige Geschichte, die mehr von psychologischer und emotionaler Spannung lebt, würde ich mal so behaupten.

Liebe Grüße, Wiebke

Offline Meike

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #5 am: 23. Juli 2008, 14:18:27 »
Hallo Wiebke,
das ist ja schön, dass dir das Buch auch gefallen hat! Und besser als du Claudi es beschrieben hast hätte ich es nicht sagen können  :flirt:

Liebe Grüße,
Meike
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Offline Xandi

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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #6 am: 30. Juli 2008, 10:30:22 »
Hallo!

Also ich hab das Buch vor einiger Zeit gelesen und ich war auch total gefesselt.
Hab auch bis zum Schluß nicht gewußt, wer der Mörder ist. So eine Ahnung hatte ich, aber nichts Bestimmtes.

Der Zweite Teil der Serie hat mir dann nicht mehr sooo gut gefallen.
Da kommt man relativ schnell drauf, wie der Hase läuft. Und dann is der Pfeffer weg.

Aber auf Teil 3 freu ich mich trotzdem schon

Xandi
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Re: Simon Beckett "Die Chemie des Todes"
« Antwort #7 am: 19. September 2018, 15:33:59 »
Manham, ein kleines Dorf in England. Seit drei Jahren arbeitet der forensische Anthropologe David Hunter hier als gewöhnlicher Landarzt. Nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter kehrte er London den Rücken und ist ganz zufrieden mit seinem neuen, ruhigeren Leben. Nur nachts quälen ihn die Träume.
In einem der heißesten Sommer der letzten Jahre ist es mit der idyllischen Ruhe im Dorf vorbei. Zwei Jungs finden eine grausam entstellte Leiche, eine Frau, die etwas abseits des Dorfes wohnte und wie David "nur zugezogen" war. Die örtliche Polizei ist angesichts des Zustands der Toten schnell überfordert und Inspector MacKenzie bittet David Hunter um Mithilfe. Oder will er dem schweigsamen Arzt nur genauer auf den Zahn fühlen, weil er ihn für einen Verdächtigen hält? Denn David kannte die Tote und auch nach drei Jahren ist er immer noch der "Fremde" im Dorf. Besonders der Pfarrer lässt ihn das spüren und zettelt mit seinen Hasspredigten eine regelrechte Hexenjagd an. 
Dann verschwindet eine weitere Frau, dieses Mal ist es "eine von ihnen", jemand, der im Dorf geboren und aufgewachsen ist. Und nach und nach kochen die Emotionen hoch und jeder verdächtigt jeden, denn die Hinweise verdichten sich, dass der Täter jemand aus Manham sein muss. Und aufgrund seiner Untersuchungen weiß David, dass der Täter sein letztes Opfer drei Tage nach der Entführung getötet hat. Nun zählt jede Minute.

"Die Chemie des Todes" ist der erste Teil der Thriller-Reihe von Simon Beckett und hier lernt man den forensischen Anthropologen David Hunter erst einmal kennen. Ein Rechtsmediziner, der sich auf seinem Gebiet bestens auskennt und mit Hilfe von Fliegen und Larven den Todeszeitpunkt eines Menschen ziemlich genau bestimmen kann. Ähnlich wie in Kathy Reichs Büchern (Tempe Brennan ist ja auch forensische Anthropologin) erfährt man hier interessante wissenschaftliche Fakten, aber es wird nie zu viel oder zu theoretisch. Auch die Fachbegriffe halten sich in Grenzen. Alles ist in einem guten Gleichgewicht zum Krimianteil und die Geschichte ist spannend und flüssig erzählt. Es gibt auch emotionale Momente, aber es wird nie zu "gefühlsduselig".
Simon Beckett schreibt sehr anschaulich und bildhaft und beschreibt das Leben in einem so kleinen englischen Dorf sehr treffend, denn so stellt man es sich vor. Und irgendwie liegt über dem Ganzen immer eine leicht düstere und bedrückende Atmosphäre, was sehr gut zu den Ereignissen passt.

Irgendwann hatte ich einen Verdacht, was den Täter betraf, aber dann dachte ich, dass das ja eigentlich nicht sein kann. ;-) Am Ende war ich jedenfalls teilweise sehr überrascht.

 :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box1:
Was ich rette geht zu Grund, was ich segne muss verderben.
Nur mein Gift macht dich gesund. Um zu leben musst du sterben.
(Musical: Tanz der Vampire)