Armstrong, Kelley: Schattenstunde
Originaltitel: The Summoning
Verlag: Pan
erschienen: 2010
Seiten: 416
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3426283417
Übersetzung: Christine Gaspard
“Ich heiße Chloe Saunders, und mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Ich wollte immer eine ganz normale Jugendliche sein. Doch heute weiß ich nicht einmal mehr, was das ist, normal sein. Alles begann an dem Tag, an dem ich meinen ersten Geist sah und er mich. Nun kommen immer mehr Tote auf mich zu, die irgendetwas von mir wollen. Und da das alles andere als normal ist, wurde ich nach Lyle House geschickt angeblich ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Aber da steckt mehr dahinter. Und die anderen Jugendlichen hier sind auch nicht einfach nur durchgeknallt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich muss versuchen, den dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn nur so kann ich die Toten, die immer näher kommen, zum Schweigen bringen “
Rezension:
Kelley Armstrongs erster Band der Reihe “Die dunklen Mächte” ist ein wunderbares Beispiel für perfekte All-Age-Unterhaltung. Sowohl Teenager, als auch Erwachsene werden sich mit diesem Buch wohlfühlen, weil die Autorin die Nöte und Sorgen der jungen Chloe ernst nimmt, dem ganzen aber eine düstere Stimmung verleiht und auf Kitsch gänzlich verzichtet.
In “Schattenstunde” sind alle Figuren sehr real, was aufgrund ihrer Fähigkeiten vielleicht jetzt etwas komisch klingt, aber die Autorin charakterisiert sie so facettenreich, dass sie einem wie echte Menschen vorkommen. Besonders die Entwicklung von Chloe ist bemerkenswert und mit sehr viel Liebe zum Detail geschildert. So können junge Erwachsene immer ihre Entscheidungen, Ängste und Hoffnung nachvollziehen und sich ältere Leser an der superb ausgearbeiteten Charakterentwicklung erfreuen.
Die Geschichte selbst ist sehr wendungsreich und überraschend. Immer wieder tauchen neue Rätsel auf, die es zu lösen gilt und es macht wirklich Spaß mit Chloe und ihren Freunden die Geheimnisse des Lyle Hauses zu ergründen.
Man merkt dem Buch am Anfang an, dass es der erste Band einer Serie ist, weil die Autorin sich sehr viel Zeit nimmt, um Atmosphäre aufzubauen und den Leser mit den Figuren vertraut zu machen. Allerdings wird das Geschehen ab der Hälfte so spannend, dass ich mich frage, wie man da im zweiten Band noch einen drauf legen will. Ich lasse mich da allerdings gerne positiv überraschen.
Im Gegenzug zu vielen anderen paranormalen All-Age-Titeln, die oft nur leicht phantastische angehauchte Liebesgschichten darstellen, bekommt man in “Schattenstunde” wirklich das, was hinten drauf steht. Das Buch ist durchaus düster und teilweise gruselig. Nicht so schlimm, dass man vor dem Löschen der Lampe unters Bett schauen muss, aber schon so, dass es einen packt und nicht mehr los lässt.
Das Loslassen wird uns besonders am Ende schwer gemacht, denn Armstrong beendet das Buch mit einem gehörigen Cliffhanger. Deswegen mein Rat: gleich die Fortsetzung “Seelennacht” mitbestellen.
Note: 2
Cast, P.C. und Kristin: Ungezähmt
Originaltitel: Untamed
Verlag: FJB
erschienen: 2010
Seiten: 538
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3841420044
Übersetzung: Christine Blum
Zoey weiß, wovon sie spricht. In nur einer Woche wenden sich alle Ihre Freunde von ihr ab und sie wird zur absoluten Außenseiterin. Jetzt bleiben ihr nur noch zwei wirkliche Freunde, allerdings ist die eine untot und der andere nicht mal Gezeichnet. Außerdem hat die Hohepriesterin Neferet den Menschen den Krieg erklärt und Zoey weiß tief in ihrem Herzen, dass das falsch ist. Aber wird irgendjemand auf sie hören? Zoeys Abenteuer auf dem Vampyr-Internat nehmen eine gefährliche Wendung: Ihr Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt, schreckliche Pläne kommen ans Licht, und eine uralte, böse Macht erhebt sich.
Rezension:
“Ungezähmt” fängt wie seine Vorgänger leider mit den genau denselben Wiederholungen und überflüssigen Erklärungen an. Zoey ergeht sich in ellenlangen gedanklichen Ergüssen, um mir zu erklären, wer und was sie ist und wieso sie plötzlich niemand mehr mag. Ich war mehrmals versucht zu sagen: “Danke Mädel, ich weiß das noch von den 100 Erklärungen davor.”
Nachdem man diesen Teil, den man wohl auch in den kommenden Romanen der Serie einfach hinnehmen muss, überstanden hat, nervt die Protagonistin jedoch mit ihren Launen. Es scheint so, als wäre bei Zoey immer alles ganz grausam oder super genial. Es gibt keine Normalität, dafür jede Menge Extreme und vor allen Dingen ändert sie ihre Meinung über ihre Situation förmlich im Minutentakt.
Aufgrund der ganzen Aufregung im vorherigen Band geht mir die Versöhnung zwischen Zoey und ihren Freunden auch ein bisschen zu schnell, aber ehrlich gesagt, war ich froh, dass der “Haufen” endlich wieder an einem Strang zieht, damit das ewige Gejammer aufhört.
Ein Highlight ist mal wieder Aphrodite, die sich immer mehr zur zweiten Hauptfigur entwickelt und deren so herrlich gegen den Strich gebürsteter Charakter einfach erfrischend ist. Gerade im Vergleich fallen Zoeys andere Freunde extrem ab. Noch immer bleiben sie Stichwortgeber, die sich vor allen Dingen in lächerlichen Dialogen die “Bälle” hin und herschmeißen. Gerade in einigen brenzligen Situationen wirkt das komplett deplaziert und fast ein bisschen dämlich. Nicht so Aphrodite, die des öfteren mit ihren klugen Ideen und ihrem Sarkasmus die Lage rettet und mit Stevie Rae wohl Zoeys wichtigste Freundin ist. “Ungezähmt” ist auch der erste Band, wo Zoey und Aphrodite sich nicht mehr so gegen ihre Freundschaft wehren und sie tatsächlich so benennen.
In der zweiten Hälfte des Romans wird es dann rasanter. Die Stimmung wird immer düsterer und die Spannung spürbarer. Immer wenn die Autoren ihr Erzähltempo steigern, blitzt auch durchaus ihr Können auf, denn es gibt wirklich gute und neue Ideen, die für den Fortlauf der Serie eine Wende bedeuten. Glücklicherweise wird in diesem Band Zoeys Liebesleben nicht ganz so arg strapaziert, auch wenn die Hormonschwankungen der Heldin natürlich weiterhin Thema bleiben, aber es wirkt nun realistischer und einem Teenager angemessen. Auch wird der Konflikt zwischen der Jungvampirin mit der Hohepriesterin Neferet endlich offener ausgetragen. Gegen Ende des Buches gibt es keine Versteckspiele mehr, dafür jede Menge Überraschungen und offene Fragen für den nächsten Band.
Trotz der Kritik freue ich mich auf den nächsten Teil, weil die Serie sich locker und leicht weglesen lässt und ich jetzt einfach auch wissen möchte, wohin die Serie gehen wird. Glücklicherweise haben wir im Gegensatz zu den USA noch einiges an Nachholbedarf, so dass wir 2011 noch mindestens drei weitere Übersetzungen erwarten dürfen (Februar, Mai, August stehen bereits fest für Band 5 bis 7). Erst 2012 wird es dann langsam eng, wenn wir wie die Amerikaner darauf warten müssen, dass die Casts neue Abenteuer zu Papier bringen.
Note: 3
Andrews, Ilona: Magisches Blut
Originaltitel: Magic Bleeds
Verlag: Lyx
erschienen: 2011
Seiten: 320
Ausgabe: Broschiert
ISBN: 3802583426
Übersetzung: Jochen Schwarzer
Kate Daniels erhält den Auftrag, in einer blutigen Auseinandersetzung zu ermitteln, die in einer Bar zwischen den Gebieten der Gestaltwandler und der Nekromanten stattgefunden hat. Schon bald stößt sie auf einen neuen gefährlichen Gegner, der Atlanta unsicher macht - ein uraltes Geschöpf, das einst an der Seite von Kates Vater gekämpft hat. Kann es Kate und Curran, dem Anführer der Gestaltwandler, gelingen, gegen diese finstere Bedrohung zu bestehen?
Rezension:
Ilona Andrews ist wie immer ein Garant für puren Lesengenuss. Und auch hier werden die Fans der Serie nicht enttäuscht. Die Beziehung zwischen Kate und Curran wird auch in Band 4 der Serie weiter gesponnen und das Autorenpaar stellt gleich im Vorwort fest: In diesem Band geht es endlich zur Sache zwischen den Beiden.
Aber auch abseits der Liebesbeziehung ist wieder eine Menge los und Action vom Feinsten garantiert. Man lernt die Gewohnheiten und Sitten der Gestaltwandler besser kennen und warum Curran damals die Vereinigung des Packs gegründet hat. Auch bei Kate ist einiges los. Immerhin muss sie gegen ihren Vater, Roland, bestehen und auch sonst tauchen Figuren aus ihrer Verwandtschaft auf, mit denen sie nicht gerechnet hat. Zudem wird, zumindest ansatzweise erklärt, was es nun mit ihrem Blut auf sich hat und warum das so gefährlich ist. An Gewaltszenen, manchmal auch sehr ausführliche, muss man sich bei der Serie allerdings gewöhnen, denn die sind auch in Band 4 recht ausgeprägt.
Rezensiert wurde die englische Ausgabe. Auf Deutsch erscheint Band 4, “Magisches Blut” im Jänner 2011. Wer sich vor dem Englischlesen nicht scheut, kann sich zudem schon freuen: Band 5 der Serie erscheint bereits im Mai und wird “Magic Slays” heißen.
Note: 1
Garcia, Kami/Stohl, Margaret: Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe
Originaltitel: Beautiful Creatures
Verlag: cbj
erschienen: 2010
Seiten: 544
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3570138283
Übersetzung: Petra Koob-Pawis
Schon bevor Ethan sie zum ersten Mal gesehen hat, hat sie ihn in seinen Träumen verfolgt: Lena, die Neue an Ethans Schule. Lena, das Mädchen mit dem schwarzen Haar und den grünen Augen. Lena, die in Ravenwood wohnt, der verrufenen alten Plantage, von der sich alle in Gatlin fernhalten – alle außer Ethan. Lena, in die Ethan sich unsterblich verliebt. Doch Lena umgibt ein Fluch, den sie mit aller Kraft geheim zu halten versucht: Sie ist eine Caster, sie entstammt einer Familie von Hexen, und an ihrem sechzehnten Geburtstag soll sie berufen werden. Dann wird sich entscheiden, ob Lena eine helle oder eine dunkle Hexe wird …
Rezension:
Der ein oder andere wird es vielleicht wissen. Ich habe ein absolutes Faible für schwüle Südstaatenatmosphäre, die sich besonders gut in paranormalen Romanen zu machen scheint. Was wäre zum Beispiel Sookie Stackhouse ohne die flirrende Hitze des Südens? In “Sixteen Moons” kommt deswegen gleich auf den ersten Seiten die richtige Stimmung auf. Der ganze Ort, die Plantage, die Menschen dort – alles wirkt mystisch und irgendwie in der alte Zeit stehen geblieben. Es gibt Szenen, da kann man fast die Kanonen des Bürgerkrieges hören.
Erstaunt war ich über die Erzählperspektive, da nicht Lena, sondern Ethan die Geschichte erzählt. Gerade für ein paranormales Jugendbuch ist dies sehr ungewöhnlich, weil es sich doch meist an Mädchen richtet und da als Identifikationsfigur eine weibliche Figur eher taugt. Ich hatte jedoch damit gar keine Schwierigkeiten. Vielleicht auch, weil die Autorinnen einen sehr schönen und leichten Schreibstil pflegen.
Dem ist es auch zu verdanken, dass man anfangs ob der Informationsflut nicht die Segel streicht und sich wagemutig ins Labyrinth der vielen Figuren wagt. Nach dem etwas undurchsichtigen Anfang wird man jedoch schnell mit einer spannenden, wendungsreichen und gut durchdachten Geschichte belohnt. Es tauchen immer mehr Geheimnisse auf, die es zu lösen gilt.
Die Beziehung zwischen Lena und Ethan hat mir auch sehr gut gefallen. Nun ist es einmal der Junge, der zurückgestoßen wird und nicht weiß, warum sich Lena so verhält, wie sie sich verhält. Die Gerüchte um ihre Familie tun ihr übrigens, um sie besonders geheimnisvoll wirken zu lassen.
Bei “Sixteen Moons” möchte ich auch noch das schöne Cover erwähnen. In natura hat es eine wunderschöne Wirkung und ist eine Zierde in jedem Bücherregal. Die Fortsetzung darf also gerne möglich schnell kommen.
Note: 2
Cast, P.C. und Kristin: Erwählt
Originaltitel: Chosen
Verlag: FJB
erschienen: 2010
Seiten: 409
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3841420036
Übersetzung: Christine Blum
Dunkle Mächte sind im House of Night am Werk und Zoeys Erlebnisse im Internat nehmen eine rätselhafte Wendung. Zoeys beste Freundin Stevie Rae ist untot und versucht mit aller Macht, ihre Menschlichkeit nicht vollends zu verlieren. Und Zoey hat keine Ahnung, wie sie ihr dabei helfen kann, aber sie spürt, dass alles, was sie und Stevie Rae herausfinden vor den anderen im House of Night geheim gehalten werden muss. Denn plötzlich scheint es keinen mehr zu geben, dem sie wirklich vertrauen können. Als es kaum noch schlimmer kommen kann, werden Leichen gefunden: ermordete Vampyre! Aber Zoey findet heraus, dass nichts so ist wie es scheint…
Rezension:
Nachdem das Autorenduo Cast in “Betrogen” mit dem Tod von Stevie Rae eine mutige Wendung in die Geschichte gebracht hat, passiert in “Erwählt” erstmal lange Zeit absolut gar nichts. Ellenlange Seiten von Geschwafel und mehr oder weniger interessanten Gedanken, die Zoey wie üblich auch noch pseudo-sarkastisch kommentieren muss.
Auch in Zoeys Liebesleben geht es nicht wirklich weiter, wobei ich mich wirklich frage, was Zoey an Eric findet. Die Casts haben es nach dem ersten Band “Gezeichnet” verpasst dieser Figur Tiefe zu verleihen und in “Erwählt” ist er nur noch ein blasser Statist ohne Gesicht und Facetten. Für mich ist er ehrlich gesagt der langweiligste Freund, den ich mir so vorstellen könnte.
Das mit Loren irgendwas nicht stimmt, ahnt man eigentlich schon seit “Betrogen” und so ist die Wendung zwischen ihm und Zoey nicht wirklich überraschend, dennoch hat sie weitreichende Auswirkungen. Es dürfte doch sehr interessant sein, wie Zoey damit zurecht kommt, dass sie mehr und mehr isoliert dasteht.
Auch die anderen Nebenfiguren müssen sich mit ihrem bisheriges Dasein als Stichwortgeber zufrieden geben. Weder die Zwillinge, noch Damien, noch die zahlreichen anderen Jungvampire haben irgendetwas Wichtiges zur Handlung beizutragen. Die einzige, die mehr und mehr an Format gewinnt ist die Zicke Aphrodite. Sie ist sogar noch vor Zoey die für mich vielschichtigste Person, weil ich sie auch nach “Erwählt” nicht abschließend einschätzen kann.
Insgesamt passiert jedoch einfach zu wenig und wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Verlag den Inhalt mit großer Schrift und viel Rand künstlich in die Länge zieht, dann hinterlässt das einfach einen bitteren Beigeschmack. Auch die Casts sollten bei den Folgebänden aufpassen. Ich brauche nicht in jedem Band wieder von vorne alles erklärt kriegen. Das kann man beim zweiten Band noch mal machen, aber wenn jetzt in jedem Band 50 Seiten vergehen müssen, auf denen durchgekaut wird, was Zoey ist, wo sie ist und wer ihre Freunde sind, dann wird zumindest meine Geduld überstrapaziert.
Noch ködern die Autoren mich mit einem packenden Ende, aber ich beginne Schwächen, über die ich in Band 1 und auch weitesgehend in Band 2 hinwegsehen konnte, stärker zu hinterfragen und wenn mich während des Lesens ein gewisser Ärger begleitet, dann weiß ich, dass die Neugierde auf weitere Bände irgendwann verschwinden wird.
Note: 3-








